Reinach
Sohn setzt das Lebenswerk des verstorbenen Vaters fort

Als die schwere Krankheit dem Vater verunmöglichte, den Laden selber zu führen, sprang David Casillo für ihn ein. Nun führt der Sohn die Schuhmacherei seines Vaters nach dessen Tod weiter.

Manuel Bühlmann
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David Casillo arbeitet in der Schuhmacherei in Reinach an den selben Maschinen, die sein Vater vor 25 Jahren angeschafft hat. Mbü

David Casillo arbeitet in der Schuhmacherei in Reinach an den selben Maschinen, die sein Vater vor 25 Jahren angeschafft hat. Mbü

Der Tiger wacht hoch oben auf dem Regal über das Geschehen im Reinacher Schuhmachergeschäft Casillo. Das riesige Plüschtier stammt wie die Pflanzen, die in die Jahre gekommenen roten Maschinen und das Ferrari-Symbol an der Wand aus der Zeit, als David Casillos Vater Michele die Schuhmacherei führte. «Der Laden hatte für meinen Vater einen sehr hohen Stellenwert», sagt David Casillo. Gerade auch deshalb hat er sich dazu entschieden, den Betrieb nach dessen Tod vor vier Monaten weiterzuführen. «Ich wollte sein Lebenswerk nicht einfach so aufgeben.»

Ungeplant zum eigenen Geschäft

Nun ist David Casillo mit gerade mal 27 Jahren Besitzer eines eigenen Geschäfts. Geplant war das nicht. Er hätte früher nie daran gedacht, Schuhmacher zu werden, sagt David Casillo. Als Kind wollte er Polizist werden, gelernt hat er schliesslich Sanitär. Mitgeholfen im Familienbetrieb, den sein Vater vor 25 Jahren gegründet hatte, hat er dennoch immer. Schon früh bediente er die Kasse, später dann konnte er dem Vater auch bei handwerklichen Arbeiten oder am Computer zur Hand gehen.

Zusätzlich zu seinem Job als Gipser stand er jeweils donnerstags und samstags im Laden, um das Geschäft aufrechterhalten zu können.

Sein Vater hat ihn ins Handwerk des Schuhmachers eingeführt. Von ihm hat der Quereinsteiger viel gelernt. Der Vater ist denn auch berufliches Vorbild und Messlatte zugleich. «Ich brauche noch Jahre bis ich soweit bin wie er», sagt Casillo. Umso mehr freuen ihn Komplimente von Stammkunden: «Du machst das bereits so gut wie dein Vater», habe er auch schon zu hören bekommen.

Kaffee und ein offenes Ohr

Sowieso geht es mit den teilweise langjährigen Kunden familiär zu und her. Wer seine Schuhe zum Reparieren bringt, nimmt schon mal für einen Kaffee und ein Gespräch auf einem der beiden Barhocker beim Verkaufstresen Platz. Als Schuhmacher ist von Zeit zu Zeit ein offenes Ohr für die Sorgen der Kundschaft gefragt. «Einige berichten von ihren Erlebnissen, andere erzählen Geschichten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges», sagt Casillo.

Eine kleine Italien-Fahne neben den Maschinen, die ihren Dienst seit 26 Jahren zuverlässig tun, zeugt vom Herkunftsland des Vaters. Mit der italienischen Sprache ist der Sohn einer Schweizerin und eines Italieners allerdings nicht mehr allzu vertraut. Hin und wieder komme es vor, dass Kunden mit ihm italienisch sprechen wollten. «Ich verstehe es zwar, aber selber reden fällt mir eher schwer», sagt Casillo. Einmal habe gar ein Kunde gemeint, es sei vielleicht doch besser, sich auf Deutsch zu unterhalten, erzählt er schmunzelnd.

Ungewisse Zukunft

Doch nicht nur der Kundenkontakt, sondern auch die Arbeit mit den Schuhen mag David Casillo. Der Beruf des Schuhmachers gefällt ihm gut – auch wenn er sich bewusst ist, dass die Zukunft dieses Gewerbes ungewiss ist. «Ich mache mir schon ein wenig Sorgen, wie es weitergeht», sagt Casillo. Er hoffe aber, dass künftig wieder mehr Geld für Schuhe und deren Reparaturen ausgegeben werde. Für den Fall, dass seine Hoffnungen unerfüllt bleiben sollten, plant er, den Schlüsselservice – das zweite Standbein – weiterauszubauen.

Zurzeit führt David Casillo die Schuhmacherei als Ein-Mann-Betrieb. Unterstützung erhält er von seiner Freundin und der zweiten Frau seines verstorbenen Vaters, die im Büro und an der Kasse mithelfen. Arbeit fällt auch so genügend an: Die Sommerferien sind gestrichen, für Hobbys bleibt kaum Zeit und auch am Wochenende gibt es viel zu tun. Dennoch ist er von seinem Entscheid überzeugt. Schliesslich gilt es, die Reinacher Schuhmacher Tradition und somit auch das Lebenswerk des Vaters weiterzuführen.

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