Kölliken
Sie sollen nicht nach Sibirien – ganz im Gegenteil

In Kölliken gehen die Meinungen auseinander: Toni Mettler wünscht sich Werner Boss und Guido Zeltner nach Sibirien. Falsch, sagt Peter Diem, die beiden Kämpfer verdienten das Ehrenbürgerrecht.

Peter Siegrist
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Toni Mettler wollte Werner Boss und Guido Zeltner nach Sibirien schicken. ABU/Archiv

Toni Mettler wollte Werner Boss und Guido Zeltner nach Sibirien schicken. ABU/Archiv

Die Aargauer Zeitung hat in diesem Jahr mehrmals darüber berichtet, dass sich die Kölliker bei Bauvorhaben der Gemeinde in die Haare gerieten. So waren letzthin auch das Schulhausprojekt mit oder ohne Fama-Gebäude äusserst umstritten.

Kölliker Bürger, die mit den Vorschlägen des Gemeinderates und den Beschlüssen der Gemeindeversammlung nicht einiggingen, ergriffen das Referendum. An vorderster Front äusserten sich die beiden Einwohner Werner Boss und Guido Zeltner. Beide sind in Kölliken als kritische Bürger bekannt, haben sie sich doch schon mehrfach gegen die Bau-Politik der Behörde gestellt.

Analogie zum Elefantengeschenk

Wer opponiert, sich kritisch äussert, macht sich nicht in jedem Fall beliebt. So erhielt Werner Boss von Toni Mettler einen Brief. Mettler hatte sich offensichtlich von einer Meierei des az-Kolumnisten Jörg Meier inspirieren lassen. Meier erzählte da von einem Zoo, der vier widerspenstige Elefanten loswerden und verschenken wolle. Der Autor spann die Geschichte weiter und kam zum Schluss «Wer nicht ins Schema passt, wer Probleme macht, der wird verschenkt».

Diese Idee nahm der Toni Mettler auf, und er schrieb Werner Boss: «Ein Grossteil unserer Gemeinde würde sich sicher freuen, wenn wir auf Weihnachten für Werner Boss und Guido Zeltner als schwierige Zeitgenossen ein neues Gehege finden würden. Ich denke Sibirien wäre der richtige Ort.»

Als diese Geschichte in der az-Ressortkolumne «Griensammler» vom 21. Dezember hängen blieb, hat sich der Kölliker Peter Diem geärgert: «Es ist ein redaktioneller Tiefpunkt, wenn solche Gedanken publiziert werden. – Es ist eine stalinistische Haltung. Das war früher, wo Andersdenkende einfach in Sibirien versenkt wurden», schreibt Diem der az-Redaktion.

«Kölliken wäre eine Lachnummer»

Umgekehrt sei es in Kölliken. «Das Dorf sollte Boss und Zeltner zu Ehrenbürgern ernennen.» Die beiden hätten mit der Mehrheit der Stimmbürger verhindert, dass der Dorfplatz mit einem Verwaltungsgebäude überbaut wurde. «Kölliken wäre zu einer Lachnummer geworden, nämlich zu einem Dorf, das seinen eigenen Dorfplatz vernichtet hätte», schreibt Diem.

Und Werner Boss? Er nimmts gelassen. «Ich stelle mich jeder Kritik, habe aber auch die Ironie des Ganzen verstanden.» In dem Sinne habe er Toni Mettler geantwortet, er finde halt in Kölliken «manche Vorkommnisse inakzeptabel», und dann sage er dies auch. Und zu dessen Vorschlag «Sibirien» schrieb er ihm: «Früher wollten die Rechten die Linken nach Russland (Moskau einfach) schicken.» Er, Mettler, sei doch als Sozialdemokrat auch bei den Naturfreunden aktiv gewesen, einer linken Organisation. «Hast du die Front gewechselt?»

In wenigen Tagen beginnt ein neues Jahr: Eine neue Gelegenheit, politische Meinungsverschiedenheiten sachlich auszutragen. Ein Neustart ist immer möglich, auch in Kölliken.

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