Muhen
Tierheim gestoppt: Bundesgericht pfeift Aargauer Behörden zurück

Ein Pferdestall in Muhen darf nicht in eine Ferienpension für Hunde, Katzen und Kleintiere verwandelt werden. Das Bundesgericht hat ein entsprechendes, von sämtlichen Gemeinde- Kantons- und Bundesbehörden abgesegnetes Projekt abrupt gestoppt.

Urs-Peter Inderbitzin
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Sandra Gloor kann ihr Tierheim nicht bauen.

Sandra Gloor kann ihr Tierheim nicht bauen.

Vor vier Jahren stellte die Eigentümerin eines Grundstückes in Muhen bei der Gemeinde ein Baugesuch. Ein bisheriger Pferdestall sollte um- und angebaut und in eine Ferienpension für maximal 37 Hunde, 40 Katzen sowie 20 Kleinsäuger umgewandelt werden.

Der Gemeinderat Muhen bewilligte das in der Landwirtschaftszone gelegene Projekt und wies die Einsprachen von verschiedenen Anwohnern ab, nachdem das kantonale Department für Bau, Verkehr und Umwelt grünes Licht erteilt hatte.

Geruch und Gebell

Beschwerden der Anwohner gegen den Bau des Tierheims beim Regierungsrat und beim Verwaltungsgericht nützten nichts. Die Behörden gingen davon aus, dass das Tierheim in der Landwirtschaftszone der richtige Standort sei, weil die zu erwartenden Immissionen - sprich Geruchsbelästigung und Hundegebell - in einer Bauzone unzumutbar wären.

Sowohl das Bundesamt für Umwelt als auch das Bundesamt für Raumentwicklung hatten gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts nichts einzuwenden. Diverse Anwohner gaben sich aber nicht geschlagen und zogen den Streit ans Bundesgericht - mit Erfolg.

Ungenügende Abklärungen

Die Richter in Lausanne werfen den Aargauer Behörden vor, keine Alternativstandorte für das Tierheim gesucht zu haben. Nach Meinung des Bundesgerichts hatten die Behörden zu wenig beachtet, dass das geplante Tierheim gemäss Kulturlandplan in der Landwirtschaftszone 1 zu liegen kommt - eine Zone, die überwiegend der bodenabhängigen Produktion dient.

Die Behörden müssen nun prüfen, ob in der Umgebung nicht ein Alternativstandort in einer geeigneten Bauzone oder auf einem landwirtschaftlichen Areal zu finden ist, das nicht zu den hochwertigen Fruchtfolgeflächen gehört oder das bereits durch andere immissionsträchtige Anlagen wie etwa eine Hochleistungsstrasse oder eine Bahnlinie mit Lärm vorbelastet ist.

Kosten von 24 500 Franken

Auf die Grundstückeigentümerin kommen hohe Kosten zu. Sie muss für das Verfahren vor Bundesgericht Gerichtskosten in der Höhe von 4000 Franken bezahlen und den obsiegenden Beschwerdeführern 3000 Franken als Parteientschädigung überweisen.

Hinzu kommen die Kosten für das Verfahren vor dem Regierungsrat und dem Verwaltungsgericht in Höhe von 7500 Franken. Damit aber nicht genug: Für diese beiden kantonalen Verfahren muss sie den Kontrahenten eine Parteientschädigung von insgesamt 10 000 Franken überweisen. Wie hoch die eigenen Anwaltskosten sind, ist nicht bekannt.