Reinach

Trinkt Céline Dijon Wisswi oder Reduit?

Mit viel Einfallsreichtum auf der Bühne: «Pasta del Amore» verwandeln ihre Körper in ein Musikinstrument.

Mit viel Einfallsreichtum auf der Bühne: «Pasta del Amore» verwandeln ihre Körper in ein Musikinstrument.

Die Premiere von «Pasta del Amore» mit dem neuen Programm liess das Publikum im vollen Theater am Bahnhof in Reinach sinnen und lachen

«Heinz, jetz muesch emou lose!» So beginnen Stammtischgespräche. Gut hinhören muss auch, wer bei Pasta del Amore, dem Duo mit Wurzeln in der Region, jedes Wortspiel verstehen will. «Auch nicht nötig», sagt Christian Gysi (41), die eine Hälfte des Duos. Und die Vorstellung, dass jemand nachts um drei erwacht und endlich eine Pointe verstanden hat, gefällt Bruno Maurer (37), den zweiten 50 Prozent.

Zu Pasta passen viele Saucen. Varietät ist eine Stärke des Programms des nach acht Jahren neu auferstandenen Duos. Variété im besten Sinne. In den «Worst Case News» feiert das Wortspiel Urständ, wenn von «Adelbodenlenkwaffen» die Rede ist und man «Wisswi» oder «Reduit» trinkt und alle zu «WEFeln» beginnen. Die beiden Komödianten nehmen das Wort beim Buchstaben und entdecken Ländernamen beim «Koreagieren» und «Entspanien». Ein Feuerwerk, ja Kaskaden von Wortgags ergiessen sich übers Publikum, und nach einer «NATOd-Erfahrung» findet der News-Moderator ein Ende: So, Hamas.

Pasta del Amore sind kaum böse oder gar giftig. Auch wenn sie sich über performative Kunst-Happenings lustig machen: Eine Zitrone wird ausgepresst. Live! Sie habens mehr mit Dada, bloss ab und zu entwischt ihnen ein krasser Kalauer: «Di Chranke vo de Banke sett me hanke.» Als Kämpfer für vom Aussterben bedrohte Theaterformen bieten sie auch klassische Pantomime. Man wähnt sich in der Stummfilmzeit samt einschlägiger Musik und Geräuschen und hat seinen Spass trotz makabrem Ende: eine Restaurantszene mutiert zum Krimi. Die beiden verstehen ihr Körper- und Wortwerk trefflich.

Das Programm «Show zäme» ist ein multimediales. So zeigen Pasta del Amore filmisch Szenen aus der Superheldenzentrale des Universums, wo die Oberhelden Holy Shit und Dschiises auf Telefonanruf Helfer organisieren für gepiesackte Erdenbewohner.

In der Blockbusterli-Show – statt Kasperli und Seppli spielen Jack und Rose, und zwar die Geschichte der Titanic – kommt das Figurentheater zu Ehren. «Warum winslest du so?», fragt Jack; den Eisberg stellt ein Salat dar und – der Gipfel des Aberwitzes: Eine Tube Senf intoniert, Inhalt verspritzend, als Céline Dijon die bekannte Filmmelodie. Wortspiel ist Kopfsache. Die Stammtischszene mit Heinz und Werni spricht tiefere Gefilde an. Stammtischphilosophie. «Jetz muesch emou lose!» Heinz will «Mitti Mai» nach Mailand. «Mit mim Ei?», fragt Werni, deutlich alkoholisiert. Ja, das Leben. Es sei wie ein Dachfenster: Wenns offen ist, regnets herein, ist es geschlossen, stinkt es.

Die Musik, eingespielt, ist ein wichtiges Element. In der letzten Nummer» verwenden sie als Elektroduo ihren nackten Oberkörper als Instrumente, und das Publikum schreit vor Lachen, wenn die beiden den Bauch spielen und die Brüste fiepen lassen. Dass da eine Zugabe fällig ist, keine Frage. Heinz und Werni dürfen sich noch einmal über das Leben und die Frauen auslassen. Das Fazit des Abends: Premiere geglückt; Publikum entzückt und beglückt.

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