Reitnau

So macht Frau Gemeindeammann aus Äpfeln Most

Regina Lehmann-Wälchli, SVP-Grossrätin und Gemeindeammann von Reitnau, hat ein ungewöhnliches Hobby: Sie betreibt eine Kundenmosterei – zum Ausgleich. Derzeit mostet sie mehrmals pro Woche.

Die Wespen sind schon da. Angelockt durch die Schwaden fruchtig-süssen Duftes, die durch die Werkhalle ziehen. Regina Lehmann-Wälchli, SVP-Grossrätin und Gemeindeammann von Reitnau, betreibt hier, im untersten Geschoss ihres Hauses, eine Kundenmosterei – als Hobby. Es sei ein Ausgleich zu ihrer Tätigkeit als Buchhalterin diverser KMU, sagt die zierliche Politikerin.

Heute erwartet sie für 8 Uhr die nächste Apfellieferung. Die moderne Bandpresse ist betriebsbereit. «Aufgebaut hat die Mosterei mein Schwiegervater», erzählt sie. «Ich habe ihm jeweils geholfen, weil wir früher noch eine Packpresse hatten. Die kann man nur zu zweit bedienen.»

Als ihr Schwiegervater 1989 starb, führte Lehmann die Mosterei weiter. Jeweils ab Ende August melden sich die Kunden – hauptsächlich treue Stammkunden aus einem grossen Einzugsgebiet – für einen Most-Termin an.

Eine gute Tonne Äpfel

Soeben ist Familie Wicki aus Winikon mit dem Traktor vorgefahren, der Anhänger beladen mit Harassen voller Äpfel. «Ein Drei-Generationen-Ausflug», sagt Vater Stephan Wicki lachend.

Zusammen mit seinen Söhnen Elias und Noel sowie deren Grossvater Josef lädt er Harass um Harass ab. Der Inhalt wandert in einen Trichter, durch das Fallrohr einen Stock tiefer zur Waschanlage und dann in die Presse.

Wie viele Kilo Äpfel sie haben, müssen Wickis erst ausrechnen. «36 Harasse mit je etwa 30 Kilo – was macht das?» fragt Stephan Wicki seine Jungs. Rund eine Tonne!

Kundenmosterei von Gemeindeammann Regina Lehmann Wälchli in Reitnau.

Kundenmosterei von Gemeindeammann Regina Lehmann Wälchli in Reitnau.

Regina Lehmann-Wälchli, SVP-Grossrätin und Gemeindeammann von Reitnau, betreibt hier, im untersten Geschoss ihres Hauses, eine Kundenmosterei – als Hobby zum Ausgleich zu ihrer Tätigkeit als Buchhalter diverser KMUs.

Es sind ganz verschiedene Apfelsorten, das sieht man auf den ersten Blick. «Boskoop, Arlette, Glockenäpfel – alle bio», zählt Stephan Wicki auf. «Wir haben eine alte Niederstammobstanlage und ein paar Hochstammbäume.

Einige Äpfel lagern wir auch ein, aber nur für den Eigengebrauch – wenn man sie verkaufen wollte, müsste man eine Intensivanlage betreiben, sonst sind sie zu schorfig.»

Auch Birnen konnte Familie Wicki ernten. Sie waren schon früher reif als die Äpfel, deshalb wurden sie separat verarbeitet. Laut Regina Lehmann gibt es aber auch Kunden, die ihren Saft aus einer Apfel-Birnen-Mischung pressen lassen. «Für mich selber kommt aber nur reiner Apfelsaft infrage», sagt sie. «Die Birnen schmecken mir zu dominant.»

Lieber klar oder naturtrüb?

Während Familie Wicki oben Äpfel in den Trichter schüttet, rumpelt unten in der Werkstatt schon die Maschine. Was genau darin passiert, sieht der Betrachter nicht auf den ersten Blick. Dafür die Endprodukte: Das Fruchtfleisch, die Schale und das Kerngehäuse kommen als Trester hinten aus der Maschine. Daraus wird später Viehfutter. Aus einem Schlauch schiesst in gleichmässigem Strahl der Most in eine Wanne.

Lehmann leitet einen Teil davon in ein grosses blaues Fass. Dann giesst sie eine Mischung aus Gelatine und Ultrazym hinein und weist Josef Wicki an, gut umzurühren. «Damit wird der Most geklärt», sagt dieser. «Das Fass muss sieben Stunden stehen bleiben, damit sich die Schwebstoffe vom Most trennen und abgeschieden werden können – der verbliebene Most ist dann ganz klar.»

Dieses Fass nimmt Familie Wicki gleich mit. Den Grossteil des Mosts – immerhin um die 600 Liter – bleibt aber noch bei Regina Lehmann. Sie presst nicht nur, sie pasteurisiert den Saft auf Wunsch auch. «Dazu leite ich den Most durch einen Boiler und erhitze ihn. Nicht zu heiss, 85 Grad reichen.»

Später füllt sie den pasteurisierten Most ab, je nach Kunde in Flaschen oder Bag-in-Boxen verschiedener Grösse. Das Spezielle an Regina Lehmanns Mosterei ist, dass sie auf jeden Kundenwunsch individuell eingeht. Mühsam sei das nicht, beteuert sie.

Derzeit mostet Lehmann mehrmals pro Woche, weil gerade viele Kundenaufträge anfallen. «Ich versuche, sie etwas zusammenzulegen», sagt sie. «Das Reinigen der Maschine dauert eine Stunde, nur für einen Kunden lohnt sich das kaum.»

Noch kann Lehmann nicht sagen, ob die Ernte 2015 gut ausfällt. Die Dürre hat auch den Apfel- und Birnbäumen zugesetzt. «Ein Rekordjahr wird es sicher nicht – aber bis jetzt sieht es gar nicht so schlecht aus.»

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