Oberwynental
Trockenheit: Haushalten mit dem Wasser ist angesagt

Risse in den Ackerböden, Staub auf den Feldern, eine Wyna, die zum Rinnsaal geworden ist und Gartenpflanzen, die nach Wasser lechzen. Die Folgen der niederschlagsarmen Monate seit Jahresbeginn sind sichtbar. Sind sie auch messbar?

Peter Siegrist
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Roger Soland, Werkleiter Wasser, auf einem Kontrollgang im Reinacher Reservoir Rigiblick. Peter Siegrist

Roger Soland, Werkleiter Wasser, auf einem Kontrollgang im Reinacher Reservoir Rigiblick. Peter Siegrist

«Ja», sagt Roger Soland, «die Schreibnadeln unserer Messgeräte stehen auf Dauertief.» Soland steht im Dienst der EWS Energie AG in Reinach und ist als Werkleiter Wasser verantwortlich für die Trinkwasserversorgung der Gemeinden Reinach, Menziken und Burg. Der Zufluss der verschiedenen Quellen und der Stand der Grundwasserspiegel werden von Soland gemessen und statistisch festgehalten.

Bei einem Augenschein im Reservoir Rigiblick öffnet Soland die Abdeckung zu den Einlaufrohren mehrerer Quellen. «Im Schnitt bringen unsere Quellen noch etwa die Hälfte der üblichen Leistung», erklärt der Brunnenmeister, «den Rückgang kompensieren wir, indem wir mehr Grundwasser heraufpumpen.» Nur, der Grundwasserspiegel liegt heute auch rund 100 Zentimeter unter dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010. Der Rückgang beim Quellertrag, gemessen zwischen Januar bis April 2011, beträgt rund 60 Prozent.

Flossen im Januar noch täglich 3400 Kubikmeter Quellwasser in die Reservoirs der drei Gemeinden, sind es aktuell noch 1420 Kubikmeter. Soland kann dank seiner gesammelten Messdaten auch die Niederschläge mit den Vorjahren vergleichen. Zum Beispiel wurden in Reinach im trockenen Jahr 2003 von Januar bis zum 20. Mai 280 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Dieses Jahr beträgt die Menge für die gleiche Zeitspanne nur 150 Liter, das heisst 130 Liter weniger. «Und die eher trockenen Sommermonate stehen noch bevor», sagt Soland.

Die Wasserversorgungen der drei Gemeinden sind miteinander verbunden. Zusätzlich kann Reinach von Gontenschwil Wasser beziehen, und Menziken kann nach Beinwil liefern. «Die regionale Zusammenarbeit im Oberwynental funktioniert auch bei der Wasserversorgung.»

Eine Regenperiode wäre nötig

Soland beobachtet die Situation täglich, sagt jedoch: «Die Lage ist noch nicht zu dramatisieren.» Klar, die Quellen flössen spärlicher, und weil vermehrt Grundwasser ins Netz eingespeist werde, sei der Grundwasserspiegel tiefer als normal.

Damit sich die Situation wieder normalisieren könne, wäre ein Dauerregen von mindestens fünf bis sechs Tagen nötig. Das Quell- und Grundwassersystem reagiere träge.

Von einer Rationierung des Wassers oder gar von Verboten will Roger Soland heute noch nicht sprechen. Aber dennoch, bei weiterer Trockenheit könne sich die Lage schnell ändern. «Heute rufe ich die Bevölkerung nur auf, mit dem Wasser bewusst und haushälterisch umzugehen», sagt Soland.

So sei jetzt auf «verschwenderische Autowasch-Aktionen» zu verzichten, ebenso auf das Abspritzen von Vorplätzen lediglich zum Abkühlen. «Auch ein Rasen, der etwas trocken hat und gelblich wird, erholt sich nach einem Regen schnell wieder», gibt Soland zu bedenken.