In den 12 AargauSüd-Gemeinden leben heute 29 000 Menschen. Mit dem Pflegegesetz verpflichtet der Kanton die Gemeinden, für eine ambulante und stationäre Langzeitpflege zu sorgen. «Bedarfsgerecht und qualitativ gut» müsse sie sein.

Der Gemeindeverband aargauSüd impuls hat seine Kommission Altersfragen auf Initiative der Gemeinden beauftragt, die regionale Vernetzung im stationären und ambulanten Bereich zu prüfen und umzusetzen. So sind die vier Spitex-Organisationen in den Fokus geraten.

Menschen, die der Pflege und Unterstützung zu Hause bedürfen, werden von Angestellten der Spitex betreut. Anders als im Suhrental, wo sich seit dem 1. Januar 2013 17 Gemeinden der neuen Spitex Suhrental Plus angeschlossen haben, sind die Dienste im Wynental kleinräumiger organisiert. Es gibt in Menziken und Burg, dann in Reinach und Leimbach sowie in Beinwil am See und Birrwil je eine Spitexorganisation. Nur im mittleren Wynental ist man gemeinsam unterwegs.

Fünf Gemeinden, eine Spitex

Seit Januar 2007 ist die Spitex Mittleres Wynental für Teufenthal, Unterkulm, Oberkulm, Gontenschwil und Zetzwil tätig. Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden und damit Kosten einzusparen, erledigt das Alterszentrum Mittleres Wynental seit Januar 2009 die Geschäftsführung und die Administration für die Spitex.

AargauSüd impuls hat mit einer Umfrage bei den Gemeinden eruiert, ob sie im Bereich der ambulanten Pflege Handlungsbedarf sähen. Zusätzlich wurde von Jakob Faes, Oberkulm, die «Vision Spitex» den Gemeinden als «zukunftsorientierte und kostengünstigere Lösung» vorgestellt.

Jakob Faes ist Geschäftsführer des Alterszentrums Mittleres Wynental in Oberkulm. Parallel führt er die Geschäfte der Spitex Mittleres Wynental.

«Wir vom Alterszentrum arbeiten eng mit den Fachfrauen der Spitex zusammen», sagt Faes. Das Alterszentrum sei zu zwei Dritteln mit Pensionären belegt, die schon vor dem Eintritt Pflege beanspruchten.

Durch die enge Zusammenarbeit von Heim und Spitex würden viele Informationen von einer zur anderen Organisation weitergereicht. «Die Spitex ist quasi mein Aussendienst», sagt Faes. Im Alterszentrum Oberkulm haben die Spitex-Mitarbeiterinnen ihren Stützpunkt. Ob im Altersheim oder bei Spitex arbeiten, man kennt sich.

Sparen nur im Büro

Was aber Faes zur Ausarbeitung der «Vision Spitex» führte, liegt im administrativen Bereich. «Wenn bei der Spitex gespart werden soll, ist dies nur in der Administration und in der Organisation möglich», ist Faes überzeugt. Die Pflegeleistungen seien definiert, «an der Front, bei den Kunden, kann man nichts einsparen».

Wenn jedoch wie in Oberkulm die Buchhaltung des Alterszentrums zusätzlich die Löhne der Spitex abrechne, sei der Aufwand kleiner, als wenn jede Organisation für sich das ganze Reporting und die Verwaltung führe. Ab 1. Januar 2014 wird in Oberkulm die Spitex als Abteilung des Alterszentrums geführt. «Dies spart Kosten», sagt Faes.

Zusätzlich sei im Verbund die Ausbildungsverpflichtung des Kantons einfacher zu erfüllen. Die FaGe-Lernenden (Fachangestellte Gesundheit) werden in Oberkulm gemeinsam ausgebildet. «So lernen sie beides, den Heim- und den Spitex-Alltag kennen». Mit seiner Vision Spitex schlägt Jakob Faes den Zusammenschluss der vier Spitex-Organisationen im Wynental vor. Einen Verwaltungsstandort für alle und weiterhin dezentralisierte Spitex-Stützpunkte werden erwähnt. Das Wynental wäre als geografische Einheit durchaus geeignet», sagt Faes.

Fachkompetenz des Spitals nutzen

Bei der Ausbildung wäre zusätzlich ein Lehrverbund mit dem Asana-Spital Menziken zu prüfen. Therese Gautschi, Pflegedienstleiterin des Spitals bestätigt, dass einige ihrer hausinternen Weiterbildungsangebote schon heute für die Spitex-Fachfrauen offen seien. Der Austausch in der Ausbildung finde bereits statt. «Auch Heime können Lernende zu uns in Praktika schicken.»

Konkret ist heute im Wynental noch kein Spitex-Fusionsprojekt unterwegs. Pia Müller, Präsidentin der Spitex Reinach-Leimbach, sagt denn auch, ihre Spitex habe keinen Handlungsbedarf angemeldet. «Aber wir sind offen für eine gute Zusammenarbeit und für bessere Lösungen.» Die Aufträge nähmen stetig zu, da müsse man sich anpassen. «Wichtig ist mir, dass die Diskussion immer gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen geführt wird, die Basis muss einbezogen werden.» Nicht ausser Acht lassen dürfe man die Vernetzung vor Ort, hier sei die grosse Fachkompetenz in nächster Nähe.

Beinwil am See hält Status quo

Annette Heuberger, Gemeindeammann von Menziken sagt, wenn sie an die kantonalen Forderungen, an die Ausbildungsverpflichtung denke, «dann können wir uns Veränderungen und einem Zusammengehen sicher nicht verschliessen.» Auch Heuberger erwähnt das Regionalspital, «da sind Kompetenzen vorhanden, die wir für die Spitex unbedingt nutzen sollten, zum Beispiel die Wundsprechstunde».

Angelika Hunziker, Leiterin der Spitex Beinwil am See/Birrwil mit einem Team von acht Mitarbeiterinnen, sagt dezidiert: «Wir wollen keine Veränderung, auch administrativ nicht.» Beinwil verfüge seit Januar über die neueste Software für die Administrativarbeit und habe den 24-Stundendienst bereits aufgegleist. «Bei der Ausbildungsverpflichtung sind wir am Planen und hoffen, eine gute Lösung zu finden.» Zudem habe Beinwil/Birrwil in einem Audit vor zwei Jahren hervorragend abgeschlossen. «Wir sehen mit einer grossen Spitex nur Nachteile für unsere Kunden und für das Team», sagt Hunziker.