Alu Menziken
Sie alle sind stolz hier arbeiten zu dürfen

Die Stiftung Schürmatt hat in dieser Woche gemeinsam mit der Alu Menziken in Reinach ein Projekt gestartet. Seit Wochenbeginn arbeiten vier von der Stiftung Schürmatt betreute Erwachsene im Alu-Werk Reinach in der Produktion.

Peter Siegrist
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Die Klienten der Schürmatt arbeiten zusammen mit ihrem Gruppenleiter Thomas Gruner (2. von rechts) in der grossen Halle. Peter Siegrist

Die Klienten der Schürmatt arbeiten zusammen mit ihrem Gruppenleiter Thomas Gruner (2. von rechts) in der grossen Halle. Peter Siegrist

Sie stehen an Fräs- und Stanzmaschinen und führen Metallbearbeitungsarbeiten aus. Roland Gloor, CEO der Alu Extrusion AG, erklärt, die Alu Menziken habe seit jeher Leute mit Beeinträchtigungen angestellt und mitgetragen. «Aber es ist heute viel schwieriger geworden, geeignete Arbeiten zu finden in unserem hochtechnischen Betrieb, um zum Beispiel Leute mit geistigen Behinderungen zu integrieren.»

Die Alu lagere heute einen Teil der Produktion zu Unterlieferanten im Ausland aus, sagt Gloor. Dies bei vollen Auftragsbüchern und gegenwärtig einer Produktion, die auf vollen Touren laufe. Der hohe Frankenwert gegenüber dem Euro trage bei zu dieser Situation.

Werkleute in Betrieb integriert

Mit der neuen Abteilung gelinge es, einen Teil der Produktion in Reinach zurückzuhalten. «Dieses Projekt ist eine Symbiose für beide Unternehmen und für die Alu durchaus attraktiv», so Gloor. Die Alu müsse zwar besondere Strukturen aufbauen; dafür sorgen, dass die längeren Durchlaufzeiten aufgefangen würden. «Dafür bleibt ein Teil der Arbeit hier, wir können rascher in den Prozess eingreifen, und die Verpackungs- und Transportkosten fallen auch weg.»

Die Werkleute der Schürmatt arbeiten in einer Schicht. Bei einem sehr grossen Auftragsvolumen, erklärt Hans Adams, Bereichsleiter Produktion, sei es aber möglich, dass auf den gleichen Anlagen mit Mitarbeitern der Alu eine zweite oder dritte Schicht eingeschoben werde. Das bedeutet, die Schürmatt-Leute decken die Grundlast ab, Spitzen können bei Bedarf Alu-Leute übernehmen.

Die Betreuung der Klienten ist klar geregelt. Die Alu-Logistik ist für die arbeitstechnische Seite zuständig, für die Ausbildung an den Maschinen und das Einhalten der Qualitätsvorgaben sowie für die Sicherheit der Klienten. Die Schürmatt ihrerseits übernimmt die sozialpädagogische Betreuung der Werkleute. Die Qualitätsanforderungen für die Werkteile sind hoch, die neue Abteilung wird ins Qualitätssicherungssystem der Firma eingebunden.

Tagesstruktur nötig

Die Entlöhnung sei so geregelt, dass die Alu Menziken gewissermassen pro gefertigtes Teil zahle, «die Produktionszeit spielt dann weniger eine Rolle», erklärt Gloor. Und Adams ergänzt, dass die Schürmatt-Leute halt mit mehr Angestellten eine Arbeit erledigten, aber das spiele in diesem Projekt keine Rolle. «Ich bin überzeugt, dass diese Zusammenarbeit langfristig sein wird», meint Adams.

Die Stiftung Schürmatt stellt einen steigenden Bedarf an Arbeitsplätzen fest für ausgesteuerte Personen und für Leute mit Beeinträchtigungen. «Hier geht es um betreute Arbeitsplätze im 2. Arbeitsmarkt», erklärt Markus Meier, der Leiter des Geschäftsbereiches Erwachsene der Schürmatt. Die Betroffenen brauchten eine sinnstiftende Tagesstruktur.

Vom Stolz, zur Alu zu gehören

Das neue Projekt «Schürmatt-Alu» bietet integrierte Arbeitsplätze an, gleich wie die Neogard in Gontenschwil, wo heute rund 25 Personen mit einer geistigen Behinderung arbeiten. Roland Gloor: «Diese Menschen arbeiten bei uns im Betrieb, sie ‹gehören› folglich zur Alu-Belegschaft.» Und Meier bestätigt, dass dieser Unterschied zu Arbeit in einer geschützten Behinderten-Werkstätte positiv auf das Selbstwertgefühl der Klienten auswirke.

Hans Adams ist bereits nach den ersten Tagen zufrieden, wie sich die Klienten – nach anfänglicher Skepsis vor dem Neuen – gut eingearbeitet hätten. Und Thomas Gruner, der Werkgruppenleiter, der mit seiner Gruppe in der Alu-Halle arbeitet, erzählt, seine Schützlinge seien richtig stolz, dass sie hier arbeiten könnten.

Es braucht auch in unserer Region immer mehr betreute Arbeitsangebote, die Menschen mit Behinderungen verschiedener Art ermöglicht, erwerbstätig zu sein. «Tagesstruktur und ein leistungsbezogener Verdienst geben zusätzlichen Anreiz gegenüber dem reinen Sozialhilfebezug», sagt Markus Meier, Bereichsleiter in der Stiftung Schürmatt.

Für die Alu und die Schürmatt stelle dieses Projekt eine sogenannte Win-Win-Situation dar, betonen Meier und Gloor: «Die Idee ist bei einer spontanen Begegnung entstanden und innert kurzer Zeit realisiert worden.»

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