Projekt
Stausee auf dem Homberg? «Nicht abwegig – aber utopisch»

Birrwil reagiert offen, die Grünen Aargau kritisch auf einen Stausee auf dem Homberg. Haupthema ist die Effizienz.

Rahel Plüss und Nadja Rohner
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Ginge es nach den Intianten, würde hier westlich der Waldstrasse vom Homberg zur Waldhütte Birrwil der Speichersee zu liegen kommen.

Ginge es nach den Intianten, würde hier westlich der Waldstrasse vom Homberg zur Waldhütte Birrwil der Speichersee zu liegen kommen.

Rahel Plüss

Die beiden Ingenieure Richard Stocker (Birrwil) und Jürg Rubin (Menziken) haben die Idee eines Stausees auf dem Homberg lanciert, in den mit überschüssiger Energie Wasser aus dem Hallwilersee hochgepumpt und bei Bedarf wieder abgelassen und zu Strom gemacht werden soll (AZ vom 31. 1.).

Was sagt man in der Standortgemeinde Birrwil zum Projekt? Der neue Gemeindeammann Max Härri (SVP) hat davon aus der Zeitung erfahren – auch wenns ihm nicht ganz unbekannt war. «Vor etwa vier Jahren hatte ich schon einmal von der Idee gehört, aber ich habe nicht gewusst, dass sie noch in den Köpfen herumgeistert», sagt er auf Anfrage. Abwegig findet er den Gedanken grundsätzlich nicht. Im Gegenteil. «Die Sache hat etwas für sich, ich finde sie eine Überlegung wert», sagt er – ergänzt jedoch im gleichen Atemzug: «Aber bei der Umsetzung und Finanzierung sehe ich Probleme. Im heutigen Umfeld halte ich das Vorhaben für reine Utopie.» Wenn er nur an die vielen Bewilligungen denke, die es für den Bau des Sees im Wald und des Kraftwerks am Seeufer brauche, sehe er schwarz. Auch die Durchleitungsrechte für das Druckrohr zu erhalten, könnte schwierig werden. «Das sind so viele Grundeigentümer. Da würden wohl viele nicht Hand bieten», so seine Befürchtung.

Die Grünen sind wenig begeistert

Ähnlich tönt es bei den Grünen Aargau: «Das Projekt ist gut gemeint und prinzipiell schätzen wir, wenn Einzelne die Energiewende vorantreiben wollen», sagt Parteipräsident und Grossrat Daniel Hölzle (Zofingen). «Wir halten das Projekt aber trotzdem für unrealistisch. Es ist nicht nur ein schwerer Eingriff in die Natur, es wird auch finanziell kaum rentabel betrieben werden können.» Gerade beim Solarstrom, so Hölzle weiter, zeichneten sich dezentrale Lösungen mit Batterien ab. So könne ein Solarzellenbesitzer verhindern, dass er für die Speicherung des Stroms einen massiven Aufschlag berappen müsse – etwa in Form von Netzgebühren –, wenn er den Strom günstig ins Netz einspeise und dann teuer wieder einkaufen müsse. Es sei aber lobenswert, dass die Initianten auch Windanlagen mit einbeziehen wollten. «Dies ist der richtige Ansatz», findet Hölzle. «Zuerst muss der Ausbau der Erneuerbaren angegangen werden. Da ist das Geld besser investiert.»

Die Idee, regionale Stauseen für die Energiegewinnung zu bauen, ist nicht neu. Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung entstanden an diversen Orten im Kanton solche Kleinkraftwerke. Allerdings dienten sie allein der Stromerzeugung und nicht dessen Speicherung. Spuren dieser Wasserkraftnutzung findet man etwa noch in Burg. Die beiden Weiher an der Luzerner Grenze oberhalb des Dorfes, die heute unter Naturschutz stehen, dienten zwischen 1906 und 1951 der Stromerzeugung. Gebaut hatte die Anlage, das spätere Elektrizitätswerk Burg, der Tabakfabrikant Rudolf Burger-Weber, der die Firma Burger Söhne zusammen mit seinem Bruder in der zweiten Generation führte. Das Maschinenhaus stand an der tiefsten Stelle der Grenze zwischen Menziken und Burg am heutigen Rüteliweg. Das EW Burg produzierte anfänglich für fast alle Gemeinden zwischen Hochdorf und Unterkulm Strom.

Birrwil ist «Stausee-Gemeinde»

Heute noch in Betrieb – als einziges derartiges Kraftwerk im Aargau – ist das Kleinwasserkraftwerk Schwaderhof in Birrwil. Der künstlich angelegte Häfniweiher, die Druckleitung und das Turbinenhaus am Seeufer gehen zurück auf das Jahr 1878, als mechanische Webstühle in der Region aufkamen. Die Energieproduktion liegt heute zwischen 60'000 und 70'000 kWh pro Jahr. Die Energie wird ans Netz abgegeben.

«Mit dem Strom können wir gerade so den Betrieb und den Unterhalt des Kraftwerks finanzieren – und es dadurch erhalten», sagt Roland Schmid, Geschäftsführer der Betreiberfirma «Kleinwasserkraftwerk Birrwil GmbH». Die Idee eines Pumpspeicherwerks auf dem Homberg findet er «fantastisch», aber auch er bezweifelt die Realisierbarkeit. Genauso wie die Idee, das bestehende Birrwiler Kraftwerk zu einem Pumpspeicherwerk umzubauen.

Was passiert jetzt? Der Birrwiler Gemeindeammann lässt die Sache auf sich zukommen. «Es ist gut, wenn sich engagierte Personen bei Prozessen wie der Entwicklung des Regionalen Raumkonzepts einbringen», sagt Härri. Ob dann tatsächlich Standorte für Energieerzeugungsanlagen ins Planwerk aufgenommen werden, wird sich nach der Diskussion am Runden Tisch der Verbandsgemeinden zeigen, der gemäss Information von aargauSüd impuls voraussichtlich im April stattfindet.