Bezirksgericht Kulm
Streithähne vor Gericht: Einer füllt Bauschaum in Auspuff – betrog der andere bei Garagen-Rechnung?

Ein ehemaliger Bauleiter verliert die Beherrschung und füllt das Auspuffrohr eines Bekannten mit Bauschaum. Dieser saniert das komplette Auto und fordert dafür Schadenersatz.

Alice Sager
Merken
Drucken
Teilen
Ein ehemaliger Bauleiter verliert die Beherrschung und füllt das Auspuffrohr eines Bekannten mit Bauschaum. (Symbolbild)

Ein ehemaliger Bauleiter verliert die Beherrschung und füllt das Auspuffrohr eines Bekannten mit Bauschaum. (Symbolbild)

Keystone

Es war im Frühling 2015, Erwin (Name geändert) hatte gerade erfahren, dass er seinen Beruf als Bauleiter wegen eines Unfalls nicht mehr ausüben kann. Er ist sehr aufgebracht und steht unter Schmerzmitteln, als er mit einem Bekannten aus der Nachbarschaft plaudert. Plötzlich artet das Gespräch aus, Erwin wird vom Bekannten – angeblich – als Rassist beschimpft. Er ist erzürnt und stopft dem Bekannten nicht den Mund, aber das Auspuffrohr seines Autos – mit Bauschaum. Um den Verdacht von sich zu lenken, füllte er auch den Auspuff seines eigenen Autos mit Bauschaum. Doch schon am nächsten Tag kam man ihm auf die Schliche.

Angeklagter bereut Tat

Letzte Woche stand der kleine, unscheinbare Mittfünfziger mit grauem Haar aufgewühlt und reumütig vor dem Kulmer Bezirksgericht. «Es tut mir leid», wiederholte der Vater von zwei Kindern mehrmals. Der Schweizer aus der Region versteht heute selber nicht, warum er das Auto beschädigt hat. Während der Tatzeit sollte er eigentlich bereits in einer Rehaklinik sein, verteidigte er seine Überreaktion.

Der Geschädigte, der an der Verhandlung nicht teilnahm, fordert Schadenersatz. Und das nicht zu knapp: «Aus der Rechnung der Garage geht hervor, dass am Auto nicht nur der Schaden am Auspuffrohr repariert wurde, sondern etliche andere Mängel behoben wurden. Zum Beispiel wurden die Autotüren lackiert», sagte Erwins Verteidiger. Er sei immer bereit gewesen, für den Schaden gerade zu stehen, beteuerte der Angeklagte, aber dieser Betrag sei eindeutig zu hoch.

Erwin hat sich seit dem Vorfall nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 4400 Franken. Die Kosten für den Schaden müssen die Streithähne auf zivilem Weg klären, da die Schadenersatzforderungen, die aus der Rechnung der Garage hervorgehen, nicht alle klar dem Angeklagten zugeordnet werden können.