Aargauer auf Reisen
Sie chatten zwischen zwei Welten hin und her

Sie sind noch keine 20 Jahre alt. Und haben ihrer Heimat bereits den Rücken gekehrt. Eine Seetalerin und eine Suhrentalerin tauschen sich über ihre Eindrücke aus Kairo und Missouri aus.

Michaela Müller und Nina amann
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Nina Amann macht ein Zeitungspraktikum.

Nina Amann macht ein Zeitungspraktikum.

Zur Verfügung gestellt

Die beiden jungen Frauen haben die Kantonsschule abgeschlossen und sind aufgebrochen in zwei Länder, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Michaela Müller besucht zurzeit eine Sprachschule in Kairo, weil sie das Arabische fasziniert und die Mentalität der Ägypter.

Ihre Kollegin Nina Amann arbeitet derweilen in den USA beim Sullivan Journal in Sullivan, Missouri, wo sie, nach eigenen Angaben, den Autounfällen und Verhaftungen hinterher, gute Storys für den Teil «E-call» der Zeitung zu schreiben hat.

Nina Amann aus Staffelbach und Michaela Müller aus Seengen haben letzten Sommer gemeinsam das Mediencamp der Aargauer Zeitung besucht. Kurz danach sind sie aufgebrochen. Die beiden jungen Frauen sind während ihres Auslandaufenthalts in Kontakt geblieben. Dabei haben sie sich auch über die Unterschiede der beiden Länder unterhalten. Dieser Auszug aus ihrem Chat gibt einen ungeschminkten Einblick in das Leben der beiden Frauen fern ihrer Heimat.

Nina Amann: Wie verbringst du deine Zeit denn so im Ferienparadies Ägypten? Bist du fleissig am Mitdemonstrieren?

Michaela Müller: Mitdemonstrieren? Da trink ich lieber den ganzen Tag Tee und lebe den gemütlichen ägyptischen Alltag. Von den Events erfahre ich nur, wenn sich meine armen Mitschüler aus Versehen von einem Taxi mitten durch die Demonstrationen kutschieren lassen.

Amann: Medienrummel also? Das wirft die ganze Verschwörungstheorie meines Gastvaters über den Haufen. Er meinte: Spätestens nach den Neuwahlen in Ägypten wird Al Kaida versuchen, Amerika zu zerstören und Obama ist nicht darauf vorbereitet.

Müller: Das erzähl ich hier besser nicht weiter ... Erst kürzlich hat mir der Ladenbesitzer um die Ecke erklärt, wie sehr er Amerika hasse. Hätte er aber die Chance, würde er selbstverständlich jederzeit dorthin auswandern.

Amann: Apropos Vorurteile: Kürzlich hat mich meine Freundin Samantha gefragt, ob wir in Schweden (ist ja dasselbe, wie die Schweiz:) auch Internet hätten. Übrigens wie begegnen dir als Blondine die Ägypter?

Müller: Ja, als Blondine fällt man hier schon auf. Alle paar Meter hör ich ein «Willkommen in Ägypten». Die ganze Aufmerksamkeit mag ja anfangs vielleicht schmeichelhaft sein, geht mit der Zeit aber doch auf die Nerven.

Amann: Nerven kostet mich hier die Unorganisiertheit. Mein Arbeitgeber, das Sullivan Journal, kennt wenig von Schweizer Disziplin. Das hat gute und schlechte Seiten. Ausser beim nächsten noch so kleinen Verkehrsunfall: Da sind alle diszipliniert und rennen mit der Kamera in der Hand aus der Türe.

Müller: Schreibst du auch über andere Dinge ausser den aktuellsten Neuigkeiten im Strassenverkehr?

Amann: Ich habe kürzlich einen Artikel über das Abfall-und Recyclingsystem von Sullivan geschrieben. Abfall soll in sechs Kategorien getrennt vor das Haus, das ist für viele unerhört viel Arbeit. Dass wir in der Schweiz die Flaschen und Dosen sogar zurückbringen, war für meinen Interviewpartner unverständlich.

Müller: Wenigstens kennen die Amis Recycling. Hier wird alles in dieselbe Tonne geworfen oder auf der Strasse liegen gelassen. Nur die Ärmsten sammeln den Abfall ein und trennen ihn mithilfe von Schweinen. Mehr Recycling gibts nicht.

Amann: Ich muss los, Autounfall auf der Main Street.

Müller: Tschüss, war schön mal wieder von dir zu hören.