Goldener Herbst, blauer Himmel, Sonnenschein. Die Leute freuts – die meisten jedenfalls. Brunnenmeister Roger Soland wünscht sich Regen. Nicht viel auf einmal, sondern lang anhaltend. Und einen schneereichen Winter mit viel Schmelzwasser. Nur so können sich die Quellen wieder erholen. Es herrscht Trockenheit. Der Grundwasserspiegel ist tief. Aus manch einer Quelle kommt nur noch ein Rinnsal.

An der Reinacher Quellgruppe Rigiblick auf der Nordostseite des Stierenbergs zeigt sich die Trockenheit besonders deutlich. Sie führt so wenig Wasser wie noch nie. Im Durchschnitt fliessen hier 170 Liter pro Minute zusammen. Roger Soland blickt auf den Zähler. Heute sind es nur 75 Liter. Sogar im Hitzesommer 2003 waren es nie weniger als 85 Liter. Ein Negativrekord. Der Brunnenmeister ist besorgt. So etwas hat er noch nie erlebt – in all den Jahren, in denen er bei der Wasserversorgung tätig ist, und das sind schon fast 30.

«Die Leute merken davon nichts», sagt Roger Soland, der als Werkleiter Wasser bei der EWS-Energie AG unter anderem für die 148 Quellen der Gemeinden Reinach, Menziken, Burg und Beinwil am See zuständig ist. «Das Wasser kommt wie immer zum Hahn raus.» Aber es sei anders zusammengesetzt. Zwar variiere dies von Gemeinde zu Gemeinde, aber der Anteil an gepumptem Grundwasser sei grösser als sonst. Der Anteil Quellwasser liege rund 40 Prozent unter dem Durchschnitt. Eine Wasserknappheit gibt es deswegen noch nicht. Aber auch der Grundwasserspiegel sei in den vergangenen Jahren gesunken. «Wenn es so weiter geht, könnte es schon noch so weit kommen», sagt Soland.

«Nur ein bisschen Regen reicht nicht»

Es fehlt also an Regen? «Nicht nur», sagt der Fachmann. Die Zusammenhänge seien vielfältig. «Das grösste Problem in den letzten Jahren sind die tiefe Gesamtniederschlagsmenge und der fehlende Schnee.» Es spiele aber auch eine Rolle, wann und wie viel auf einmal es regne. So würde etwa ein Baum in einem Wald während der Vegetationsperiode um die 150 bis 200 Liter Wasser pro Tag aufnehmen. Regne es zu viel oder sei der Boden gefroren, könne das Wasser nicht eindringen und fliesse oberflächlich weg. Auch reiche es nicht, wenn nur ein paar Tröpfli vom Himmel kämen. «Der Boden ist wie ein Schwamm, da dauerts ein bisschen, bis es unten raustropft.» Und nicht zuletzt sei es auch eine Qualitätsfrage. Sei der Boden trocken und rissig, könne er seine Filterfunktion nicht mehr richtig wahrnehmen.

Heuer sind bis jetzt im Oberwynental 854 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. Der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei rund 1060 Litern. «Ich glaube nicht, dass wir in zwei Monaten noch 200 Liter aufholen», so Soland. 2017 wird als weiteres Jahr mit einer sogenannten Jahrestrockenheit in die Bücher eingehen. 2015 war das Letzte, damals fielen 803 l/m2. Im Hitzesommerjahr 2003 warens 750 l/m2. Die Jahre mit wenig Niederschlag, aber auch mit wenig Schnee häufen sich. «Der Grundwasserspiegel hat sich in den letzten 20 Jahren kaum erholt», Soland zeigt eine Grafik mit abfallender Zickzacklinie und runzelt die Stirn. «Da muss es schon viel regnen, bis sich das wieder regeneriert.» Er blickt auf und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Ich wünsche mir einen regnerischen Dezember, weisse Weihnachten mit 30 bis 40 Zentimetern Schnee und sauberen Strassen und Trottoirs, nicht zu viel Frost und einen Frühling mit schön durchtränkten Böden.»