Werner Sprenger, seit Anfang Jahr als Gesamtleiter der Stiftung Schürmatt im Amt, lädt zu seiner ersten Medienorientierung ein. Er wirkt ruhig und sachlich und führt durch den Jahresbericht, erwähnt seine ersten Eindrücke als Direktor und zieht ein Fazit. Mit Sprenger hat die Stiftung für die Nachfolge von Konrad Naegeli auf eine interne Lösung gesetzt. Werner Sprenger, seit 24 Jahren in der Institution, kennt den Betrieb aus verschiedenen Tätigkeiten. «Aber die neue Funktion bringt ganz andere, neue Aufgaben mit sich», sagt Sprenger, «auch einen neuen Gestaltungsraum.» Die «Schürmatt» sei 50 Jahre nach der Gründung ein Unternehmen geblieben, das nach allen Seiten auf Bedürfnisse reagieren müsse.

Der Leitbild-Satz «im Zentrum steht der professionelle Beitrag zu grösstmöglicher Lebenskompetenz» sei fest in den Köpfen der Mitarbeiter aller Stufen und Bereiche, und er werde täglich umgesetzt, erklärt Werner Sprenger.

«Schürmatt» wächst und wächst

1965 startete die «Schürmatt» mit 20 geistig behinderten Kindern, mit dem Ausbau stieg die Zahl rasch auf über 60 und gleichwohl blieben noch 50 Anmeldungen auf der Warteliste.

«Der Anmeldedruck ist auch heute hoch», sagt Sprenger. In den Internaten seien alle Plätze besetzt. Weil gegenwärtig die 18-Jährigen aus Platzmangel nicht zu den Erwachsenen übertreten könnten, gäbe es keine Aufnahmemöglichkeit für Kleinkinder und Kinder. Dieser Umstand sei besonders problematisch, verliere man gerade im Alter von 8 bis 10 Jahren die Gelegenheit für besonders wirksame Förderansätze. Bevölkerungswachstum im Kanton und die Zuwanderung machten sich bei den Anmeldungen im gleichen Verhältnis bemerkbar.

Einen Lichtblick gibt es: Der Kanton hat die Aufstockung von 79 auf 85 Plätze bewilligt. «Allerdings liegen mehr als 18 Anmeldungen auf meinem Tisch», erklärt Sprenger. Organisatorisch und betriebswirtschaftlich stelle sich immer die Frage, ob Einzelwohnungen für Gruppen, mehrere Wohnungen in einem Mietshaus oder der Bau eines Wohnhauses, die beste Lösung darstellten.

Ein Dauerthema sei die Rekrutierung von qualifiziertem Personal. Sozialpädagogen, Fachpersonen Betreuung und Lehrerinnen und Lehrer sind gesuchte Leute. «Unsere Lage abseits der Zentren ist da manchmal hinderlich» sagt Sprenger.

Das Betreuungsprojekt Passage ist vor einem halben Jahr gestartet. Jugendliche mit geistiger Behinderung und schweren psychischen Störungen werden hier in einer kleinen Gruppe betreut. Diese Klienten brauchen sonderpädagogische Massnahmen und wären deshalb in einer psychiatrischen Klinik am falschen Ort. «Aber es zeigt sich, dass der Umgang mit den teils aggressiven Klienten mit ihrem Selbstverletzungspotenzial von den Mitarbeitern alles abfordert», so Sprenger.

Trägerschaft HPS Aarau

Am 1. Januar 2013 übernimmt die «Schürmatt» die Trägerschaft der Heilpädagogischen Sonderschule (HPS) in Aarau. Die Arbeiten sind weit fortgeschritten, die Anstellungen bereits geklärt. Auch hier trifft Sprenger auf eine Baustelle: Bis Mitte 2016 muss ein neuer Standort für die Schule in Aarau gefunden werden. «Wir möchten die Schule in unmittelbarer Nähe zur Regelschule in Aarau führen», äussert Sprenger, «nur dieses Modell hat Zukunft.»

Grosse Bedeutung misst Sprenger dem neuen Konzept Prävention Übergriffe zu. Die Umsetzung mit einer Null-Toleranz-Politik sei anspruchsvoll. «Ein Dauerthema, das wir mit Augenmass und Transparenz angehen wollen», so der neue Direktor.