Schöftland
Theater zeigt die unermüdliche Arbeit von Anna für Afrika

Der Gemeinnützige Frauenverein präsentierte im Rahmen der Schöftler Woche als Sonntagsmatinée das Theater «Annas Afrika». Dieses hat das Hoftheater aus Bäriswil im Kanton Bern konzipiert.

Sibylle Haltiner
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Anna und der Fabrikant Kambly spielen im Emmental afrikanische Rhythmen.sih

Anna und der Fabrikant Kambly spielen im Emmental afrikanische Rhythmen.sih

Sibylle Haltiner

Im Urwaldspital Lambarene assen die Kranken Dörrbohnen aus dem Emmental und Albert Schweitzer trug Socken, die in Kröschenbrunnen gestrickt wurden. Diese erstaunliche Verbindung ist der Lehrerin Anna Joss aus Kröschenbrunnen bei Trubschachen im Emmental zu verdanken. Beeindruckt von Schweitzers Buch «Zwischen Wasser und Urwald», stellte die Jungfer Anna den Kontakt zum Urwaldarzt her, der tatsächlich im Jahr 1922 das Emmental besuchte und einen Vortrag hielt.

Bretzel-Schachteln für Transport

Auf Annas Frage hin, wie sie Lambarene unterstützen könne, bat Albert Schweitzer um gestrickte Socken, Baumwollbeutel, um seine Post darin aufzubewahren, und Dörrobst und -gemüse.

Darauf hin sandte Anna Joss jahrzehntelang Pakete mit Handarbeiten und Lebensmitteln nach Afrika. Unterstützt wurde sie dabei von der Firma Kambly, die Blechschachteln zur Verfügung stellte. Anna Joss und Albert Schweitzer schrieben sich regelmässig.

Das Hoftheater aus Bäriswil im Kanton Bern hat die Geschichte der Lehrerin aus dem Emmental, die unermüdlich, aber beinahe unbeachtet von der Öffentlichkeit das Urwaldspital unterstützte, aufgegriffen und daraus ein Theaterstück konzipiert. Dieses zeigte der Gemeinnützige Frauenverein Schöftland am Sonntag in seiner Matinée im Rahmen der Schöftler Woche, die in diesem Jahr zum 40. Mal stattfindet.

Das Theater über die Beziehung der Lehrerin Anna zu Afrika stellt eine spannende Verbindung vom Emmental in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und zum Leben und Wirken von Albert Schweitzer her.

Entstanden ist die Inszenierung durch Recherchen sowie Gespräche mit Menschen, die bei Fräulein Joss die Schulbank drückten. Auch die Aufzeichnungen ihres Lehrerkollegen wurden berücksichtigt. Und vor allem sind Briefe von Albert Schweitzer an Anna erhalten geblieben.

Briefe im Originalton vorgelesen

So konnten Anouk Plattner als Anna und Daniel Kasztura, der neben seinen Rollen als Postbote und Lehrer auch den Fabrikanten Kambly spielte, Authentisches aus dem Leben der Lehrerin zeigen und Briefe im Originalton vorlesen. Den musikalischen Bogen vom Emmental nach Afrika schlug Remo Crivelli mit Hackbrett, Trommel und Alphorn. Film- und Toneinspielungen von Albert Schweitzer komplettierten das dokumentarische Theater.

Zum Jubiläum der Schöftler Woche hat sich der Gemeinnützige Frauenverein mit dem Theater «Annas Afrika» an etwas Grösseres herangewagt. Das Thema passt gut. «Es geht um eine Frau, die, ohne gross zu studieren, einfach macht und anpackt», erklärte Dorothee Doswald, Präsidentin des Frauenvereins. Die Einnahmen aus der Kollekte kommen vollumfänglich dem Urwaldspital Lambarene zugute.