Im Mai hat die öffentliche Spitex Aargau den Bereich der palliativen Pflege krebskranker Patienten von der Krebsliga Aargau übernommen. Damit kommt ein beträchtlicher Zusatzaufwand auf die sieben neu ernannten regionalen palliativen Zentren zu.

Die meisten der unheilbar Kranken möchten zu Hause sterben. Die Krebsliga hatte das Angebot nicht weiterführen können, da die bestehenden Strukturen und das Personal nicht mehr ausreichten. Letzteres wurde vollständig von den Spitex-Organisationen übernommen.

Region Suhrental und Zofingen

Bereits zuvor hatte die Spitex Aargau Pflege und Beratung für sterbende und chronisch kranke Patienten und ihre Angehörigen, die sie zu Hause versorgen, angeboten. Einzig der Service der palliativen Onkologie, also der Bereich der Krebspatienten, wurde von der Krebsliga über ihr Angebot der Onko Spitex erbracht.

Eines der neuen regionalen palliativen Zentren ist die Spitex Suhrental Plus mit Standort in Muhen. Von dort aus werden Patienten und Angehörige des Suhren- Rueder- und Uerkentals betreut. Ebenfalls an die Suhrentaler Spitex angegliedert sind die Fälle der palliativen Pflege aus acht Gemeinden in der Region Zofingen. Zwei spezialisierte Pflegefachfrauen sind dort nun für die Dossiers der Palliativpatienten zuständig, während weitere Mitarbeiter momentan im Fachgebiet weitergebildet werden.

Der Übergang sei reibungslos erfolgt, auch, weil die Spitex-Mitarbeiter schon bisher im Bereich der palliativen Pflege arbeiteten, sagte Sonja Morgenthaler, Präsidentin von Spitex Suhrental Plus, im Rahmen einer Medienorientierung gestern. Die diplomierte Pflegefachfrau ist sich der Verantwortung als offizielles palliatives Zentrum bewusst: «Wir müssen gute Arbeit machen, bei Patienten und den Angehörigen, denn nach dem Tod eines Patienten bleiben immer Menschen zurück. Eine gute Betreuung während dieser Phase ist auch entscheidend für ihr Befinden in der Zeit danach.»

Situation frühzeitig erfassen

Neben der Pflege des Patienten und der Beratung der Angehörigen muss im Bereich der palliativen Pflege viel Arbeitszeit in koordinative Aufgaben gesteckt werden, wie Daniel Weber, Geschäftsleiter Spitex Suhrental Plus, sagt. Dazu gehört die Koordination mit anderen Anbietern im palliativen Bereich, kirchlichen Institutionen und die Zusammenarbeit mit angegliederten Spitexorganisationen, etwa dann, wenn zeitweise ein intensiverer Pflegebedarf besteht oder eine Nachtwache organisiert werden muss.

«Entscheidend für einen möglichst schonenden Sterbeprozess ist die frühzeitige Erfassung der Situation beim Patienten zu Hause», sagt Laura Kyburz, Pflegefachfrau für palliative Pflege. «Haben die Angehörigen ein Netzwerk und wie gross ist es? Brauchen sie Unterstützung bei der Koordination mit Spitälern, Ärzten und Spitex-Organisationen?» Dadurch soll vermieden werden, dass die pflegenden Angehörigen der körperlichen oder psychischen Erschöpfung erliegen.

Am Standort Muhen geht man davon aus, dass der Umfang der Leistungen an Betreuung für Palliativpatienten und Angehörige in den nächsten Monaten kontinuierlich steigen wird. Seit Anfang August beobachte man konkrete Anzeichen einer solchen Leistungszunahme, teilte die Leitung in einem Schreiben mit.

Die Spitexorganisationen finanzieren sich durch die Beiträge der angeschlossenen Gemeinden, den Erträgen aus den verrechenbaren Leistungen und Mitgliederbeiträgen sowie Spenden. Auf Letztere müssen gerade während der nächsten Monate zurückgegriffen werden, wie Daniel Weber sagt: «Während der Aufbauphase des vergrösserten Palliativpflege-Angebots werden wir finanziellen Mehraufwand verzeichnen. Dieser wird vor allem durch Spenden abgedeckt, in zweiter Linie durch Mitgliederbeiträge.»