Als der Menziker Kammmacher Johannes Wirz 1842 eine Maschine für die Haftenproduktion erfand, legte er damit nicht nur ein ganzes Kleingewerbe lahm, sondern auch den Grundstein für eine lange Firmengeschichte. Dieses Jahr feiert die heutige Fischer Reinach AG ihren 175. Geburtstag – unter anderem mit einem Buch.

«Die Häftlimacher» von Christoph Zurfluh erzählt die Geschichte von einem Unternehmen, das heute in der sechsten Generation geführt wird, als Gruppe 400 Mitarbeitende beschäftigt und jährlich rund sechs Milliarden Teile produziert. Häftli, wie sie damals gemacht wurden, sind keine mehr dabei. An das einstige Gewerbe erinnert nur noch die österreichische Tochterfirma Mitex, die BH-Verschlüsse herstellt. Fischer Reinach fertigt heute Konstruktionsteile für die Beschläge-, Elektro- und Autoindustrie, während Fischer Rista am selben Ort Armierungen produziert.

Erfolg und Misserfolg

Das Buch erzählt von technischen Errungenschaften und wirtschaftlichen Erfolgen, aber auch von Misserfolgen und Krisen. Vor allem erzählt es aber von Menschen und der Zeit, in der sie gelebt und «in die sie hinein produziert haben», wie Autor Zurfluh sagt. So ist es beispielsweise nicht nur die revolutionäre Haftmaschine, die als bedeutendes Ereignis in den Anfangszeiten Erwähnung findet, sondern auch eine gesellschaftliche Katastrophe: Die Ehe von Johannes Wirz’ Tochter Marie, die sie 1867 mit dem Aarauer Kaufmann Jakob Fischer schloss, wurde nach nur drei Jahren wieder geschieden – und das in einer Zeit, in der man sich grundsätzlich nicht scheiden liess. Gerade mal 576 Paare waren es schweizweit in jenem Jahr. Fischer, der ein lebenslustiger Mensch zu sein schien, machte sich nach Übersee aus dem Staub und liess Marie mit dem zweijährigen Sohn Carl zurück.

Die Firma Fischer Reinach heute.

Die Firma Fischer Reinach heute.

Bereits mit 21 Jahren wird Carl Fischer zum Teilhaber an der Haftenfabrik seines Grossvaters. Zehn Jahre später muss er das Unternehmen alleine führen. Er erhält Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Ehemalige Mitarbeiter beginnen gleich um die Ecke auch mit der Haftenproduktion. Zwar bringt Fischer die Firma über die Runden, als er 1927 stirbt, steht sie aber vor dem Aus.

Die Verwandtschaft springt in die Bresche: Carl Fischers kinderloser Schwager Manfred Vogt investiert ein paar Hunderttausend Franken in den Familienbetrieb. Carls Söhne Karl und Willy bringen den Laden wieder zum Laufen und führen die Firma heil durch den Zweiten Weltkrieg, auch wenn sie sich nicht immer einig sind. Zu jener Zeit produziert Fischer längst nicht mehr nur Kleineisenwaren, sondern auch Draht und Späne.

1960 bereits 300 Angestellte

Als ihre Söhne Hans-Erich und Thomas gegen Ende der 1960er-Jahre in die Firma eintreten, hat Fischer in Reinach 300 Angestellte. Es ist schliesslich Thomas Fischer, der nach dem Ausscheiden von Hans-Erich die Drahtwerke neu aufstellt. Als Fischer Reinach AG führt er sie erfolgreich ins 21. Jahrhundert. 2010 folgt sein Sohn Peter an die Firmenspitze. Ein unglücklicher Zeitpunkt. Die Wirtschaft spielt verrückt, die Aufhebung des Euro-Mindestkurses lässt die Margen dahinschmelzen und Tochterfirma Fischer Rista leidet unter den erschwerten Bedingungen in der Bauzulieferbranche – auch davon erzählt das Buch. Und es gibt Einblick in den Alltag der heutigen «Häftlimacher», die längst keine mehr sind.

Autor Christoph Zurfluh, der vor dem Auftrag wenig über das Wynental und noch weniger über die Metallformer wusste, hat es im Verlauf seiner Recherchen schnell den Ärmel reingenommen. Nicht wegen der technischen Errungenschaften, nein, wegen der Menschen und ihren Geschichten. «Auch, oder eben gerade, weil nicht immer alles rund gelaufen ist», wie er sagt. «Mich hat der Gedanke beeindruckt, dass dieses Unternehmen gegründet wurde, noch bevor es die Schweiz in ihrer heutigen Form gab», so Zurfluh, «und dass es sechs Generationen Menschen waren, die es durch Kriege und Krisen gebracht haben bis heute.»

Während seiner Arbeit habe er auch immer wieder berührende Dokumente gefunden. So etwa einen Brief von Jakob Fischer aus Amerika an seinen Sohn Carl, in dem er ihm traurig schrieb, wie gerne er ein Leben lang Kontakt zu ihm gehabt hätte – was plötzlich ein ganz anderes Licht auf den vermeintlich verantwortungslosen Auswanderer wirft.

Buchvernissage: Dienstag, 17. Januar, 18 Uhr, Theater am Bahnhof TaB, Reinach. Es sprechen Unternehmer Peter Fischer, Regierungsrat Urs Hofmann, Gemeindeammann Martin Heiz und Autor Christoph Zurfluh.