Eigentlich hatte Alfred Stutz nach seiner Pensionierung nur eine Beschäftigung gesucht. Am besten eine, bei der man sich bewegt. Und Laufen, das war das Naheliegendste. 10'000 Schritte pro Tag sollten es sein. Er lief von seinem Wohnort Holziken nach Uerkheim, von dort auf den Stübisberg und auf der anderen Seite runter nach Schöftland. «Irgendetwas muss man machen als Senior», sagt der 70-Jährige, wenn er heute an seine ersten Stübisberg-Wanderungen als frisch pensionierter Lastwagenchauffeur zurückdenkt. Der fleissigen Buchführung über seine Wanderungen ist es zu verdanken, dass Alfred Stutz gestern auf der «Spitze» des Stübisbergs Grosses verkünden konnte: Zum tausendsten Mal hatte er den Hügel gerade bezwungen. Drei Jahre und drei Monate hat er dafür gebraucht, fast täglich hat er in dieser Zeit die Strecke unter die Füsse genommen.

Urkunde vom Gemeinderat

Zur Jubiläums-Wanderung fuhr gar der Holziker Gemeindeschreiber Marco Bieri auf den Berg, um dem angefressenen Wanderer zu gratulieren. Im Namen des Gemeinderats überreichte er dem Senior eine Urkunde, welche die Hochachtung vor seiner Leistung ausdrückt. Alfred Stutz hatte die tausendste Wanderung mit einer Entourage, bestehend aus seinen Brüdern Heini, Hansueli und Christian, dessen Frau Uschi und Kollege Hermann Kunz angetreten – allesamt sind sie über 70.

Warum wurde die 6,5 Kilometer lange Stübisberg-Route zu seiner bevorzugten Wanderstrecke? «Ganz einfach: ich kann von zu Hause loslaufen und brauche nicht erst irgendwo hin zu fahren», sagt Stutz und lacht. Denn sich jedes Mal ins Auto zu setzen, um wandern zu gehen, das fände er etwas seltsam. Auch um den Hallwilersee läuft er ab und zu – zur Abwechslung. «31 Mal bin ich diese Strecke schon gelaufen.» Seine Bestzeit für die 22 Kilometer beträgt 3 Stunden und 30 Minuten.

Seine ersten 100 Mal über den Stübisberg schaffte Stutz nach 119 Tagen. Im Januar 2016 hatte er sich die 100 vorgenommen, im Juni hatte er sie schon geschafft. «Muesch doch ned höre», hätten ihn seine Freunde ermuntert, weiterzumachen. Also lief Stutz weiter über den Moränenhügel, manchmal alleine, manchmal mit seinen Brüdern oder seinem Sohn und oft mit Nachbar Florim Zimberi. Als dessen Arzt ihm wegen Herzproblemen mehr Bewegung verordnete, schloss er sich Alfred Stutz an.

Eigentlich wollte sich der Senior keine weiteren Meilensteine setzen, zählte seine Wanderungen aber weiterhin. «Da war ich bei 300, dann 400 Überquerungen. Irgendwann packte es mich wieder und ich wollte 1000 schaffen.» Gute Wanderschuhe, Wanderhosen und eine wetterfeste Jacke – das sei alles, was er für sein Hobby brauche. Und damit gelangt er in erstaunliche Höhen, wie er selber kalkuliert: «Rechnet man die 104 Höhenmeter (von Holziken auf den Stübisberg) mal 1000, dann habe ich mehrmals den Mount Everest überwunden.»