Lange mussten die Schöftler warten. Nun stehen sie kurz davor, ihren eigenen Strom zu produzieren. Die Bauarbeiten zum Kleinwasserkraftwerk «Obere Mühle» sind in den letzten Zügen. Bereits sprudelt Wasser durch den Rohbau hindurch, das eigentliche Wehr sollte Ende Monat fertiggestellt sein und die Montage der Wasserkraftschnecke, die dereinst den elektrischen Generator antreiben wird, ist für Oktober geplant.

«Jetzt kommen wir dem Ziel näher», sagt Willy Ernst, Präsident der Elektrizitäts- und Wasserkommission. Nicht nur werden schon ab diesem Winter 107 Haushalte mit Schöftler Strom versorgt werden, das neue Kraftwerk macht im Gegensatz zum vorherigen Bau auch die Fischwanderung flussaufwärts möglich.

Das neue Werk kommt am selben Ort zu stehen, wo bis zum Hochwasser 2008 das Kraftwerk der einstigen Mühle in Betrieb war. Nach dessen Stilllegung kamen Diskussionen in der Bevölkerung auf, das günstige Gefälle der Suhre beim Mühleareal für ein gemeindeeigenes Kraftwerk zu nutzen. «Dies vor allem aus ökologischen Überlegungen», sagt Ernst.

Nach dem 2013 gewährten Baukredit mussten sich die Einwohner jedoch in Geduld üben. Gleich mehrere Umweltverbände reichten beim Baudepartement Einwendungen ein, nach deren Ablehnung später Beschwerde beim Regierungsrat. Der Grund: Die geplante Revitalisierung der Suhre sei nicht mit einem Kraftwerk vereinbar. Erst Mitte 2016 erteilte der Regierungsrat nach Ablehnung der Beschwerde grünes Licht für die «Obere Mühle».

Revitalisierung und Aufwertung

Am Teilabschnitt des Suhreufers, der dem Kraftwerk flussabwärts folgt, wurden vergangenen Juni Revitalisierungsmassnahmen gemäss Auflage des Kantons vorgenommen. Die Ufermauern wurden entfernt, der Fluss verbreitert. Entstanden ist ein flach abfallendes Bord, das im Sommer zum Picknick einlädt.

Noch ein anderes Wasserkraftwerk in Schöftland hat in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt. 2010 wurde in der Gemeinde das bisher einzige Schweizer Wasserwirbelkraftwerk eingeweiht, deren Betreibergenossenschaft aber 2016 Konkurs ging. Die beiden Projekte haben nichts miteinander zu tun.

Mit finanziellen Engpässen hat aber auch das Kleinwasserkraftwerk «Obere Mühle» zu kämpfen. Der Kredit von 1,4 Millionen Franken ist bereits überschritten, weshalb sich der Gemeinderat an der Sommergmeind im Juni eine Defizitgarantie der Ortsbürger zusichern liess.

Möglicherweise wird diese aber nicht nötig sein. Weil das neue Kraftwerk den Fischgang flussaufwärts ermöglicht, hat die Gemeinde von Swissgrid einen namhaften Rückerstattungsbetrag zugesichert bekommen. Die Höhe des Beitrags ist jedoch noch nicht bekannt.