Donnerstagabend, Kölliken. «Gearbeitet wird im Keller», sagt Heinz Mathys und zeigt zur Treppe. Ein Hahn kräht, Hühner gackern. Seit dem Vollbad vor ein paar Tagen sind Boxen im Keller das temporäre Zuhause der Tiere. Nun steht der letzte Schliff bevor.

Der 52-Jährige züchtet seit 42 Jahren Holländische Haubenhühner. Er ist Präsident des Schweizerischen Seiden- und Haubenhühner-Züchterklubs. «Ich bin durch meinen Vater dazugekommen.» Heinz Mathys besitzt 88 Hühner. Neun von ihnen, drei Güggel und sechs Hennen, stellt er am Wochenende in Oberkulm an der kantonalen Geflügelschau des Aargauischen Kleintierzüchter-Verbands aus. Zusätzlich die drei Zwergenten seiner Tochter.

«Wir beginnen mit den Enten», sagt Heinz Mathys, verschwindet im Garten und kommt mit einer Ente unter dem Arm zurück. Er mustert die Federn: «Etwas gelb. Mit der muss ich unter den Wasserhahn.»

Das weisse Tier schnattert. «Jetzt reklamiert sie. Zwergenten reklamieren immer. Und sie sind laut. Deshalb sind sie nicht besonders beliebt, vor allem wenn man Nachbarn hat.» Heinz Mathys wohnt ganz am Ende der Strasse. Er dreht das Wasser an, hält die Ente unter den Strahl und setzt sie nach einem letzten Kontrollblick in die Transportbox mit Stroh.

Geheimes Mittel sorgt für Glanz

Die Hühner herauszuputzen, ist aufwendiger. Ein Tier nach dem anderen holt Heinz Mathys aus dem provisorischen Stall im Keller. Er klemmt die Hennen und Güggel unter den Arm, während er das Malerband löst, das er ihnen um den Kopf gebunden hat. Mit dem Klebeband hat er die weisse Federhaube, die der Rasse ihren Namen gibt, nach dem Bad festgeklebt, damit die Federn nicht dreckig werden. Die Hühner lassen das Prozedere über sich ergehen. Flattern, wenn er sie mal nicht fest im Griff hat.

Mit einer Nagelfeile schleift Heinz Mathys ihre Schnäbel, bevor er sie kopfüber unter den Arm klemmt, damit er die Füsse inspizieren kann. «Den Richtern ist es egal, ob die Füsse sauber sind, aber ich bin da pingelig.» Er kürzt die Krallen mit einer Nagelschere.

Einem Hahn wäscht er die Füsse mit Wasser. «Jetzt kommt mein Geheimmittel für einen schönen Glanz», sagt Heinz Mathys und schraubt ein braunes Glasfläschchen auf. Mit einer Pipette tröpfelt er Öl auf die Hühnerfüsse, reibt es ein. Jetzt noch das Gesicht. Er massiert die roten Kehllappen der Güggel, bis sie glänzen. Bevor er die Hühner in der Transportbox verstaut, besprüht er sie mit einer Ladung Insektenspray. «Jedes Huhn hat ‹Chäberli›», sagt er. Finden Richter an einer Geflügelschau Nissen oder Ungeziefer, wird das Tier disqualifiziert und muss nach Hause. Deshalb sprüht Heinz Mathys gründlich.

Mit dem Auto geht es noch am Donnerstagabend nach Oberkulm. Sohn Dylan hilft mit. Er füllt Körner und Wasser in die Näpfe. Der Lärmpegel im Zelt ist hoch. Über 100 Hühner und Enten schnattern, krähen und gackern.

Schlaffe Kehllappen

Freitagmorgen, Oberkulm. Drei Richter sind im Zelt bei der Neudorfturnhalle bereits an der Arbeit. Christian Lengacher hält ein Seidenhuhn auf dem Arm. Er diktiert Sandra Lanz, was ihm gefällt und was nicht. Bei den Vorzügen heisst es dann etwa: «Seidenfiedrigkeit, Brustfülle.» Bei den Wünschen: «Kehllappen straffer, Bart ausgereifter.» Am Schluss erhält jedes Tier Punkte, maximal sind 97 Punkte möglich.

Nebenan bewertet Edith Tischhauser die Enten. «Du, eine ist etwas dick», sagt sie zu Christian Lengacher. «Wie soll ich das formulieren?» – «Schreib doch bei den Wünschen: ‹Grösse eleganter›».

Bevor die Ausstellung am Samstag für Besucher öffnet, haben die Richter noch einiges zu tun. Miss und Mister Argovia unter den Hühnern werden am Samstag um 19.30 Uhr gekürt.

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