Schöftland
Steppen auf der Tanzplattform im Alterszentrum

Das Alterszentrum in Schöftland erweitert sein Fitnessangebot mit einer Tanzplattform – und die kommt gut an, auch wenn der Name auf eine falsche Spur führt: «Er wird vielleicht noch in Reaktionsplattform umgeändert.»

Lee Müller
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Alice Lüscher testet mit der Hilfe von Instruktorin Rahel Lee die Tanzplattform.

Alice Lüscher testet mit der Hilfe von Instruktorin Rahel Lee die Tanzplattform.

Lee Müller

Konzentriert steht Alice Lüscher auf der Plattform und lässt sich von der Instruktorin Rahel Lee die Regeln erklären. «Ich muss noch den Trick herausfinden, wie es am besten geht, aber ich mache es schliesslich erst zum zweiten Mal», sagt die 89-jährige Alterszentrumbewohnerin.

Seit knapp einem Monat befindet sich die Tanzplattform im Fitnessraum des Zentrums. Sie ist mit vier roten Sensoren ausgestattet, der Benutzer steht in der Mitte der Plattform. Auf einem Bildschirm an der gegenüberliegenden Wand sind dieselben vier Sensoren abgebildet. Nun schwirrt ein virtueller Ball über den Monitor, der jeweils einen der vier Sensorpunkte berührt. Ziel ist es, möglichst schnell den betroffenen Sensor auf der Plattform mit einem Schritt anzutippen. Die Reaktionsgeschwindigkeit wird mit eingeblendeten Bewertungen wie «Sehr gut» oder «Zu spät» kommentiert. «Das klappt ja bereits wunderbar», lobt die Instruktorin Alice Lüscher, als diese den Sensor genau zum richtigen Zeitpunkt berührt.

Ältere Menschen können mit der Tanzplattform einerseits ihre Reaktionsgeschwindigkeit verbessern und gleichzeitig mit den Ausfallschritten die körperliche Fitness trainieren. Je nach Schwierigkeitsgrad wird die Schnelligkeit oder die Anzahl der Bälle erhöht. So kann es bei einem hohen Level nach einem Tanz aussehen, da schnelle Schritte nach allen Seiten gefordert sind. Doch Rahel Lee, die an diesem Morgen für die Betreuung der Senioren zuständig ist, wiegelt ab. Der Name «Tanzplattform» führe auf eine falsche Spur: «Er wird vielleicht noch in Reaktionsplattform umgeändert.»

Schliesslich sei das Gerät zur Verbesserung der kognitiven und körperlichen Fähigkeiten gedacht und habe nichts mit Tanzen an sich zu tun, wie Zentrumsleiter Thomas Zeller bestätigt: «Genau wie unser gesamtes Fitnesskonzept beruht auch diese Plattform auf der Zusammenarbeit mit Eva van het Reve, Doktorandin an der ETH Zürich.» Bereits bei den Fitnessgeräten, die seit einem Jahr im Alterszentrum rege benutzt werden, arbeitete Zeller mit der Bewegungswissenschafterin zusammen und zeigte sich daher sofort bereit, beim neuen Pilotprojekt mitzumachen. «Alte Leute sollte man nicht aufs Abstellgleis stellen. Wir bieten mit unseren Projekten viel Abwechslung, und das schätzen unsere Bewohner.»

Mit der Tanzplattform müssen die Alterszentrumbewohner in den nächsten Monaten erst noch warm werden. Am Anfang würden sich viele nicht getrauen, aus Angst, beobachtet zu werden und Fehler zu machen, sagt Rahel Lee. Doch kaum seien sie alleine im Raum, gehe es besser. «Auch bei den Fitnessgeräten waren viele zuerst skeptisch», verrät Lee, «und jetzt sind die Fitnesslektionen am Morgen jeweils ausgebucht.»

Skeptisch war auch Alice Lüscher zu Beginn. Niemals hätte sie gedacht, dass sie mit 89 Jahren noch so sportlich sein könne. «Ich habe jedoch gesehen, wie viel Sicherheit mir die körperliche Betätigung gibt und wie viel schneller ich gehen kann», sagt sie. Auf der Tanzplattform wird die aufgeweckte Seniorin in Zukunft öfter anzutreffen sein.