Schöftland
Sie singen den Frühling herbei – aber meist anonym

Auf einem Rundgang mit dem Natur- und Vogelschutzverein lernen Hellhörige die Vogelstimmen zu erkennen: Rotkehlchen, Tauben und Zaunkönige stehen im Mittelpunkt.

Peter Weingartner
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Manchmal sieht Niklaus Huber die Vögel – wenn nicht, erkennt er sie an ihrer Stimme.Peter Weingartner

Manchmal sieht Niklaus Huber die Vögel – wenn nicht, erkennt er sie an ihrer Stimme.Peter Weingartner

«Trrrrr-t-t-t. Das ist der Grünfink», sagt Niklaus Huber, der die Samstagsexkursionen in Schöftland leitet. Wir sind noch beim Schloss und lauschen dem Geschnatter der Stare. Einer sitzt auf einer Baumspitze, hat den Fink vertrieben. Grösse und Farbe ähneln der Amsel, nicht aber die Art des Sitzens. Rundlicher, barocker sitzt die Amsel.

Rotkehlchen im Fokus

Zehn Leute wollen die Musik der Vögel kennen lernen. Ab gehts zur linken Talseite. Spatz und Hausrotschwanz sind in der Siedlung auszumachen, auch Blau- und Kohlmeisen. «Es gibt regionale Unterschiede in den Vogelstimmen», sagt Niklaus Huber. An einer Gartenzwergsiedlung vorbei führt der Weg in den Wald Richtung Staffelbach. Huber richtet im Gewirr der Gesänge den auditiven Fokus auf einen Vogel, den man oft sieht, dessen Stimme hingegen wenig populär ist: das Rotkehlchen.

Huber hebt den Finger, wenn es zu hören ist, auf dass man seine Aufmerksamkeit auf diesen Gesang richten kann. «Wie würdet ihr ihn beschreiben?», fragt er. «Für mich hat der Ruf etwas Plätscherndes, Fallendes, wie ein gurgelndes Bächlein», sagt Huber. Es sei auch etwas Melancholisches drin, meint eine Teilnehmerin. Moll?

Dazu passt die Legende, wie das Rotkehlchen zu seiner roten Brust gekommen sein soll. Unverhoffte Aktualität: Passionsgeschichte. Das Rotkehlchen habe einen Dorn aus Jesu Dornenkrone herausgezogen, als Jesus am Kreuze hing. Da sei ein Tropfen Blut auf seine Brust gefallen. Und gleich in die Gene gefahren.

Tauben und Zaunkönige

Nun hört man eine Taube. Aber welche ists? Turteltaube oder Ringeltaube? Das Anhängsel im Ruf machts deutlich. «Iss Suurchruut, Ruedi», gurrt die Ringeltaube. Und Kate Kimberley aus Zetzwil weiss, nachdem Huber das Taubenfleisch als zart beschrieben hat, das deshalb bei Italienern beliebt gewesen sei, einen alten britischen Slogan: «Keep London tidy, eat the pigeon.»

Auch kleinere Vögel machen sich bemerkbar. Die Mönchsgrasmücke hängt gar ihren Schlussgesang an. In der Ferne hört Huber den Zaunkönig mit seinem Trommelwirbel. «Bis 90 Dezibel», sagt er.

Wer Vogelgesang hören will, verfügt mit Vorteil über die Fähigkeit der selektiven Wahrnehmung. So stören weder das Flugzeug noch der Bauer mit seinem Ladewagen im Tal. Den Zilpzalp (er singt seinen Namen) kennt auch Kurt Hauri. Dazwischen und dahinter immer wieder: das Rotbrüstli. Auch das Sommergoldhähnchen, mit 4 bis 8 Gramm Gewicht das kleinste Vögelchen, gibt sich die Ehre. Und der Kleiber. «Schulbuchmässig», sagt Niklaus Huber. Wer das Rotbrüstli ohne Nebengeräusche hören will, dem empfiehlt er die Abenddämmerung, während der nur noch die Singdrossel Konkurrenz macht.

Goldammer als Highlight

Am Samstagmorgen aber sind die Spechte sowie die Sing- und die Misteldrossel stark präsent. «Wowowowo ist das würz’ge Bier?», fragt auf dem Rückweg keck der Buchfink. Die Frage lässt die Goldammer auf dem letzten Birnbaum am Rand der Ebene, das optische Highlight des Morgens, kalt. Die Stimmenlerner aber, unter ihnen die Künstlerin Elisabeth Heuberger, die oft im Wald malt und die Vögel mehr vom Sehen denn vom Hören her kennt, werden künftig das Rotbrüstli am Gesang erkennen.

Fortsetzung «Wer ruft denn da?»: nächste drei Samstage 7.30 bis 8.30 Uhr, Besammlung Schloss Südseite, Schöftland