Reinach

Theater und Film mit Charme gemischt

Das TaB-Theaterensemble lässt einen Höhepunkt aus der Geschichte des eigenen Hauses wieder aufleben. Mit langem Applaus bezeugte das Publikum an der Premiere dem Ensemble und allen weiteren Mitarbeitenden seine Begeisterung.

Eine Theateraufführung synchron auf zwei Bühnen, ergänzt mit Videoclips und Live- Einspielungen, das hat das Theaterensemble des Kulturhauses Theater am Bahnhof am Mittwochabend an der Premiere dem Publikum vorgesetzt. Die  Zuschauer wurden aufgeteilt, je zur Hälfte sassen sie unten im Theatersaal oder oben im Kino.

Und nach der Pause wurden die Plätze getauscht. Dennoch hat niemand etwas verpasst, keinen einzigen Satz. Die Schauspieler spielen unten auf der Theaterbühne und oben vor der Kinoleinwand. Zwei Kamerafrauen führen je eine Handkamera und übertragen die Handlung von oben nach unten auf die Leinwand und umgekehrt. Die Inszenierung spielt auf drei Schienen: Auf der Bühne, live auf der Leinwand, und mit Videoeinspielungen.

Der Regisseurin Gunhild Hamer gelingt mit dieser Inszenierung ein weiteres Meisterstück in der Geschichte des TaB. Sie verfolgt das Ziel, das ganze Kulturhaus zu bespielen äusserst konsequent und erweist so der Vergangenheit des Lichtspieltheaters der Familie Sommer die Ehre. Das Schauspiel und die Liebe zum Kino dominieren das Geschehen.

Die Technik, obwohl äussert aufwendig mit Licht-Ton und Video, steht immer im Dienst der Handlung auf der Bühne. Was die Technik-Verantwortlichen allerdings da im Hintergrund leisten, ist vortrefflich.

Die 68-er Jahre im Kino

Die Mitglieder des TaB-Theaterensembles haben die Besucher vom ersten Auftritt an mitgenommen in die Zeit der 1968-er Jahre. In die Zeit, als während sieben Wochen das Kino Sommer ausverkauft war, als sich während Wochen auswärtige Besucherinnen und Besucher vor dem braunen Kassenhäuschen stauten.

In Reinach wurde der Film «Das Wunder der Liebe» von Oswald Kolle ja in der unzensierten Fassung gespielt – im Gegensatz zu den Nachbarkantonen, liess der Aargau dies zu. Einblicke in persönliche Kinoerlebnisse, von den Schauspieler erzählt, liessen beim Publikum Erinnerungen wach werden, manch einer sagte für sich, «Ja, genau so war es.» Beinahe unmerklich wechseln die Spieler vom Heute ins Gestern, in die Zeit der 1968-er Jahre, als die Musik lauter, die Haare länger wurden, und Dr. Sommer in der Jugendzeitschrift «Bravo» Ratschläge zu Liebe und Sex erteilte.

Und dann dieser Film in Reinach. Auch das Kinobesitzer-Ehepaar steht zwischen drin. Er freut sich am vollen Saal und dem grossen Umsatz, und sie weigert sich, für diesen Film im Kassenhäuschen zu sitzen. Herrlich die Szene, wo die Besucher vor dem Kino Schlange stehen und für die Filmwochenschau Statements abgeben. Frauen tarnten sich mit Mützen, Hüten und Kopftüchern, die Männer zogen die Hutkrempe tief ins Gesicht. «Viele kamen zu spät und verliessen das Kino unerkannt vor Schluss», weiss der Platzanweiser zu erzählen.

Die Geschichte der Aufführung beruht grösstenteils auf Fakten, die Nadia Pfendsack in umfangreicher Recherche zusammengetragen hat. Wichtig seien die Erinnerungen von Zeitzeugen gewesen, erzählen die Produktionsleiter Clo Bisaz und Anita Zihlmann.

Der Theaterautor, Adrian Meyer, lässt aus den Fakten und mit eigener Fiktion ein Stück Reinacher Geschichte lebendig werden. Witzige Dialoge, ganz im Geist der Zeit, tragen zur kurzweiligen Aufführung bei. Das Stück sei in enger Zusammenarbeit zwischen Spielern und Autor entstanden, erklärt Anita Zihlmann. Da erstaunt es nicht, dass die einzelnen Rollen den Schauspielern auf den Leib geschrieben sind. Die Tochter mit Freund und Vater, zwei Zürcher Damen, das Kino-Ehepaar, Platzanweiser und verliebte Kinogängerin oder der Apotheker, alle Akteure lassen mit ihrem präzisen Spiel ihre Figuren wahrhaftig werden. Mit langem Applaus bezeugte das Publikum dem Ensemble und allen weiteren Mitarbeitenden seine Begeisterung.

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