Die Spitex hat es nicht leicht dieser Tage; der Kanton stellt zunehmend höhere Anforderungen an ihre Organisationen. Das bedingt oftmals aufwendige Ausbildungen und Restrukturierungen.

Gleichzeitig droht ein wichtiger Geldfluss zu versiegen: Schon vor über einem Jahr hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Krankenkassen keinen Beitrag mehr an das Gebrauchsmaterial der Spitex leisten müssen. Der Spitex Reinach-Leimbach finanzieren vorübergehend die Gemeinden die entstandenen Ausfälle, eine definitive Lösung ist nicht in Sicht. Gleichzeitig arbeitet sie seit mittlerweile zwei Jahren mit der Nachbarsorganisation Spitex Mittleres Wynental zusammen, um Synergien nutzen zu können. Ziel sind eine Professionalisierung und eine schlankere Organisation. Ab dem Jahr 2021 wollen beide als ein gemeinsamer Verein arbeiten.

Vor diesem Hintergrund lud die Spitex Reinach-Leimbach am Mittwoch zur Generalversammlung ins Kirchgemeindehaus in Reinach. Vor allem die Fusionspläne geben zu reden, die Spitex informierte an der Versammlung über den aktuellen Stand der Dinge. Deshalb kamen gut hundert Personen, darunter 72 Stimmberechtigte. Denn obwohl die Fusion auf gutem Weg scheint: Es gibt auch Zweifel. Ein Teilnehmer meldete sich zu Wort: «Für mich ist jetzt schon klar, dass die Fusion dazu führen wird, dass die Spitex in Zukunft von Kulm aus gelenkt und der Standort Reinach zu einem Satellit wird», sagte er. Mit dieser Befürchtung war er nicht allein, davon zeugte viel Applaus unter den Teilnehmern der Generalversammlung.

Ein oder zwei Standorte?

Könnte irgendwann ein Punkt erreicht sein, an dem entschieden wird, dass es mehr Sinn macht, eine gemeinsame Zentrale zu haben? Dass einer der beiden Standorte seine Kompetenzen zugunsten des anderen aufgeben muss? Präsidentin Therese Gautschi trat diesen Einwänden entschieden entgegen, sagte aber auch: «Davon ist nichts an den Haaren herbeigezogen, diese Diskussion haben wir auch geführt.» Man könne schlicht nicht voraussagen, welche Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen in zehn Jahren herrschen würden. Weiter seien die Türen auch für weitere SpitexOrganisationen in der Region offen. All das könnte für Veränderungen in der aktuell vorgesehenen Organisation führen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt sei klar festgelegt, dass beide Standorte bestehen bleiben. Die Zuständigkeiten werden auf beide verteilt. So führt schon heute die Spitex Reinach-Leimbach die Buchhaltung für beide Vereine. Und die Spitex Mittleres Wynental führt eine gemeinsame Personalabteilung.

«Das erleichtert die Arbeit auf beiden Seiten enorm und sorgt dafür, dass diese Bereiche professioneller geführt werden können», so Gautschi. Weiter lege man viel wert darauf, dass Unterstützung erhielt sie von einem weiteren Redner: «Einen Standort auflösen wird man nicht können, denn das führt zu längeren Fahrtwegen und die kosten Geld.» Er frage sich vielmehr, was die übrigen Spitex-Organisationen vorhaben. Mit den Organisationen Spitex Beinwil am See-Birrwil und Spitex Menziken gäbe es mindestens zwei weitere Kandidaten für eine Zusammenarbeit. Diese waren gemäss Gautschi auch Teil der Arbeitsgruppe für die Ausarbeitung der Fusionspläne, hätten sich aber gegen einen Beitritt entschieden.

Abstimmung in einem Jahr

Sicher ist: Mittleres Wynental und Reinach-Leimbach sollen an ihren Generalversammlungen im Frühling 2020 über die Fusion abstimmen. Die Vorstände und Gemeinden haben dem Unternehmen bereits ihre Unterstützung zugesichert. Kommt es zum Zusammenschluss, gehen die Organisationen am 1. Januar 2021 im Verein Spitex Wyna auf. Vorgesehen sind ein gemeinsamer Vorstand und eine übergeordnete Geschäftsführung. Beide Standorte werden weiter eine eigene Geschäftsleitung haben. Getrennt bleibt die Einsatzorganisation, damit die Betreuung weiterhin aus der Nähe kommt. In Einzelfällen kommt es auch hier zur Zusammenarbeit: Seit kurzem betreuen die beiden Vereine einen ersten Kunden gemeinsam. «Das ist anspruchsvoll, ist aber sehr gut angelaufen», schloss Therese Gautschi. Kommt die Fusion zustande, entsteht ein Verein, der in sieben Gemeinden im Wynental tätig sein wird: Teufenthal, Unterkulm, Oberkulm, Gontenschwil, Zetzwil, Reinach und Leimbach. Noch weiter gegangen ist die Spitex Suhrental Plus. Sie betreut 16 Gemeinden im Suhren-, Uerken- und Ruedertal.