Kölliken

Sie ist die letzte ihrer Art im Aargau: Was von der Hochstudscheune soll gerettet werden?

Andrea-Carlo Polesello von der Initiativgruppe «Kölliker für die Rettung der Hochstudscheune» sucht historisch wertvolle Stücke zusammen.

Andrea-Carlo Polesello von der Initiativgruppe «Kölliker für die Rettung der Hochstudscheune» sucht historisch wertvolle Stücke zusammen.

Der Countdown für den Abbruch der letzten Hochstudscheune läuft. Den Initianten bleibt eine Galgenfrist bis Mitte Februar. Währenddessen entscheiden sie, welche historischen Objekte sie retten wollen.

Eine Tabakpfeife, ein stoffumwickeltes Kupferkabel, rostige Sägeblätter – oder vielleicht doch die Büchse, schwarz vor Rost und Staub? Andrea-Carlo Polesello von der Initiativgruppe «Kölliker für die Rettung der Hochstudscheune» zuckt mit den Schultern. In den Räumen der alten Scheune liegen Dutzende alter Stücke, über Jahrzehnte gesammelt und gehortet. Was ist wertlos, was lohnt es sich, in Sicherheit zu bringen? Was könnte dereinst zum Museumsstück werden? «Hier in Eile die richtigen Entscheide zu fällen, ist sehr schwierig», sagt Polesello.

Rund um die Hochstudscheune herrscht aktuell ungewohnt viel Trubel. Die Baufirma, der die Parzelle gehört, wird demnächst damit beginnen, rund um die Scheune und im Anbau alles Lose ab- und auszuräumen. Ausserdem werden die Anbauten abgebrochen. Stehen bleiben wird nur die Bausubstanz aus dem frühen 19. Jahrhundert, die ursprüngliche Scheune. Zumindest vorerst.

Deshalb dürfen die Initianten – inzwischen ist die Gruppe auf über 30 Personen angewachsen – nun alle historisch wichtigen losen Objekte aus der Scheune holen. Dies unter der Auflage, dass diese später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ausserdem dürfen die Initianten für den allfälligen Rückbau sämtliche Bauteile kartieren und anzeichnen. «Uns wurde erlaubt, jederzeit die Scheune zu betreten», so Polesello. Aus der Scheune geschleppt hat die Gruppe bereits Maschinen aus der Küferei.

Gesucht: Helfer und Spenden

Seit Monaten kämpft die Initiativgruppe «Kölliker für die Rettung der Hochstudscheune» für den Erhalt des weitherum einmaligen Gebäudes. Dafür will sie die Scheune sorgfältig zerlegen und an einem geeigneten Standort wieder aufbauen. Im Dezember hat sich die Baufirma bereit erklärt, die Scheune abzubauen und einzulagern, bis ein neuer Standort für den Wiederaufbau gefunden ist – im Gegenzug braucht sie aber 100'000 Franken für die sorgfältige Zerlegung und Einlagerung der Fahrnisbaute.

Der Haken: Die Retter müssen das Geld bis spätestens Mitte Februar zusammenbringen. Stand jetzt sind es etwas über 10'000 Franken, die auf dem Spendenkonto eingegangen sind. Kommt das Geld nicht zusammen, wird die letzte Hochstudscheune im Kanton, wohl sogar die letzte weit über die Kantonsgrenzen hinweg, abgerissen.

Jetzt gilt es aber nicht nur Spenden zu sammeln, sondern auch die losen Gegenstände zu sortieren, zu dokumentieren und einzulagern. Die Initiativgruppe sucht deshalb Helfer: Fachpersonen, Helfende, Fahrer sowie Transportfahrzeuge und Lagerplätze. Noch weiss Polesello nicht recht, wohin mit all den geborgenen Schätzen. «Notfalls stapeln wir sie daheim unter dem Ofenbänkli», sagt er und stellt das nächste potenzielle Museumsstück zur Seite.

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