Schöftland
Sie zaubert ein Stück Aargau ins Grimm-Märchen

Elisabeth Heuberger hat das Grimm-Märchen «Allerleirauh» illustriert. In filigraner Aquarelltechnik sind 15 Kunstwerke entstanden.

Peter Weingartner
Drucken
Teilen
Elisabeth Heuberger verbringt Stunden in der Natur, um zu malen – detailgetreu, denn für sie ist jedes Blatt wichtig.

Elisabeth Heuberger verbringt Stunden in der Natur, um zu malen – detailgetreu, denn für sie ist jedes Blatt wichtig.

Peter Weingartner

Wo sind die drei munzigen Mäuschen? Sie fehlen auf keinem der 15 Bilder, mit denen Elisabeth Heuberger aus Schöftland das Märchen «Allerleirauh» illustriert hat. Das Grimm-Märchen hält sich an den Text aus dem Jahre 1837 und erzählt weder von Mäuschen, noch kommen da Fliegenpilze, Katzen und Dachse vor. «Das ermöglicht ein freies Gestalten», sagt die Künstlerin, und aus ihren Bildern spricht die Lust am Gestalten.

Detailreich und verspielt

Welten gehen auf in den Bildern von Elisabeth Heuberger. Im Wald tummeln sich auch Hasen, Bären, Füchse; auf dem Vogelbeerbaum sitzt eine Kohlmeise. Da kann sie aus dem Vollen schöpfen: Elisabeth Heuberger liebt es, im Schöftler Wald zu malen.

Stundenlang. Da wagt sich auch mal ein Mäuschen ins Freie. Seltener würden auch Rehe auftauchen. Stunden verbringt sie in der Natur, um zu malen, detailgetreu: «Jedes Blatt ist wichtig.» Hier entstehen die kleinen Aquarelle, wo auch Wichtel und Elfen sich tummeln. Sie öffnet ihr Mal-Necessaire: «Da drin hat alles Platz.»

Elisabeth Heuberger hat sich intensiv mit «Allerleirauh» auseinandergesetzt, Interpretationen gelesen. Das Märchen beschreibt das Schicksal eines Mädchens, dessen Vater, der König, nach dem Tod der Königin die Tochter heiraten möchte.

Das Mädchen stellt Bedingungen: Drei Kleider will es, «eins so golden wie die Sonne, eins so silbern wie der Mond, und eins so glänzend als die Sterne, dazu einen Mantel von tausenderlei Pelz und Rauhwerk zusammengesetzt».

Wider Erwarten schafft das der König, und dem Mädchen bleibt nichts anderes als die Flucht in den Wald, in die Natur, zu den Tieren. Ja, ein hohler Baum bietet ihm Schutz. Bis es, im «Tierkleid», eines Tages von Jägern eines anderen Königs entdeckt und auf sein Schloss gebracht wird, wo es in der Schlossküche arbeiten muss.

Seine Kleider und natürlich seine Schönheit erwecken aber das Interesse des jungen Königs, zumal das Mädchen sich bei Festen in den schönen Kleidern in den Tanzsaal schleicht. Das Ende? Eine Hochzeit natürlich.

Schloss Lenzburg war Vorbild

Elisabeth Heuberger hat 15 Bilder gemalt, nicht mehr und nicht weniger. «In fünf Jahren Arbeit sind sie entstanden» und nun im Buch zu bestaunen. «Ich habe jeden Tag daran gearbeitet», sagt sie, und man kann das nachvollziehen, angesichts der Fülle an Einzelheiten.

In filigraner Aquarelltechnik, mit ganz feinen Pinseln, entstanden die Bilder, in denen man sich verlieren kann und wo immer neue Details auftauchen in der Pflanzen- und Tierwelt. Nicht nur drei Mäuschen.

Die Waldpflanzen – Farne, Efeu, Moose, Sträucher, Bäume – sind Elisabeth Heuberger von ihrer Arbeit im Wald vertraut. Bei den Tieren hielt sie sich an Fotos und Abbildungen in Büchern. Und die Lenzburg war Vorbild für das Schlossbild.

Die Küche und den Eingangsbereich des Schlosses mit einem Räumchen unter der Treppe, wo die drei Mäuschen sich gerne aufhalten, hat die Künstlerin auf dem Ballenberg gefunden.

Das Teppichmuster? «Aus einem Teppichprospekt!», sagt sie und lacht. Entstanden ist ein Bilderbuch, das in den stimmungsvoll illustrierten Szenen – mal dominiert das Dunkle, dann wieder das Licht – packt. Und der Text schreit nicht nach psychologischer Deutung; er spricht, bewusst nicht modernisiert, für sich.

Allerleirauh Erhältlich im Buchhandel und beim Raffael-Verlag, Ittigen. Ausstellung vom 20. Juni bis 23. August im Kulturzentrum Rüttihubelbad in Walkringen.

Aktuelle Nachrichten