Im Wynental gibt es viele leere Fabrikationshallen, ganze Industrieareale liegen brach. Grosse Unternehmen wie die Alu Menziken, die Alu Metall Guss AG (AMG) Gontenschwil, die Vogt Drahtwerke (Voco) Reinach oder die Injecta Druckguss AG Teufenthal haben ihre Produktion ganz oder teilweise ins Ausland verlegt. Zurück blieben Industriebrachen, Landstücke an zentraler Lage, die aber «für Investoren in keinster Weise übernahmereif sind», wie Herbert Huber, Geschäftsführer von aargauSüd impuls, sagt. Das will man ändern. Der Regionalplanungsverband hat sich zusammen mit dem Kanton Aargau zum Ziel gesetzt, das Potenzial der ungenutzten Arbeitszonen im Tal zu eruieren und die Entwicklung wichtiger Areale anzustossen respektive zu koordinieren. Dabei im Fokus: die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Ehrgeiziges Unterfangen oder Utopie? Sicher ist: Einfach wird es nicht. Zwar sind vergleichsweise tiefe Bodenpreise und ein niedrigeres Lohnniveau oder eine idyllische Umgebung mit günstigen Wohnungsmieten gute Verkaufsargumente, für viele Investoren ist das Wynental dennoch zu weit ab vom Schuss. «Der fehlende Autobahnanschluss ist oft das Killerargument», weiss Herbert Huber, der schon mit diversen Interessenten Gespräche geführt hat. So sei etwa der Deal mit einem Pharmaunternehmen, das sich in Reinach ansiedeln wollte, vor einiger Zeit genau an diesem Punkt gescheitert.

Aus den Hühnern wurde nichts

Gefragt sind Ideen – so wie jene mit der Migros. Als man im Tal nämlich vernahm, dass der Grossverteiler für 150 Millionen Franken sein Geflügelgeschäft ausbauen will, hat man sich als Standortregion angeboten. «Leider vergeblich», sagt Herbert Huber. «Die Migros will ihre bestehenden Anlagen ausbauen.» Die Suche geht weiter. Welche Investoren, welche Branchen könnten angesprochen werden? Welche Unterstützung brauchen sie, um sich hier ansiedeln zu können?

Den Anfang wagt eine Firma, die nicht auf Transportwege auf der Strasse angewiesen ist: Das Basler Immobilienunternehmen Hiag will in einem Teil des ehemaligen Werks der Alu-Menziken ein Data-Center aufbauen. Die Firma, die sich auf Arealentwicklungen spezialisiert hat und auch digitale Infrastruktur anbietet, investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in den Standort mitten in Menziken.

Zwar wird für das neue Data-Center nur ein kleiner Teil der insgesamt 1,8 Hektar grossen Fläche genutzt. Aber immerhin. Das ehemalige Alu-Areal ist einer von drei Industriestandorten, die im Rahmen des aktuellen NRP-Projekts Arealentwicklung Wirtschaft aargauSüd gefördert werden sollen. Mit der Neuen Regionalpolitik (NRP) unterstützen Bund und Kanton den ländlichen Raum in seiner regionalwirtschaftlichen Entwicklung.

Hat die Region genug Schnauf?

Ein zweites Industriegebiet, das die kantonalen und regionalen Standortentwickler in den Fokus gerückt haben, befindet sich in Reinach, im Raum «Eien», zwischen Mühlegasse und Europastrasse. Das dritte ist das über 11 Hektar grosse ehemalige Injecta-Areal in Teufenthal und die Feldmatte Unterkulm. Bei beiden muss die Arealerschliessung realisiert sein, bevor eine Weiterentwicklung möglich ist. Im mittleren Wynental ist man auf gutem Weg. Unterkulm und Teufenthal haben dem Projektierungskredit zugestimmt. Aktuell läuft das Submissionsverfahren für den Projektierungsauftrag, wie Reto Müller, Bauverwalter Region Kulm, auf Anfrage sagt.

Für Herbert Huber ist klar: «Arealentwicklung lässt sich nicht übers Knie brechen.» Die Frage ist, werden die Region und die Geldgeber genügend Schnauf haben, konkrete Erfolge zu erzielen? Das laufende, auf vier Jahre ausgerichtete NRP-Projekt hat demnächst Halbzeit und wird von Bund und Kanton überprüft. «Eine Studie hat gezeigt, dass das Projekt nachhaltig und sinnvoll ist», sagt Herbert Huber, der hofft, dass auch die Mittel für die nächsten zwei Jahre – noch einmal 45 000 Franken – gesprochen werden.