Zofingen
Sternekoch verlässt das «Federal» - um mehr Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen

Walter Gloor hat nach zehn Jahren sein Gourmetrestaurant in der Altstadt geschlossen und kommt nach Aarau, wo er bei den jungen Menschen das Feuer für gutes Essen wecken will.

Emiliana Salvisberg
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Aus familiären Gründen hat «Federal»-Gastwirt Walter Gloor eine neue Herausforderung gesucht und in der Berufsschule in Aarau gefunden.

Aus familiären Gründen hat «Federal»-Gastwirt Walter Gloor eine neue Herausforderung gesucht und in der Berufsschule in Aarau gefunden.

Vor zehn Jahren hat Walter Gloor mit Ehefrau Maya das «Federal» in Zofingen übernommen. Gestern hat der leidenschaftliche Koch die Tür seines Gourmetrestaurants Federal für immer geschlossen. «Ich möchte mehr Zeit für meine Frau Maya haben», sagt Walter Gloor. Er spricht offen darüber, dass seine 56-jährige Frau an Alzheimer erkrankt ist. Die Diagnose vor fünf Jahren war ein Schock – sie hat das Leben der fünfköpfigen Familie auf den Kopf gestellt.

«Das Restaurant ist klein, aber fein»

Seit 28 Jahren gehen Walter und Maya Gloor privat und beruflich denselben Weg. In Hongkong eröffneten der Chefkoch und die Restaurant-Managerin 1988 ihr erstes eigenes Restaurant. Als Tochter Joyce 1990 geboren wurde, zog sich Maya Gloor von der Front zurück. Zwei Jahre später folgte Tochter Sarah und nach der Rückkehr der Gloors in die Schweiz, kam 1995 Tanja zur Welt. In Oftringen liess sich die Familie nieder. Während vier Jahren führte Walter Gloor das Restaurant Felix in Zofingen, leitete danach als Geschäftsführer das Château Mosimann in Olten und führte anschliessend in derselben Funktion vier Jahre das Gasthaus Rössli in Rothrist.

Vor zehn Jahren fand das Ehepaar einen neuen Wirkungskreis im Zofinger «Federal». «Das Restaurant ist klein, aber fein. Das Ambiente und die Grösse hat uns auf Anhieb überzeugt», erinnert er sich. Mit seinen Menü-Kreationen hat sich Walter Gloor im Rothrister «Rössli» die ersten 13 Gault-Millau-Punkte erkocht. Er hielt diese und steigerte sich in seinem «Federal» auf 14 Punkte, die er fortan konstant hielt. Der Guide bleu erkor das kleine Lokal, das auch zu den «Gilde Restaurants etablierter Schweizer Gastronomen» gehört, zum besten Aargauer Restaurant 2008/2009.

Der Abschied fällt schwer

Der Abschied bewegt Walter Gloor: «Die meisten unserer Gäste sind Freunde geworden.» Diese nutzten die Gelegenheit, nochmals seine Köstlichkeiten zu geniessen. Das Ende des momentanen Stressprogramms ist für Walter Gloor absehbar. Das war die steigende Belastung nicht. Arbeitstage mit 13 Stunden gehörten zur Regel. Vor allem in den letzten drei Jahren, seit seine Ehefrau nicht mehr mitarbeiten kann.

«Maya und ich waren ein gut funktionierendes Team. Ohne sie kann und will ich dieses Restaurant nicht weiter führen», erklärt der 55-Jährige. Für ihn stand fest, dass er den im Oktober auslaufenden Pachtvertrag nicht mehr verlängern möchte. Seine drei Mitarbeiter haben eine Stelle gefunden und der Servicelehrling wurde von der «Krone» in Lenzburg übernommen. Auch ein neuer Pächter ist ab 1. September gefunden.

«Auf die neue Herausforderung freue ich mich»

Ab Anfang August leitet Gloor das Restaurant Piccanto der Berufsschule Aarau. «Auf die neue Herausforderung freue ich mich», sagt Gloor. In erster Linie will er die 280 Berufsschüler mit einer schmackhaften gesunden Menüauswahl fürs «Piccanto» gewinnen. «Gut kochen hängt nicht vom Preis ab. Eine einseitige Ernährung rächt sich irgendwann», ist Walter Gloor überzeugt. Mit seiner Leidenschaft will er das Feuer für gutes Essen bei jungen Menschen wecken.

Privat freut sich Walter Gloor auf die freie Zeit, die er mit seinen Liebsten verbringen und auch für sich selber geniessen wird. Vor eineinhalb Jahren entschloss sich Familie Gloor, Betreuungshilfe in Anspruch zu nehmen. Tagsüber wird Maya Gloor liebevoll von Gosia, einer Pflegerin aus Polen, betreut. Die Mithilfe sei unersetzlich, denn er und die Töchter seien an ihre Grenzen gestossen. «Das war ein guter und richtiger Entscheid für uns alle», sagt er. «Gosia gehört zu unserer Familie.»