Zum ersten Mal werden die Attelwiler und Reitnauer Stimmberechtigten zusammen das Budget für die fusionierte Gemeinde Reitnau festlegen. Ab dem 1. Januar sind die beiden Dörfer (Attelwil hat 295 Einwohner, Reitnau 1267) eine Gemeinde. Name: Reitnau. Wappen: der Reitnauer Reiher.

Unmittelbar bevor Attelwiler und Reitnauer nebeneinander die Hände erheben, erledigen die Reitnauer unter sich letzte Geschäfte. In ihrer letzten Gemeindeversammlung vor der Fusion werden sie über die Melioration orientiert, die Attelwil und Reitnau trotz Fusion je getrennt behandeln werden. Dann werden die scheidenden Reitnauer Gemeinderäte Herbert Fischer (50, parteilos) und Rolf Trösch (55, parteilos) verabschiedet.

Zum Zeitpunkt der Verabschiedung dürften die Nachbarn aus Attelwil bereits vor der Mehrzweckhalle auf Einlass warten. Werden die Türen zur gemeinsamen Budgetgemeindeversammlung geöffnet, so verlässt auch der «alte» Reitnauer Gemeinderat die Plätze vorne an den Tischen. Und wer leitet die erste Versammlung der Fusionsgemeinde? «Der künftige Reitnauer Gemeinderat wird die erste gemeinsame Gmeind leiten», sagt die Reitnauer Frau Ammann Katrin Burgherr (43, SVP) auf Anfrage. Voraussichtlich wird sie bis dahin gewählte neue Gemeindepräsidentin (Amtsantritt am 1. Januar) sein. Sie ist die einzige Kandidatin für die Ammannwahl am 25. November. Neben ihr werden die künftigen Gemeinderäte Markus Baumann (54, parteilos) und Michel Strub (37, parteilos) aus dem Wahlkreis Attelwil sowie Peter Hochuli (50, SVP) und Uwe Matthiessen (57, FDP) aus dem Wahlkreis Reitnau sitzen.

Zwei Lager an der Gmeind?

Ob die Stimmung bereits brüderlich sein wird an dieser ersten Gmeind, ist nicht sicher. 85 Attelwiler hatten am 26. November 2017 an der Urne gegen die Fusion gestimmt, die Befürworter hatten mit nur vier Stimmen Unterschied gesiegt. Im Vorfeld gingen auf Attelwiler Seite die Emotionen hoch. Dies sowohl vor der Abstimmung an der ausserordentlichen Attelwiler Gemeindeversammlung wie auch in den Folgewochen, bevor an der Urne abgestimmt wurde. Sie fürchteten mit dem Verschwinden ihres Gemeindenamens und -Wappens den Verlust ihrer Identität. Zudem beanstandeten sie, das finanziell schlechter gestellte Reintau sei eine schlechte Partie. Zum Zeitpunkt der Abstimmung stand Attelwil mit einem Steuerfuss von 98 Prozent um einiges besser da als Reitnau (Steuerfuss 2017: 117 Prozent). Die Erklärung von Ammann Roger Lehner, dass Attelwils Steuerfuss mit dem neuen Finanzausgleich auch ohne Fusion steigen würde, konnte die Befürchtung, finanziell abzusteigen, kaum lindern.

Das Budget 2019 der Fusionsgemeinde basiert auf einem Steuerfuss von 114 Prozent. Es weist (ohne Spezialfinanzierungen) einen Gewinn von 3,772 Millionen Franken aus. Dies dank des einmaligen Fusionsbeitrags von 3,8 Millionen Franken durch den Kanton. Das operative Ergebnis weist ein Minus von 268 400 Franken aus. Nebst der Genehmigung des Budgets muss die Gmeind die neue Gemeindeordnung, den Einsatzkostentarif der Feuerwehr und das Abfallreglement genehmigen. Bisher wurden die Gebühren in den Gemeinden unterschiedlich berechnet.