Schöftland
Stahlberger über Buben, Würmer und Musicalträume

Manuel Stahlberger zelebrierte im Härdöpfuchäuer die alltägliche Melancholie. Er tat dies in Wort und Musik, aber auch zeichnerisch. Der Wortkünstler fühlt sich in Schöftland wie zu Hause.

Peter Weingartner
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Manuel Stahlberger ist Stammgast im Härdöpfuchäuer.wpo

Manuel Stahlberger ist Stammgast im Härdöpfuchäuer.wpo

«Endlich wieder in Schöftland!», sagte Manuel Stahlberger am Freitagabend im Härdöpfuchäuer. Er ist Stammgast hier. Ins Programm «Innerorts» hat er vor allem Lieder verpackt, die er als «unangefochtener Leadsänger» mit Gitarre und Keyboard-Unterstützung vorträgt. Und die Tonart? Der Alltagsblues, beispielsweise in der Trostlosigkeit der kleinen Quartierwelt zwischen Quartier-Lotto und Quartier-Risotto. Wen wunderts, dass sich da Herr Anderegg gesprengt hat?

Nicht nur lustig

Stahlberger schöpft aus kleinen Erlebnissen, Beobachtungen. «Oft sind solche Wahrnehmungen Ausgangspunkt für einen Text», sagte er nach der Aufführung, der aber, nicht zuletzt von den Reimwörtern befördert, «ungeahnte Wege» einschlagen könne.

Neben amüsanten Geschichten wie der Miniatur über die Zahnseide und ihr Behältnis bietet Stahlberger auch Lieder mit Texten, die gar nicht lustig sind. Der «herzige Bueb», von seiner Mutter vergöttert, wird gerade dadurch um sein eigenes Leben gebracht. Die Prägnanz des Textes und die Einfachheit der Musik gemahnen an Mani Matter. «Eines meiner Lieblingslieder», sagt er nach dem Konzert. Und eines, das sich fast selbst geschrieben habe.

Im Gegensatz zu «Leaving Eggersriet», einem Lied über zerbrochene Musicalträume, die statt auf dem Broadway bei Mittelstufenschülern in Grub enden: Da steht die letzte Strophe noch nicht, gibt Stahlberger vor, doch das Räsonieren über den Inhalt dieser Strophe ist spannender, als jede dritte Strophe jemals sein könnte.

Witzige Piktogramme

«Wurmfuetter» illustriert anschaulich das menschliche Schicksal, wenn man sich vorstellt, wie die Würmer strategisch vorgehen: «D Auge sind weich und süess; und am Schluss ässeds d Füess.»

Verschnaufpausen am Laptop

«Innerorts» bietet einen abwechslungsreichen Abend. Als seinen «Spielplatz» bezeichnet Stahlberger die Bühne, und wenn er nicht Gitarre spielt und seine Tonmaschine für Rhythmus und Melodiefragmente bedient, setzt er sich an den Laptop, der zum Gaudi des Publikums schräge Bilderreihen ausspuckt. «Verschnaufpausen», nennt er diese Projektionen. Amüsant, die Geschichte des Ritters Karl oder die nicht ganz jugendfreie Abwandlung eidgenössischer Kantonswappen, die kommentierte Sammlung sanktgallischer Postzettel. Und mit hintersinnig verfremdeten WC-Männchen und Frauchen erntete Stahlberger ebenso viele Lacher wie mit seiner Jesus-Geschichte in Piktogrammen.