Prozess
Skrupellosem Kirchendieb waren nicht mal Trauerkarten heilig

An einem Trauergottesdienst plünderte ein 48-jähriger Schweizer 50 Kondolenzkarten. Ausserdem brach er in Pfarr- und Kirchgemeindehäuser ein. Nun stand er vor dem Bezirksgericht Kulm.

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Ein 48-jähriger Schweizer hat es auf Kirchen abgesehen. Mal brach er in ein Pfarrhaus ein, mal in ein Kirchgemeindehaus. Mal stahl er Bargeld, mal einen Laptop. Und während einer Abdankung plünderte er sogar 50 Kondolenzkarten, die insgesamt 960 Franken enthielten. In sieben Einbrüchen und drei Diebstählen ergaunerte der 48-Jährige rund 4500 Franken – und zwei Kerzen. Am Dienstag wurde er am Bezirksgericht Kulm zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt, trotz verminderter Schuldfähigkeit.

Klar, auf den ersten Blick scheine das Verhalten seines Klienten verwerflich, sagte der Verteidiger an der Verhandlung. Doch die «verminderte Intelligenz» habe ihn zu Einbrüchen in Kirchen gezwungen. «Zu grösseren Delikten wäre er wohl nicht fähig gewesen.»

Warum Kirchen, wollte der Gerichtspräsident vom Täter wissen. «Weiss nicht. Es hatte immer bisschen Geld dort», antwortete dieser. Dann sei es also ein Zufall gewesen, hakte der Richter nach. «Ja, so gesehen schon.»

Zufall war es freilich nicht. Zu gut wusste der Täter um die Hilfsbereitschaft der Kirche, vor allem bei Randständigen. Erst klopfte er bei Pfarrhäusern und Kirchgemeinden an, bat um eine Spende. Und blieben die Türen verschlossen, verschaffte er sich eigenmächtig Zutritt. Mit dem erbeuteten Geld besserte er sich die IV-Rente auf. Meistens brauchte er es für Alkohol. Die gestohlenen Kerzen wollte er als «Liechtli» brauchen und mit dem Laptop wollte er spielen. Weil dies jedoch nicht funktionierte, versteckte er den Computer in seinem Schrank. Der notorische Dieb wohnte bis zur vorgezogenen Gefängnisstrafe, die er letzten Sommer antrat, in einem Wohnheim. Seit 1988 bessert er seinen Lebensunterhalt durch Diebstähle auf. Zwölf Vorstrafen besitzt er bereits.

«Schade, dass nichts drin war»

Ob ihm sein Fehlverhalten überhaupt bewusst ist, bleibt unklar. Einerseits schrieb er Briefe an seine Opfer: Es tue ihm Leid, so einen Seich gemacht zu haben. Andererseits scheint ihn die Verhandlung kaum zu interessieren. Alle paar Minuten kippt er seinen Kopf nach hinten und starrt zur Decke – oder er fächert sich Luft zu mit der Anklageschrift. Und dann macht er Aussagen zu seinem Nachteil: In der Sakristei einer Kirche fand er einen Tresorschlüssel, aber kein Geld im Tresor. «Schade, dass nichts drin war. Sonst hätte ich es mitgenommen.»

Auch bei seinem letzten Einbruch im Wynental verhielt er sich ungeschickt. Erst klingelte er nachmittags bei einer Pfarrerin. Als sie nicht da war, schlug er das Fenster ein – und verletzte sich. Bei einem Brunnen wusch er sich die blutenden Hände. Mit seinen 135 erbeuteten Franken wollte er schliesslich nach Aarau, doch am Bahnhof wartete bereits die Polizei.