Kölliken/Schöftland

Sie machen Kunst aus Pillen und Zäpfli

Die Künstler Christa Hunziker und Roland Hächler machen Schaufensterkunst aus altem Apothekenmaterial.

Die Künstler Christa Hunziker und Roland Hächler machen Schaufensterkunst aus altem Apothekenmaterial.

Das Kölliker Künstlerduo Insieme gestaltet die Schaufenster der Schöftler Lindenapotheke mit ausgemusterten Produkten.

Am Anfang sei die Einladung von Susanne Warthmann gestanden. Die Geschäftsführerin der Lindenapotheke Zentrum Schöftland bat Christa Hunziker und Roland Hächler aus Kölliken: «Macht etwas!» Aber was? «Wir waren völlig frei», sagt Christa Hunziker, doch bald wurde klar, dass auf den Ausstellungsraum, die Apotheke eben, Bezug genommen werden sollte, «wenn wir den Raum schon bespielen dürfen». Raum, das sind die Schaufenster der Apotheke.

Abgelaufenes erhält ein zweites Leben

Zur Inspiration bekamen die beiden Sachen, die zurückgebracht wurden, weil das Ablaufdatum überschritten war oder sie nicht mehr gebraucht wurden. «Wir erhielten Kapseln, Tabletten, Zäpfli, Verbandsstoff, Tinkturen, Aufgüsse, Salben, Pomaden», erinnert sich Roland Hächler an den Januar dieses Jahres.

Dann gings an eine Bestandesaufnahme; die beiden Künstler sortierten die Medikamente nach Farben, machten eine Auslegeordnung, bevor die kreative Arbeit begann. Als Leitmotiv, in einer Ecke präsent auf den Bildern, wählten sie die Apothekerwaage, Symbol für Ausgeglichenheit. Gleichgewicht von Körper, Seele und Geist als Voraussetzung für Gesundheit. «Balance» nennt sich die Ausstellung mit 88 Exponaten.

Pharma- und Pflanzenprodukte

Eine Serie von Bildern vereint Produkte der Pharmaindustrie mit Pflanzenpräparaten. Entstanden sind vielfältige Farbkompositionen, beispielsweise mit dem Medikament Lisitril und Bärlauch, die blutsenkend wirken. «Wir haben die Pillen aufgelöst und einige farbliche Überraschungen erlebt», sagt Christa Hunziker. Diese Werke erinnern an das letzte Projekt des Paares, das seit zehn Jahren zusammen arbeitet. Surytal: Da spielten sie mit den Erdfarben des Surentals; es entstanden Werke, die 2015 bis 2018 in mehreren Gemeinden gezeigt wurden.

In stimmungsvollen Stillleben, diesmal gegenständlich, indem da Mörser, Phiolen, Glasflaschen, Bücher, Reagenzgläser, ja eine «Zäpflimaschine» auftreten, lebt die Zeit der Alchemisten und Kräuterfrauen, aber auch der frühen Apotheken auf. Das Spezielle dabei: Es werden Medizinalfarben aus Pillen oder Kräutern verwendet; statt Wasser als Bindemittel brauchen die beiden ihre Mischung aus Magermilch, Ei, Magerquark und Weissweinessigsäure. So entstehen Mediquarelle.

Experimente mit Vaseline und Lippenpomade

Aber auch aus Pillen und Kapseln selber werden Bilder, Collagen. Und Blister, diese Durchdrück-Verpackungen von Tabletten, animierten Christa Hunziker und Roland Hächler zu Druckexperimenten, auf Papier und auf Verbandsstoff. Ein Blisterdruck ist auch das grösste Bild, eine Wildblumenwiese mit Lebensmittelfarbe. Dazu kommen Experimente mit Vaseline und Lippenpomade sowie als «Inventionen in Weiss» Farb-, Form- und Materialkompositionen wie Dafalgan auf Hagebutte. Die beiden Künstler reizen ihre Rohstoffe kreativ aus.

Ins Südschaufenster der Apotheke mit Blick zur Kirche zu stehen kommt das Kirchenfenster im gotischen Stil, 1,8 Meter hoch. Und das alles aus ausgedienten und teilweise bemalten Blister, deren dreidimensionale Form hübsche Lichteffekte hervorbringt.

Vernissage der Ausstellung ist am Donnerstag, 5. September um 19 Uhr in der Lindenapotheke Zentrum. Dabei sind die beiden Künstler (www.insieme.li) auch als Musiker, verstärkt durch den Perkussionisten Jaques Widmer. Die 88 Bilder sind verkäuflich und bis zum 2. November ausgestellt.

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