Gränichen
Tempo 30 östlich der Wyna? Jetzt zeichnet sich ab, was die Petition bewirken könnte

Der Schleichverkehr nervt die Anwohner. Und er beeinträchtigt die Sicherheit von Fussgängern und Velofahrern im Quartier östlich der Wyna. Eine «Interessengemeinschaft (IG) Tempo 30» hat deswegen in Gränichen während zweier Monate Unterschriften für eine Petition gesammelt.

Ueli Wild
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Im Vordergrund steht Tempo 30 im ganzen Gebiet östlich der Wyna (hier im Abschnitt Ruus) zwischen dem Leerber im Süden und der Nordstrasse. Ueli Wild

Im Vordergrund steht Tempo 30 im ganzen Gebiet östlich der Wyna (hier im Abschnitt Ruus) zwischen dem Leerber im Süden und der Nordstrasse. Ueli Wild

Ueli Wild

Im April deponierte sie bei Gemeindeammann Rolf Arber ihre «Ernte»: 650 Unterschriften. Das Ziel der Petitionäre: Auf der Erschliessungsstrasse, die zwischen der Bleien und der Nordstrasse parallel zur Hauptachse verläuft, namentlich zwischen Leerber und Nordstrasse, sei Tempo 30 zu signalisieren.

Damit möchten die Petitionäre nicht zuletzt jenen ungeduldigen Automobilisten die Suppe versalzen, die bei geschlossener Barriere in der Bleien, die Umfahrungsroute Chrumbwoog, Eifeldstrasse, Ruus, Holtengraben wählen. Diese ist im nicht überbauten Gebiet weiter nichts als ein geteerter Feldweg (Tempo 80) und im Siedlungsgebiet (Tempo 50) gespickt mit zahlreichen unübersichtlichen Einmündungen.

An der von rund 150 Personen besuchten Informationsveranstaltung der Gemeinde am Montagabend skizzierte Stefan Ballmer vom Aarauer Ingenieurbüro Ballmer + Partner AG mögliche Lösungsansätze.

Der Vorschlag der IG, Tempo 30 auf einer bestimmten Strecke auszuschildern, steht für ihn nicht im Vordergrund. Auf dem Abschnitt Ruus, Holtengraben, Nordstrasse, sagte Ballmer, müssten bei den Einmündungen nicht weniger als zehn Ende-30-Tafeln aufgestellt werden.

Das verursache erstens einiges an Kosten. Zweitens mache es keinen Sinn, dass man wieder auf 50 km/h beschleunigen dürfe, wenn man tiefer ins Quartier hineinfahre. Bezöge man auch den südlicheren Teil der Schleichroute mit ein, kämen fünf weitere Tafeln hinzu, mit denen «Tempo 30 aufgehoben» zu signalisieren wäre.

Vom Leerber bis zur Nordstrasse

Ballmer liess durchblicken, dass er eine andere Lösung favorisieren würde: Tempo 30 im ganzen Gebiet östlich der Wyna zwischen Leerber und Nordstrasse. In diesem Fall würden vier Tafeln genügen. Die Kosten für diese bezifferte der Experte auf rund 11'000 Franken, die Gesamtkosten schätzte er auf zirka 45'000 Franken.

Das Siedlungsgebiet weiter südlich mit einzubeziehen, käme für Ballmer, wie er auf Anfrage durchblicken liess, jedoch auch infrage. Und falls entsprechende Begehren dazukämen, so Ballmer weiter, sei eine Tempo-30-Zone auch westlich der Wyna ins Auge zu fassen.

Radarmessungen während zweier Wochen im Jahr 2013 zeigten, dass beispielsweise auf dem Abschnitt Ruus mit einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen von 700 Fahrzeugen pro Tag die grosse Mehrheit der Lenker (85 Prozent) mit 40 bis 48 km/h unterwegs war.

Tempo-30-Zonen: Prüfung auf Wunsch der Bevölkerung

Die Schaffung verkehrsberuhigter Zonen wird in Gränichen schon länger diskutiert. Es sind verschiedene Begehren hängig (z. B. Tempo 30 im Bereich Rütihof). Der Gemeinderat ist, wie der Kommunale Gesamtplan Verkehr (KGV) von 2014 festhält, gegen eine flächendeckende Einführung von Tempo 30. Im KGV steht weiter: «Man ist so verblieben, dass auf Antrag der Quartierbevölkerung der Gemeinderat Tempo-30-Massnahmen prüft und gegebenenfalls eine Umsetzung in die Wege leitet.» Dieser Passus greift nun, nachdem die «IG Tempo 30» im April 2016 ihre Petition eingereicht hat. (uw)

15 Prozent wichen nach oben oder unten ab. Dass auf dieser Strecke oftmals zu schnell gefahren wird, lässt sich demnach nicht sagen. Aber bei Einmündungen und Ausfahrten, sagt Stefan Ballmer, sei die Sicht häufig ungenügend. Zum Teil sind Trottoirs vorhanden, zum Teil auch nicht.

Nicht ohne Polizeikontrollen

Eine Tempo-30-Zone, sagte Ballmer am Montag, sei mit zwei Nachteilen verbunden: «Das Ganze kostet etwas, und es braucht gelegentlich polizeiliche Kontrollen.» Ohne Kontrollen werde eine solche Anordnung systematisch missachtet. Die Vorteile überwögen aber: Auf Gebietsfahrverbote könne beispielsweise verzichtet werden – ebenso auf einen Trottoirausbau. Und bei Tempo 30 sei die Sicht genügend.

«Wir werden das Ganze behandeln», versprach Gemeinderat Peter Stirnemann, «und dann etwas beschliessen.» Zum Zeithorizont wollte sich Stirnemann noch nicht äussern. Im Budget 2017 werde aber ein Betrag eingestellt sein. Ob der Kanton schliesslich zustimme, sei eine andere Frage. Stefan Ballmer dagegen gab sich optimistisch: Er habe etwa 30 solche Gesuche aufgegleist. «Keines wurde abgelehnt.»