Billig-Holz aus dem Ausland setzt die Schweizer Holzindustrie zunehmend unter Druck. Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015, die ausländisches Holz nochmals verbilligte, hat sich die Lage der Branche zusätzlich verschlechtert. Mit einer Kampagne will das Bundesamt für Umwelt (Bafu) gemeinsam mit der Wald- und Holzwirtschaft die Schweizer Holz-Konsumenten für das Thema sensibilisieren. Massgeblich an der Kampagne beteiligt ist auch auch der Dachverband der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft Lignum, deren Präsidentin die Aargauer SVP-Nationalrätin und Holz-Unternehmerin Sylvia Flückiger ist.

Flückiger hat sich im Parlament bereits mehrmals für die bedrohte Schweizer Holzindustrie eingesetzt. In einer 2012 eingereichten Motion verlangte Flückiger, Aufträge für Neubauten und Renovationen «von kulturell und politisch besonders sensiblen Bauten der Schweiz» ausschliesslich an inländische Unternehmen zu vergeben.

Stein des Anstosses war die Renovation des Bundeshauses. Genauer: Für die Lieferung und Anfertigung der Fenster des Bundeshaus Ost wurde eine tschechische Baufirma beauftragt, was gemäss Flückiger «in der Branche, aber auch in der Bevölkerung grosse Verärgerung und Unverständnis ausgelöst» habe.

Sylvia Flückiger will mit einer Motion durchsetzen, dass Schweizer Kulturgut in Schweizer Händen bleibt

Sylvia Flückiger kämpft als Nationalrätin für einheimisches Holz.

Auch das ausländische Holz, das die Firma für die Fenster verwendete, war Flückiger ein Dorn im Auge. In einer weiteren Anfrage wollte sie vom Bundesrat wissen, ob die «ökologische Spitzenstellung von Schweizer Holz nicht danach ruft, dass der Bund solches explizit verlangt». Flückiger macht sich zudem auch als Vorstandsmitglied von «Swiss Label» für Schweizer Produkte stark.

Nun zeigt ein Artikel des «Tages-Anzeigers» auf, dass Flückiger auf dem politischen Parkett inländisches Holz predigt, in ihrem eigenen Unternehmen Flückiger Holz AG aber vor allem auf ausländisches Holz setzt. «Was wir tun, ist unternehmerisch begründet, nicht politisch», rechtfertigte sich Flückiger im Tagi-Artikel.

«Angriff auf meine Person»

In ihrer Firma verkauft Flückiger 30 Prozent Schweizer Holz und 70 Prozent aus dem Ausland, wie sie auf Anfrage der az sagt. «Aus rohen Brettern produzieren wir das gewünschte Sortiment. So bleibt die Wertschöpfung im Land und wir können Arbeitsplätze anbieten.» Das nordische Holz aus Skandinavien sei aufgrund feinerer Strukturen sehr beliebt; das Schweizer Holz wachse schneller und weise deshalb eine gröbere Beschaffenheit auf. Daher könne es nicht in derselben Qualität mit weisser Farbe behandelt werden, erklärt Flückiger. Verlangen Kunden nach Schweizer Holz, würde die Firma dies mit grosser Freude beschaffen und liefern, aber: „Der Kunde bestimmt schlussendlich, was er will.“

Auch privat an ihrem eigenen Haus baut Flückiger mit ausländischem Holz. Die Fassade ist aus dem Tropenholz Mahagoni. Flückiger dazu: «Das Haus ist von A bis Z aus Holz gebaut, das Tropenholz Sipo-Mahagoni macht lediglich fünf Prozent des Gesamtvolumens des verbauten Holzes aus, und dieses Holz ist zertifiziert.» Es stamme aus Restposten ihrer Firma, welches nicht habe verkauft werden können, aufgrund der schmalen Dimensionen war es nicht gefragt. «Deshalb haben wir eine Lösung gesucht, dieses Holz zu verwerten statt Jahrzehnte am Lager zu behalten.» Der restliche Teil des Hauses würde aber ausschliesslich aus Schweizer Holz bestehen.

«Ausländisches Holz kein Skandal»

Dass sie nun in der Kritik steht, sieht Flückiger als «unfaire» Attacke gegen «meine Person». Das würden auch die Leserkommentare zum Bericht bestätigen. «Diese gingen vor allem gegen mich als SVP-Politikerin.» Direkte Reaktionen habe sie nur wenige erhalten – und diese seien positiv ausgefallen. «Meine Kollegen aus den Verbänden und der SVP stehen 100%ig zu mir“, so Flückiger.

Am Montagabend verschickt der Dachverband Lignum eine Stellungnahme, in welcher er Bezug auf die Vorwürfe gegen Flückiger nimmt. «Lignum verwahrt sich gegen das Ausspielen von Holz gegen Holz», schreibt Christoph Starck, Direktor von Lignum. Dass in der Schweiz grosse Anteile ausländisches Holz eingesetzt werde, entspreche den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft und sei in keiner Weise ein Skandal. «Es wäre kurzsichtig, sich auf ideologische Kämpfe um ‹gutes› Holz oder ‹schlechtes› Holz einzulassen.»