Menziken
Sonnenkollektoren und Beratung im Alu-Geschäft stehen an

Die Stärken von Roland Gloor sind Alutechnik, Prozesstechnik und Marketing. Der ehemalige CEO der Alu Menziken, will mit zwei eigenen Firmen durchstarten: Beratung in der Aluminium Branche und die Entwicklung von Solaranlagen stehen im Mittelpunkt.

Peter Siegrist
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Roland Gloor mit einem Alu-Kollektorprofil in den Händen.

Roland Gloor mit einem Alu-Kollektorprofil in den Händen.

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Aluminium gehört zum Berufsleben von Roland Gloor. Der Maschinen- und Betriebsingenieur FH hat über 30 Jahre mit und für Aluminium gearbeitet. Von 2008 bis 2013 leitete er als CEO die Alu Menziken Extrusion AG in Reinach. Genau bis zum dem Tag, wo es wegen sachlicher Meinungsverschiedenheiten mit dem Eigner der Montana Tech Components zum Bruch kam. Der Österreicher Michael Tojner ordnete die Entlassung seines Schweizer CEO an. «Das war keine einfache Situation», bemerkt der Betroffene heute.

Gloor hatte in den 1990er-Jahren 11 Jahre als Geschäftsbereichsleiter für die Alu Menziken gearbeitet und war ein Jahrzehnt später, im Jahr 2008, zurückgekehrt, um als CEO die Firma zu führen. Die Firma war inzwischen in österreichischen Besitz übergegangen (Montana).

Roland Gloor und die Auswirkungen der Finanzkrise trafen gleichzeitig in Menziken ein. «Als ich als CEO anfing, lag der Eurokurs bei 1.67 Franken und sank dann stetig.» Für die exportorientierte Firma sei es immer schwieriger geworden. Fünf Jahre hat Gloor für die Firma und die Belegschaft gekämpft. Wenn man als CEO in eine Grossfirma einsteige, trage man das Risiko einer plötzlichen Entlassung immer bei sich, sagt Gloor. Europäische CEO blieben im Schnitt 3,5 Jahre.

Gloor wagt den Vergleich zum Fussball und sagt: «Weil man die Mannschaft nicht einfach entlassen kann, wechselt man halt den Trainer aus.» So geschah es auch bei der Alu Menziken. Mit Gerhard Anger übernahm ein Österreicher, welcher notabene die Alu Menziken per Ende März 2014 bereits wieder verlassen hat.

Mit 60 zwei Firmen gegründet

Jetzt, nach einem Jahr, hat sich Roland Gloor neu orientiert. Inzwischen 60 Jahre alt geworden, wollte er etwas Neues, etwas Eigenes beginnen. Er hat gleich zwei Firmen gegründet. Mit der Alulean GmbH bietet Gloor Beratung, Projektleitung und Coaching an. Dies speziell für Firmen, die in der Alu-Branche tätig sind. Dabei kann er auf seine 30 Jahre Erfahrung in Alutechnik, Prozesstechnik und Marketing zurückgreifen. «Und über das notwendige Netzwerk verfüge ich auch.» Als Berater sei er unabhängig von Lieferanten und Produzenten, «das ist wichtig». In der Praxis ist es möglich, dass Gloor von einer Firma zur Optimierung von Herstellungsprozessen, zur Organisation des Produkteverkaufs oder zum Zusammenbringen von Firmen beigezogen wird.

Gloors Arbeitsplatz ist im 6. Stock des ehemaligen Alu-Hochhauses in Menziken. Das Gebäude wird komplett saniert, und die ersten Firmen sind bereits in die neuen Räume eingezogen (die az berichtete). «Gearbeitet habe ich früher selber nie im Aluhochhaus», sagt Gloor. Aber er habe als Alu-CEO 2009 das Hochhaus mit anderen Firmenliegenschaften zusammen verkauft. Ironie des Schicksals, jetzt mietet er sich hier ein.

«Dass der Menziker Unternehmer Kurt Weber den Turm gekauft hat, ist eine gute Lösung», sagt Gloor. Weber sei innovativ, habe Ideen und setze sie auch um. Die Chance bestand, dass Menziken sonst um eine Industriebrache reicher geworden wäre. Kurt Weber habe dies verhindert mit seinem Projekt des Datacenters und des sanierten Geschäftshauses.

Die zweite Geschäftsidee, die Roland Gloor verfolgt, ist leicht zu verstehen, wenn man in seinem sonnendurchfluteten Büro steht. Mit der «Alusolt Gloor» operiert der Ingenieur im Gebiet der Solarenergie. Die Firma hat den Zweck, Energieanlagen zur entwickeln. Gegenwärtig ist er daran, einen neuen Typ thermischer Sonnenkollektoren zu schaffen. Die Basis sind an der Oberfläche schwarz eloxierte Aluprofile, durch welche der Energieträger fliesst. Das Besondere ist, dass diese Konstruktion auf der Oberfläche keine Glasscheibe braucht.

Mit diesen Kollektoren wird man nebst der Warmwasserproduktion vermehrt die Heizungen unterstützen. «Im Gegensatz zu elektrischer Energie ist die Wärme einfacher zu speichern», erklärt Gloor. Gegenwärtig werden Prototypen getestet und optimiert, «wir wollen eine Effizienz von über 80 Prozent erreichen, bevor wir in die Produktion gehen.»

Allein zu arbeiten, gefällt Gloor. CEO und Betriebsleiter sei er jahrelang gewesen, das habe er jetzt nicht mehr gesucht. Beides, seine Erfahrungen an andere weiterreichen und ein neues, technisches Produkt zu entwickeln, das reizt den Ingenieur. Und dies alles im 6. Stock mit offenem Blick aufs Wynental. Da ist sicher, dass es an Weitsicht nie fehlt.

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