Reinach
Steht das Haus Turmalin vor der Schliessung?

Erst acht Monate ist es her seit der Gründung der Wohngemeinschaft im Haus Turmalin für körperbehinderte Menschen. Nun droht dem Wohnhaus Turmalin der Konkurs.

Ralph Stamm
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Dorothée Buchmüller (rechts) im August 2011 mit einer Mitarbeiterin (links) und einer Bewohnerin des Hauses Turmalin. Peter Siegrist (Archiv)

Dorothée Buchmüller (rechts) im August 2011 mit einer Mitarbeiterin (links) und einer Bewohnerin des Hauses Turmalin. Peter Siegrist (Archiv)

«Uns steht das Wasser bis zum Hals», bestätigt Dorothée Buchmüller, die Leiterin des Wohnhauses Turmalin, die Gerüchte über einen möglichen Konkurs. Zwar konnten die Löhne der Angestellten im letzten Monat noch überwiesen werden, doch für die Zahlung der Sozialleistungen reichte es nicht mehr.

So hat sich dies Dorothée Buchmüller im letzten August bei der Gründung der Wohngemeinschaft nicht vorgestellt. Überzeugt davon, dass es für junge Menschen mit körperlicher Behinderung und geistiger Vitalität nicht genügend angepasste Wohngelegenheiten gibt, erhoffte sie sich die Aufnahme des Wohnhauses Turmalin in die kantonale Heimliste. Vergebens, wie sich herausstellen sollte. Die Subventionierung der Wohnplätze blieb bis heute aus.

Ohne Subventionen zu teuer

«Aus diesem Grund ist die Wohngemeinschaft nicht genügend ausgelastet», sagt Dorothée Buchmüller. Konkret wohnen zurzeit nur zwei Personen im Haus Turmalin. Um dieses aber rentabel betreiben zu können, müssten fünf der sechs Plätze belegt sein.

Die Konsequenz: «Wir suchen mit aller Kraft nach einer Möglichkeit, damit das Haus im Sinne des Stiftungszwecks weitergeführt werden kann», so Buchmüller. Konkret habe man der Stiftung Lebenshilfe in Reinach ein Angebot zur Übernahme des Hauses unterbreitet.

Aufnahme in Heimliste unrealistisch

Martin Spielmann, Geschäftsführer der Stiftung Lebenshilfe, bestätigt das Angebot, winkt jedoch ab. Zum einen konzentriere sich seine Stiftung auf die Betreuung geistig behinderter Personen, zum anderen sei die Aufnahme des Hauses Turmalin auf die Heimliste auch unter neuer Leitung kaum realistisch.

Daniel Hohler von der kantonalen Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten gibt Spielmann recht. «Zurzeit gibt es keinen ausgewiesenen Bedarf nach zusätzlichen Betreuungsplätzen für körperlich behinderte Personen.» Mit dem Wohnhaus Aargau in Baden-Dättwil von den Zentren Körperbehinderte Aargau (Zeka) bestehe bereits ein subventioniertes und noch nicht voll ausgelastetes Angebot.

Dass der Konkurs noch abgewendet werden kann, ist also eher unwahrscheinlich, nicht aber ausgeschlossen. «Wir verhandeln in diesen Tagen noch mit einer anderen Institution über einen möglichen Zusammenschluss», sagt Dorothée Buchmüller. Gelinge dies aber nicht, bleibe wohl nur noch die Umplatzierung der beiden Bewohner.