Suhrental

Suhrentaler haben kein Geld übrig für Ökostrom

Wenig Interesse an Ökostrom: Die Gemeinden versuchen ihre Ökobilanz anderweitig zu verbessern (Symbolbild)

Wenig Interesse an Ökostrom: Die Gemeinden versuchen ihre Ökobilanz anderweitig zu verbessern (Symbolbild)

Stolz ist man im Suhrental auf die schöne Landschaft und die Grüne Frau Landammann Susanne Hochuli. Geht es um den Strombezug, brilliert das Tal aber nicht mit einem speziellen ökologischen Bewusstsein.

Ein Beispiel: Schöftland hat als eine der einzigen Gemeinden im Tal noch ein eigenes Elektrizitätswerk. Angeboten wird ein Strommix, der zu fast 90 Prozent aus Kernenergie besteht und damit also aus nicht erneuerbarer Energie. Schweizweit ist der Anteil von Kernenergie (2011) bei 60 Prozent. Während bei anderen Elektrizitätsversorgern aus verschiedenen Stromprodukten ausgewählt werden kann, die unterschiedliche Anteile von erneuerbarer Energie aufweisen, gibt es in Schöftland Einheitsstrom.

Willy Ernst ist der Präsident der Elektrizitäts- und Wasserkommission. Er kennt den Grund dafür: «Die Nachfrage ist zu gering.» Bis vor drei Jahren bot das Elektrizitätswerk Schöftland zusätzlich zum Standardstrom auch Ökostrom an. Von den rund 2000 Strombezügern nutzten nur gerade 12 das Angebot. «Der administrative Aufwand war damit schlicht zu gross.» Wer trotzdem Ökostrom unterstützen möchte, kann an den Verein Naturstrom Aargau Geld spenden. Ein Einzahlungsschein liegt der Stromrechnung bei.

Den Schöftler Strom ein bisschen ökologischer zu machen, das sei aber schon ein Ziel, meint Ernst. Zurzeit kalkuliert die Kommission die Stromtarife 2014. Dort sei mehr Ökostrom ein Thema. «Wir müssen schauen, ob wir die Mehrkosten sponsern wollen oder ob die Stromtarife erhöht werden», sagt Ernst. Ausserdem sei ein kleines Wasserkraftwerk an der Suhre geplant.

Verbraucher wählt Strommix

Alle anderen Gemeinden beziehen den Strom von der IBAarau Strom AG. Dort kann der Endverbraucher auswählen, welchen Strommix er möchte. Das Produkt «Standardpower» der IBAarau weist einen Anteil von mindestens 50 Prozent erneuerbare Energie auf. Beziehen können die Verbraucher aber auch teureren Solarstrom. Gesamthaft lieferte die IBAarau Strom AG 2011 rund 60 Prozent erneuerbarer Strom geliefert.

Ökobilanz anders verbessern

Die Aargauer Zeitung wollte von den Gemeinden Muhen, Reitnau und Hirschthal ausserdem wissen, ob sie der Bevölkerung mit gutem Beispiel vorangehen und für die Gemeindeliegenschaften Ökostrom beziehen. Keine der Gemeinden tut das.

Der Hirschthaler Gemeindeschreiber Hansjörg Baumberger sagt, dass man das auch schon diskutiert habe. «Für Hirschthal ist Ökostrom aber zu teuer.» Darum versuche man, anderswo die Ökobilanz zu verbessern. So heizt Hirschthal Schulhaus, Doppelkindergarten, Mehrzweckhalle und Gemeindehaus seit zehn Jahren mit einer Holzschnitzelheizung. Aktuell prüfe die Gemeinde mit der IBAarau ausserdem den Bau einer Photovoltaikanlage auf der Mehrzweckhalle.

In Muhen versucht man Baugesuche für Photovoltaikanlagen möglichst speditiv zu bearbeiten, erklärt der zuständige Gemeinderat Werner Schertenleib. Zudem führe die Gemeinde Gespräche bezüglich eines Wasserkraftwerks an der Suhre. Finanzieren würde das zwar nicht die Gemeinde. Sie würde das Vorhaben aber mit allen Mitteln unterstützen. Und in Reitnau unternahm man vor vier Jahren gar einmal den Versuch, das Label «Energiestadt» zu bekommen. Ein Label, das Gemeinden auszeichnet, die vorbildlich mit Energie umgehen. Dieses Vorhaben ist wieder vom Tisch. Der Grund auch da: zu teuer. Dafür habe man ebenfalls eine Holzschnitzelheizung im Schulhaus», erklärt Gemeindeschreiber Heinz Wölfli.

Auch Kölliken hat kürzlich etwas zur besseren Ökobilanz beigetragen: Letztes Jahr wurde auf dem Dach des Werkhofs eine grosse Photovoltaikanlage eingeweiht. Finanziert wurde sie ebenfalls von der IBAarau AG.

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