Reinach

Standing Ovation war Dank für gelungenes «Schöpfung»-Oratorium

Die Kirchenchöre Reinach und Bremgarten intonieren mit dem Orchester Joseph Haydn.

Die Kirchenchöre Reinach und Bremgarten intonieren mit dem Orchester Joseph Haydn.

Der Kirchenchor Reinach und der «Frauechilechor» Bremgarten wagten sich vereint an die Aufführung eines Meisterwerks. Auf dem Programm stand Joseph Haydns «Die Schöpfung» - ein Prüfstein der Chorliteratur.

Es braucht einigen Mut, mit Amateurchören Joseph Haydns beliebtes Oratorium «Die Schöpfung» einzustudieren und aufzuführen. Enrico Fischer hat es gewagt – und es hat sich gelohnt. Was der Kirchenchor Reinach (zu seinem 110. Geburtstag) und der «Frauechilechor» Bremgarten (zum 125. Geburtstag) boten, war bewundernswert. Die beiden Chöre (sie musizieren seit zwei Jahrzehnten gemeinsam), sorgsam unterstützt durch die Suonatori Stravaganti, meisterten die vielen heiklen Passagen der Partitur nahezu mühelos und begeisterten das Publikum, das die Kirche Reinach bis auf den letzten Platz füllte.

Gemächliche Tempi

Enrico Fischer wählte eher gemächliche Tempi, was Kenner des Werks zunächst etwas irritierte. Im Eingangschor war eine gewisse Nervosität unverkennbar, aber die war dann bald abgelegt und der Chor steigerte sich zu einer souveränen, differenzierten und intonationssicheren Leistung. Einzig der Diktion müsste man künftig etwas mehr Beachtung schenken. Insbesondere die Vokale wirkten auffallend flach und dadurch echt schweizerisch, was mitunter etwas störend wirkte. Insgesamt vermochten die Chöre zu überzeugen, das Publikum war tief beeindruckt!

Feine Orchesterbegleitung

I Suonatori Stravaganti (über die das ansonsten informative Programmheft keine Silbe verlor) waren den Chören und den Solisten ein ausgezeichneter Partner. Haydn hat dem Orchester viel mehr als eine begleitende Rolle zugedacht. Da sind Virtuosität, brillante Soli und Schattierungen aller Art gefragt. Insbesondere in den Rezitativen geht Haydn ganz neue Wege, indem er die Erzählung der Solisten mit abwechslungsreicher Instrumentierung unterstützt. Grossartig übrigens Solo-Klarinette, Solo-Flöte und erstes Horn!

«Neue» Solisten

Pech hatte Enrico mit dem Solistentrio, mussten doch die Sopranistin Andrea Suter und der Tenor Walter Siegel aus gesundheitlichen Gründen absagen. In verdankenswerter Weise sprangen Stephanie Pfeffer und Benoît Haller ein und stellten sich an die Seite von Bass Milan Siljanov. Vor allem die junge, aus Österreich stammende Stephanie Pfeffer, klein, aber mit grandioser Ausstrahlung, unverkennbarer Freude und glockenheller Stimme hauchte dem Gabriel und – im dritten Teil – der Eva berührendes Leben ein. Es lohnt sich, die künstlerische Entwicklung dieser Sopranistin aufmerksam zu verfolgen. Wäre das möglich gewesen, dann hätte Mozart die Rolle der Pamina in seiner «Zauberflöte» ihr gewidmet!

Einige Zuhörende werden wohl leicht geschmunzelt haben, als sie dem ebenfalls ausgezeichnet singenden Adam (Milan Siljanov) versicherte, sein Wille sie ihr Gesetz und ihm zu gehorchen sei ihre Freude! Etwas weniger glücklich gestaltete der Franzose Benoît Haller die Tenor-Partie: sichtlich nervös am Anfang, mit (zu) viel Vibrato, teilweise auch unsicher in der Intonation, vor allem in den Höhen. Erst im dritten Teil zeigte er seine Qualitäten, vor allem im Rezitativ am Anfang, in welchem er die Geschichte des Liebespaars wahrhaft «erzählte».

Eine Standing Ovation des Publikums war der verdiente Dank für einen Abend, den die Zuhörenden nicht so schnell vergessen werden.

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