Kölliken/Gretzenbach
Temporeduktion gibt keine Gewähr für mehr Sicherheit

Immer wieder passieren auf der kurvenreichen Ausserorts-Strecke Unfälle. Vorderhand sind aber keine Massnahmen vorgesehen, welche die Verkehrssicherheit erhöhen.

Philipp Felber
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Immer wieder Ort von Verkehrsunfaellen - Die Schönenwerderstrasse in Gretzenbach.

Immer wieder Ort von Verkehrsunfaellen - Die Schönenwerderstrasse in Gretzenbach.

Bruno Kissling

Tatsächlich, der Eindruck täuscht nicht: Laut Melanie Schmid vom Mediendienst der Polizei Kanton Solothurn sind allein in den letzten 5 Jahren 25 Unfälle auf der Strasse zwischen Kölliken und Gretzenbach passiert. «Die Unfälle ereigneten sich zu jeder Tages- und Nachtzeit», sagt Schmid weiter. In unmittelbarer Nähe der Kantonsgrenze kam es zu 13 der 25 Unfälle. Also genau dort, wo sich auch der Unfall am vergangenen Samstagnachmittag ereignet hat. Hauptsächlich seien es Selbstunfälle gewesen, welche glimpflich, also mit Sachschaden, endeten.

Doch nicht alle Unfälle gingen ohne Verletzungen aus. Im Jahr 2014 endete ein Selbstunfall auf der besagten Strasse gar tödlich. Ein Motorradfahrer verlor in einer Linkskurve die Beherrschung über sein Elektromotorrad und verstarb an den Folgen des Unfalls. Mehr Glück hatte eine damals 21-Jährige, als sie 2001 von einem entgegenkommenden Fahrzeug seitlich-frontal getroffen wurde. Sie musste ins Spital gebracht werden. 2015 überschlug sich ebenfalls in Fahrtrichtung Gretzenbach ein Fahrzeug und blieb auf dem Dach liegen. Ein Atemlufttest beim damals 55-jährigen Schweizer ergab einen Wert von über 0,5 Promille.

Beim Unfall am letzten Samstag wurde der 57-jährige Fahrer mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht. Er hatte in einer Rechtskurve von Kölliken her kommend die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. In der Folge geriet er auf die Gegenfahrbahn und stürzte die angrenzende Böschung hinab, wie die Kapo Solothurn mitteilte.

Warum keine Temporeduktion?

Neben den genannten Unfällen kam es, wie bereits erwähnt, zu weiteren Vorkommnissen auf der Strecke zwischen Gretzenbach und Kölliken. Doch wieso diese Häufung? Wer von Kölliken in Richtung Gretzenbach fährt, hat ab der Waldgrenze ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde zu beachten. Und dies auf einer kurvigen und teilweise steilen Strasse. Dieses Regime gilt bis zur Dorfeinfahrt in Gretzenbach. «Grundsätzlich liegt auf einer Ausserortsstrecke die Tempolimite bei 80 Stundenkilometern», sagt Kurt Grauwiler vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Eine Temporeduktion sei ausserorts die letzte Massnahme, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. «Doch auch eine tiefere Tempolimite ist keine Gewähr für mehr Sicherheit.» Grundsätzlich müsse die Strasse so lesbar sein, dass der Verkehrsteilnehmer die Strecke richtig abschätzen könne. Eine Markierung wie zum Beispiel eine Sicherheitslinie in der Mitte oder Kurvenblenden unterstütze dabei. Grundsätzlich seien aber die Fahrer angehalten – auch per Gesetz – den Gegebenheiten angepasst zu fahren. «Wir können nicht alles mit Signalisationen absichern.»

Ob auf dieser Strecke eine Temporeduktion überhaupt infrage kommt, entscheidet im Kanton Solothurn das Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) in Zusammenarbeit mit der Polizei. «Meistens kommt die Polizei auf uns zu, da sie Unfallhäufigkeiten erkennt», sagt Rolf Ziegler vom AVT. Das letzte Mal habe man im Jahr 2011 über die Situation auf der Kölliker-/Schönenwerderstrasse befunden, dies in Zusammenarbeit mit der Polizei und auch mit dem Kanton Aargau. Im Zuge dieser Abklärung wurden die Kurvenblenden entlang der Strecke ergänzt. Eine weitere Massnahme ist vorderhand nicht vorgesehen.

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