Menziken
Traditions-Gasthof schliesst: «Gäste schlafen lieber in Deutschland»

Das Restaurant/Hotel Sternen in Menziken schliesst – unter anderem wegen des starken Frankens, sagt der Besitzer Hans Marti. Es gab aber auch weitere Probleme. Wie es mit der Liegenschaft weitergeht, ist unklar.

Pascal Meier
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Hans Marti ist seit elf Jahren Eigentümer des Menziker «Sternen».

Hans Marti ist seit elf Jahren Eigentümer des Menziker «Sternen».

Pascal Meier

Mit dem Menziker Restaurant/Hotel Sternen verschwindet im Wynental ein weiterer Traditionsgasthof. Elf Angestellte verlieren ihren Job. Was mit der Liegenschaft passiert, ist unklar. Die Bar im Kellergeschoss bleibt geöffnet.

Das Restaurant läuft seit längerem nicht mehr gut und muss vom Hotelbetrieb quersubventioniert werden. Weil nun auch die Betten teilweise leer bleiben, ist der «Sternen» nicht mehr rentabel. «Seit Aufhebung des Euro-Mindestkurses haben wir weniger Gäste», sagt Eigentümer Hans Marti im Interview.

Herr Marti, der «Sternen» schliesst bereits Ende Mai. Das wirkt etwas überstürzt.

Hans Marti: Nein, ich gehe immer so vor. Ich überlege mir einen solchen Schritt jeweils gut und handle dann nach dem Entscheid sofort. So war es auch im Jahr 2004, als ich den «Sternen» kaufte: Am 6. Mai fiel der Entscheid, am 7. Mai gehörte er mir.

Sie sind Architekt, der «Sternen» ist ein Hobby. Fällt Ihnen die Schliessung dadurch etwas leichter?

Nein. Ich habe den «Sternen» damals gekauft, um ihn als Gastrobetrieb zu erhalten. Ich bin gerne Wirt und für ein Hobby braucht es Herzblut. Ich bin traurig, dass wir schliessen müssen.

Wo liegt das Problem?

Es gibt viele Probleme. Weil ich bald pensioniert werde und die Nachfolge nicht geregelt ist, habe ich nicht mehr die Kraft, neue Konzepte zu planen und umzusetzen. Ein grosser Stressfaktor kommt vom Personal: Die Identifikation mit dem Betrieb hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen, genauso die Einstellung zum Job. Heute sind freie Abende und Ferien wichtiger als die Arbeit. Es wird immer schwieriger, engagierte Fachleute zu finden. Das sind Dinge, die an einem nagen. Wenn man nachts schweissgebadet aufwacht, muss man etwas ändern.

Die Antwort überrascht. Schliesst ein Restaurant, klagt der Wirt meist über fehlende Gäste, die mittags ein Sandwich beim Take-away holen.

Die fehlenden Gäste sind das zweite Problem. Der Stammtisch ist als Opfer von Rauchverbot und der tieferen Promillegrenze verschwunden, auch andere Gäste bleiben deswegen zu Hause. Gleichzeitig sind Traditionsbetriebe immer weniger gefragt: An jeder Ecke gibt es etwas zu essen. Auch Feste sind bei uns zur Ausnahme geworden: Früher hatten wir im Schnitt alle zwei Wochen eine Hochzeitsgesellschaft, heute sind es noch ein paar wenige im Jahr. Taufe und Erstkommunion werden in der Waldhütte, in einer Besenbeiz oder zu Hause gefeiert. Auch der Saal ist ein Auslaufmodell.

Der «Sternen» hat von 8 bis 24 Uhr geöffnet, andere Lokale nur über den Mittag und am Abend. Könnten Sie nicht auch zeitweise schliessen und so Kosten sparen?

Ich habe es ausgerechnet: Für die Zeit ohne Gäste im Lokal geht etwa ein Monatslohn drauf. Wir können die Öffnungszeiten aber nicht verkürzen: Zum einen haben wir Hotelgäste, zum anderen eine lange Tradition: Am Morgen kommen Leute zum Znüni, am Nachmittag zum Jassen. Lange waren die Öffnungszeiten kein Problem, denn es herrschte Dauerbetrieb. Das hat sich geändert.

Wie läuft der Hotelbetrieb mit
den 16 Zimmern?

Bislang lief das Hotel gut, auch wenn wir die schwindende Zahl an Arbeitsstellen im Tal spüren. Es sind vor allem Handwerker und Vertreter, die bei uns übernachten. Einige kommen jetzt nicht mehr. Schuld ist der starke Franken seit Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Das bestätigen Gäste. Ein Service-Techniker, der seit zehn Jahren auf seiner Tour bei Industriebetrieben jeden Mai bei uns schläft, hat seine Buchung storniert und die Route so geändert, dass er in Deutschland schlafen kann. Bei uns kostet das Einzelzimmer mit Frühstück 80 Franken, in Deutschland 25 Euro. Diese Konkurrenz, die wir seit langem im Restaurant spüren, schlägt sich jetzt in der Hotellerie durch. Die Gäste schlafen lieber im Deutschland.

Ist es denkbar, dass der «Sternen» irgendwann wieder eröffnet wird?

Der «Sternen» kann nicht mehr gewinnbringend betrieben werden. Deshalb will ich den Betrieb nicht verpachten. Wir haben schon genug Restaurant, die ständig auf- und zu gehen.

Hat die traditionelle Gastronomie überhaupt noch eine Zukunft?

Ich denke ja. Es braucht neue Konzepte, wie man jüngere Leute ansprechen kann, ohne die älteren zu verlieren. So etwas benötigt Jahre und Personal, das sich reinkniet. Ein Neuanfang braucht zudem viel Geld – und Wirte haben es bei den Banken besonders schwer.

Wird der «Sternen» abgerissen?

Nein, das steht nicht zur Diskussion. Wir haben ein Projekt «Wohnen im Alter» geprüft, das sich aber nicht finanzieren lässt. Ein Umbau in Wohnungen ist wenig sinnvoll, da viel gebaut wird. Wir prüfen derzeit weitere Optionen.

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