Abschied und Ortswechsel mit Neuanfang gehörten zum Berufsleben der Heilsarmee-Offiziere, sagen Bjørn und Angelika Marti. Das Gemeindeleiterehepaar der Heilsarmee Aargau Süd in Reinach arbeitete elf Jahre in der Gemeinde. Sei vor Jahrzehnten ein Wechsel im Vierjahres-Rhythmus Usus gewesen, so seien heute die Etappen etwas länger geworden. Genügend Zeit, um etwas Grösseres aufzubauen. Auch genügend Zeit für die drei Kinder des Paares, um in Reinach die Schulen abzuschliessen und die Berufsausbildung zu beginnen.

Jetzt ziehen Martis westwärts, in die Stadt Biel. Bjørn ist in Zürich und Oslo aufgewachsen, Angelika in Bülach. Der Wechsel zurück ins Stadtleben bereitet ihnen keine Sorgen. Bjørn Marti wird in Biel allein verantwortlicher Gemeindeleiter sein, seine Frau kürzt ihr Arbeitspensum aus gesundheitlichen Gründen und übernimmt eine andere Aufgabe. Bei aller Freude auf den Neustart birgt ein Gemeindewechsel auch den Schmerz des Abschiedes und des Loslassens. «Wir haben in Reinach in der Heilsarmeegemeinde und im Dorf mit Menschen Freundschaften geschlossen, ein grosses Netz sozialer Kontakte geknüpft», sagen beide. «Es war eine gute Zeit», sagt Angelika, «da ist viel entstanden.»

Aufbau Sozialdiakonie Reinach

Als Martis von elf Jahren nach Reinach in eine einfach strukturierte Heilsarmee-Gemeinde kamen, haben sie sich zuerst die Frage gestellt: «Würde man es bemerken, wenn die Heilsarmee hier aufhören würde, würde sie fehlen?» Christliche Gemeinden, landeskirchliche und freikirchliche gäbe es ja genug im Oberwynental. Eine von der Heilsarmee in Auftrag gegebene Sozialstudie lieferte dann die Antworten auf diese Grundsatzfrage. «Es zeigten sich soziale Lücken», sagt Bjørn, «diese teils zu schliessen, sahen wir als unsere Aufgabe.» Die Heilsarmee als Teil der christlichen Kirche gründet auf der biblischen Botschaft. Sie hat den Auftrag, einerseits das Evangelium zu predigen und andererseits menschliche Not ohne Wertung der Person zu lindern.

Mit dem Auf- und Ausbau der Sozialdiakonie hat das Ehepaar Marti die Heilsarmee in Reinach zum gewichtigen Partner für viele gemacht und die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde und dem regionalen Sozialdienst forciert. Dazu gehörten etwa die Lebensmittelabgabe, die Notunterkunft oder das begleitete Wohnen. «Wir haben mit Martis immer sehr gut zusammengearbeitet und uns bei schwierigen Fällen gegenseitig unterstützt», sagt die Reinacher Gemeinderätin Pia Müller, Sozialvorsteherin. Das Ehepaar sei sehr kompetent und habe immer eine offene Tür gehabt. Sie hätten häufig ganz konkrete Lösungen zugunsten von benachteiligten Menschen gebracht. «Das hat der Gemeinderat immer anerkannt und sehr geschätzt.»

Krisenresistenz

Für Martis geht es in ihrer Arbeit um gelebtes Christentum. «Menschen haben auch leibliche Bedürfnisse», sagt Angelika Marti, «auch hier war unser Ansatz». Für sie gehe es im Glauben um die Beziehung «von Gott und mir», es gehe für sie nicht um Gesetze und Regeln.

Was nehmen die beiden nach elf Jahren Reinach mit? «Eine gewisse Krisenresistenz und Gelassenheit» sagt Bjørn Marti. In dieser Beziehung habe er viel gelernt. Am 25. Juni feiern Angelika und Bjørn Marti ihren Abschiedsgottesdienst und übergeben die Gemeindeleitung an ihre Nachfolger, Katharina und Peter Hauri. Das Ehepaar Hauri übersiedelt am 28. Juni von Gurzelen BE nach Reinach.