Neuer Bezirk
Suhrentaler wollen den Aargau neu aufteilen – was bringt das?

Während die Suhrentaler Gemeinden für die Gründung eines neuen Bezirks Suhrentals sind, ist Regierungsrat Urs Hofmann eher skeptisch. Nicht kleinere Bezirke, sondern grössere Einheiten seien künftig gefragt.

Christine Wullschleger und Fabian Hägler
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Das Suhrental soll nach dem Willen des Regionalverbands Suhrental ein eigener Bezirk werden. Fotografiert vom Grillplatz «Blick zur Heimat» oberhalb von Schöftland.
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Suhrental: bald ein neuer Bezirk?
Schöftland von oben. Der Gemeindeammann würde ein Bezirk Suhrental begrüssen.
Blick auf Schöftland.

Das Suhrental soll nach dem Willen des Regionalverbands Suhrental ein eigener Bezirk werden. Fotografiert vom Grillplatz «Blick zur Heimat» oberhalb von Schöftland.

Vor langer Zeit hat die Suhre das Suhrental geformt. Gemeinden entstanden, Bezirksgrenzen wurden gezogen. Nur, diese Grenzen verlaufen wild und entsprechen nicht den gelebten Regionen. So gehören Holziken, Schöftland, Schlossrued und Schmiedrued zum Bezirk Kulm, der sich ennet des Böhlers im Wynental und im Seetal ausbreitet. Hirschthal liegt im Bezirk Aarau, die restlichen Suhrentaler Gemeinden im Bezirk Zofingen. Um dieses Wirrwarr aufzulösen, soll ein neuer Bezirk geschaffen werden, der das Suhren- und Ruedertal vereint.

11 Gemeinden würden neu den Bezirk Suhrental bilden.

11 Gemeinden würden neu den Bezirk Suhrental bilden.

Micha Wernli

«Ich glaube, in den Köpfen der Suhrentaler ist diese Idee schon länger vorhanden», sagt Lis Lüthi, Geschäftsführerin des Regionalverbands Suhrental (RSV). Sie wohnt in Holziken, im Bezirk Kulm. «Ich störe mich jedes Mal bei den Grossratswahlen, weil ich mich nicht zum Bezirk Kulm zugehörig fühle und die Plakate, die ich jeweils sehe, nicht den Bezirk betreffen, für den ich wählen könnte», sagt sie.

Lesen Sie hier auch den Kommentar von Fabian Hägler.

Bezirk «eher eine Vision»

Bei einem Workshop zur Entwicklungsstrategie des RSV kam die Idee eines neuen Bezirks auf. «Es ist eher eine Vision und wir müssen jetzt schauen, was wir damit machen könnten», sagt Lis Lüthi. Weder existiere eine genaue Analyse noch lägen Kennzahlen zum neuen Bezirk vor. «Wir werden jetzt unsere Entwicklungsstrategie erarbeiten und dann sehen, ob der Bezirk Suhrental eine Vision bleibt oder nicht», sagt sie. Lüthi sagt auch, dass sich das Suhren- und Ruedertal nicht abschotten will. Aber das Ziel eines neuen Bezirks wäre klar: «Wir wollen als Region wahrgenommen werden. Wenn alle Gemeinden in einem Bezirk wären, würde die Zusammenarbeit leichter fallen und die Kommunikation vereinfacht.»

Dieser Meinung ist auch Rolf Buchser, Schöftler Gemeindeammann und RSV-Präsident: «Die Bezirksgrenzen sind heute nicht mehr zeitgemäss. Das politische Leben, wie es sich heute darstellt, wird durch die Bezirksgrenzen behindert.» Das Tal sei Nord-Süd-ausgerichtet und nicht über Berge, auch der öffentliche Verkehr halte sich an dieses Muster. «Organisatorisch sehe ich in einem Bezirk Suhrental nur Vorteile», sagt er.

Am Workshop waren zehn von zwölf Verbandsgemeinden anwesend. Da Kölliken Ende Jahr aus dem Verband austritt, waren die Gemeindevertreter nicht anwesend. Auch die Gemeinde Holziken fehlte, Gemeindeammann Peter Lüscher war gestern Montag für die az nicht erreichbar.

Die Gemeinde Hirschthal gehört als einzige der 12 Verbandsgemeinden zum Bezirk Aarau. Erst seit einem Jahr ist die Gemeinde Vollmitglied, zuvor war sie Halbmitglied beim Planungsverband Aarau und beim Regionalverband Suhrental. «Weil sich unsere Interessen mehr in Richtung Suhrental bewegen, haben wir den Austritt aus dem Planungsverband Aarau gegeben», sagt Gemeindeammann Peter Stadler. «Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir eine Einheit bilden. Mit einem Bezirk Suhrental bekommen wir ein grösseres Gewicht, auch im politischen Bereich.»

Verfassungsänderung nötig

Doch liesse sich ein neuer Bezirk so einfach bilden? Martin Süess von der kantonalen Gemeindeabteilung sagt: «Dies wäre im Aargau ein Novum, bisher gab es meines Wissens nur den Fall von Hottwil, das mit der Fusion zur Gemeinde Mettauertal vom Bezirk Brugg in den Bezirk Laufenburg wechselte.» Um einen völlig neuen Bezirk zu schaffen, wäre entweder ein Vorstoss im Grossen Rat oder eine Volksinitiative nötig. Weil die Bezirkseinteilung in der Kantonsverfassung geregelt ist, müsste diese geändert werden, was auf jeden Fall eine Volks-
abstimmung nötig macht.

Aus juristischer Sicht wäre ein neuer Bezirk möglich, wie der renommierte Rechtsprofessor Kurt Eichenberger in seinem Kommentar zur Aargauer Verfassung festhält. Mit einer Verfassungs-änderung habe das Volk die Möglichkeit, «alle oder einzelne Bezirke aufzuheben oder zusammenzulegen oder Teilungen vorzunehmen.» Verfassungsrechtlich stehe einer Änderung der Bezirksgrenzen nichts entgegen.

Hofmann reagiert skeptisch

Der zuständige Regierungsrat Urs Hofmann äussert sich zurückhaltend zur Idee: «Die Schaffung neuer kleiner Bezirke war bis anhin kein Thema und würde eine grundlegende Diskussion über die Organisationsstruktur des Kantons voraussetzen.» Ganz im Gegenteil sei in letzter Zeit eher der Ruf nach grösseren funktionalen Einheiten zu hören. Generell lasse sich festhalten, dass ein neuer Bezirk Suhrental erhebliche Auswirkungen auf die Wahlkreise und die Gerichtsorganisation im Aargau hätte. Hofmann relativiert allerdings und sagt, dass den Bezirken vor allem aufgrund der Abschaffung der Bezirksämter nicht mehr die gleiche Bedeutung zukomme wie früher und sich ihre Funktion auf wenige Themenkreise beschränke. Ausserdem funktioniere die regionale Zusammenarbeit im Aargau heute oft bezirksübergreifend.

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