Er sprach von einem Missgeschick. Er habe nichts falsch gemacht, verspreche aber, in Zukunft besser aufzupassen. Das wird Jacob (Name geändert) wohl. Denn nun weiss er, was bei Unachtsamkeit passieren kann. Der 50-jährige gebürtige Pole mit österreichischem Pass stand diese Woche vor dem Bezirksgericht Kulm – wegen eines Vergehens gegen das Gewässerschutzgesetz. Doch der Diesel-Chauffeur aus der Region hatte Glück. Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs sprach ihn frei.

Er habe, so die Anklage, fahrlässig einen Dieseltank überfüllt, indem er mutmasslich die Überfüllsicherung nicht angeschlossen und zusätzlich die Einfüllmenge falsch abgeschätzt habe. In der Folge sei Dieselöl entwichen und im angrenzenden Erdreich versickert. Eine konkrete Gefahr für eine Grundwasserverunreinigung.

Beim sogenannt angrenzenden Erdreich, handelte es sich um ein rund ein Quadratmeter grosses Rosenbeet entlang des Tankstellengebäudes. Es wurde mit Diesel aus dem an der Fassade befestigten Tankentlüftungsrohr an der Fassade bespritzt, das als der Tank überschäumte. «Ich habe alles angeschlossen. Wie immer. Sonst kann man gar nicht entladen.» Jacob wiederholte vor Gericht in gebrochenem Deutsch, unaufgeregt und ohne lange überlegen zu müssen, was ihm fast genau vor einem Jahr bei einer Oberkulmer Tankstelle passiert war.

Die Überfüllsonde habe nicht funktioniert, die Pumpe nicht rechtzeitig abgeschaltet. Deshalb sei der Tank überlaufen. Er habe es sofort bemerkt und abgestellt. Danach die nötigen Massnahmen ergriffen, Bindemittel ausgebracht und den Kanalisationseinlauf abgedichtet, den Chef und schliesslich die Polizei informiert. Anschliessend hätten sie zusammen mit einer Fachperson vom kantonalen Umweltamt die Erde aus dem Blumenbeet ausgegraben.

Ein vorgeladener Zeuge stütze die Aussagen des Beschuldigten. War die Überfüllung wegen eines technischen Defekts passiert? Jedenfalls konnte nicht das Gegenteil bewiesen werden. Die Überfüllsonde schien zumindest nicht über alle Zweifel erhaben, wie Tests gleich nach dem Vorfall und ein bisschen später zeigten. Einmal funktionierte sie, ein andermal nicht.

Die Gerichtspräsidentin kam zum Schluss, Jacob habe nicht fahrlässig gehandelt. Der Vorwurf, die Überfüllsicherung mutmasslich nicht angeschlossen zu haben, liess sich nicht erhärten. Zudem hielt sie dem Chauffeur zugute, rasch gehandelt und damit einen grösseren Schaden vermieden zu haben. Dennoch unterliess sie es nicht, ihn nach dem Freispruch zu ermahnen, seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen und keine Routine einkehren zu lassen. (rap)