Vor Weihnachten herrscht Hochbetrieb im Bastelladen von Ruth Hochstrasser (65) in Reinach. Dieses Jahr ganz besonders: Bis zum 30. Dezember gibt es auf das ganze Sortiment Rabatt. Danach schliesst die Besitzerin nach 14 Jahren ihr Geschäft und geht in Rente. Bereits seit September ist ihr Mann pensioniert. «Jetzt wollen wir es noch ein bisschen geniessen miteinander», sagt sie. Ganz aufhören will und kann sie aber nicht. Sie wird weiterhin für eine Firma im Wallis Modelle basteln und Kurse geben.

Basteln liegt im Trend. Das war früher so und ist heute nicht anders. Was angefertigt werde, ändere sich aber stetig. «Man muss immer sofort einhaken», so Hochstrasser. Wenn das Material aus der Mode komme, müsse man loslassen und sich auf das Neue einlassen: «Vor zwanzig Jahren malten alle Porzellanpuppengesichter. Vor zehn Jahren wurde gefilzt. Und heute sind Shabby-Chic-Farben hoch im Kurs.» Sie hat sich ständig weitergebildet, um dran zu bleiben. Was sich nie geändert habe: Die Leute würden noch immer gerne Weihnachtskarten basteln. «Wir haben jedes Jahr Hunderte von Karten verkauft.»

Der Bestseller in den vergangenen 14 Jahren waren die Schmuckutensilien. Das erklärt auch das riesige Regal voller Perlen, Pailletten und Anhängern. Die Ladenbesitzerin hat regelmässig Schmuck-Kurse besucht und ihr Können an ihre Kundinnen weitergegeben.

Bastelanleitung von Expertinnen

Wenn keine Kundschaft im Laden steht, sitzen Ruth Hochstrasser und ihre Mitarbeiterin Hanni Mosimann selber mit Schere und Papier an ihren Basteltischen hinter dem Tresen. Für die Kunden fertigen sie Muster und Bastelvorlagen an, aber auch Girlanden, Schmuck und Figuren, die sie verkaufen. «Ich war häufig schon um vier Uhr morgens im Laden, um wieder neue Sachen zu produzieren.» Denn ohne Muster laufe nichts. Die Kunden sind nicht nur wegen des Bastelmaterials in den Laden gekommen. Im «Bastelbogen» suchte man nach Bastel-Inspiration und holte sich Tipps und Tricks von den Expertinnen.

Ganz verschwinden wird das Bastelangebot in Reinach aber nicht. Dank den beiden Menziker Schwestern Sandra Müller und Isabel Dätwyler müssen die Oberwynentaler auch künftig nicht nach Aarau oder Sursee reisen, wenn sie die Bastellust packt. Am 10. Februar 2018 eröffnen sie den Bastelladen «Zum Basteltor» im gleichen Lokal an der Stumpenbachstrasse. «Das Angebot bleibt mehr oder weniger gleich», verraten die Schwestern. Auch Bastelkurse werden sie weiterhin organisieren. Neu gebe es eine Kaffee-Ecke und einen Online-Shop. Und was rät Ruth Hochstrasser ihren Nachfolgerinnen? «Seid kreativ.» Dann komme es gut.