Im Reinacher Dorfzentrum säumen zwei markante historische Gebäude die Hauptstrasse: der «Schneggen» und das «Schneggli». Beide Gebäude stehen im Besitz der Gemeinde und sind renoviert worden. Während im kleinen «Schneggen» ein Museum untergebracht ist, wird der grosse «Schneggen» seit der Renovation vor 25 Jahren als Hotel- und Restaurantbetrieb geführt. Eigentümer ist die Einwohnergemeinde Reinach, geführt wird der «Schneggen» von einem Pächter.

Im Januar hat der letzte Pächter den «Schneggen» Hals über Kopf geschlossen und verlassen, er musste Konkurs anmelden, und die Gemeinde musste einen neuen Pächter suchen. «Wir schlagen einen neuen Weg ein», verkündete Gemeindeammann Martin Heiz an der Reinacher Gmeind, «wir vertrauen unser Traditionshaus der Stiftung Lebenshilfe zur Weiterführung an.» Neu ist, dass Restaurations- und Hotelbetrieb künftig als Ausbildungs-, Trainings- und Integrationsbetrieb geführt werden. Martin Heiz stellt klar: «Unabhängig von der Art, wie und von wem der Betrieb geführt wird, werden die Gäste im ‹Schneggen› weiterhin gut essen können.»

Mehr Integrationsplätze

Für die Gemeinde sei immer klar gewesen, sagt Heiz, dass sie den «Schneggen» als Gasthof und Hotel weiterführen wolle. «Wir wünschen uns einen Gastrobetrieb, der ins Dorf passt.» Man habe rasch an die Stiftung Lebenshilfe gedacht, so Heiz, «denn wir sind froh, wenn verschiedene Betriebe in der Region Integrationsarbeitsplätze anbieten.» Dem Gemeinderat lagen mehrere Bewerbungen vor, «dabei kam es zu einem klaren Bekenntnis zur Lebenshilfe», sagt Heiz.

Die Stiftung Lebenshilfehat als soziales Unternehmen Angebote für die Berufsfindung, Bildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit. Sie richtet sich in erster Linie an Menschen mit einer geistigen Behinderung, aber auch an Menschen, die auf besondere Art zu fördern sind. Im Bereich Beschäftigung stehen je nach Behinderungsgrad Geschützte Werkstätten, Beschäftigungsgruppen oder auch externe Partnerbetriebe zur Wahl. In den letzten Jahren wurden die Ausbildung und die Integration von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen oder mit Lernbehinderungen aufgebaut. Hier spielt die Stiftung in der Region eine wichtige Rolle.

Menschen zurück in den Arbeitsmarkt führen

Im Gasthof Schneggenwird die Lebenshilfe (LH) ihr Angebot auf den Gastrobereich ausweiten. Das Besondere ist, dass in diesem Betrieb Gastrofachleute gemeinsam mit Leuten, deren Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, arbeiten. Die Stiftung bietet im Service, in der Küche, der Hotellerie und Hauswirtschaft IV- und BBT-Lehrstellen (Bundesamt für Berufsbildung und Technologie) an.

Dazu kommen geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen. «Und ganz wichtig», sagt Spielmann, «wir helfen mit, Menschen, die ausgesteuert sind, zurück in den Arbeitsmarkt zu führen.» Dafür bietet die LH Trainingsarbeitsplätze an. Spielmann erklärt, dass zum Beispiel Leute, die im Berufsleben ein Burn-out erlitten hätten, in einem Integrationsbetrieb wieder zurück in die Arbeitswelt oder sogar in ihren Beruf finden. «Weniger Druck, weniger Stress.»

«Wir sind zuversichtlich»

Gegenwärtig bereitet sich die Lebenshilfe auf ihre neue Aufgabe vor. Gesucht werden auf der Profiseite ein Leiter Gastronomie, ein Küchenchef, zwei Köche und weitere Fachleute. Spielmann rechnet damit, im Betrieb sukzessive zwischen 25 bis maximal 50 Prozent integrierte Arbeitsplätze anzubieten. Das Angebot bleibt bestehen: Restaurant, Hotel, Räume für Seminare, Feste und Bankette.

Es werde Mitarbeiter geben, die vorübergehend im «Schneggen» arbeiten, während andere ihren geschützten Arbeitsplatz dauernd belegen. «Wir haben mit der Gemeinde den gleichen, fairen Pachtvertrag abgeschlossen wie frühere Pächter auch», so Spielmann. Heiz sagt, er habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Skeptikern erkläre er, wie wichtig ein Integrationsbetrieb sei. «Wir sind zuversichtlich und freuen uns auf die Eröffnung im Herbst.»