Nach vielen Jahren ist es aus: Die Primarschule Reinach und die Kreisschule Homberg lassen ihre Schüler kein Altpapier mehr sammeln. Die erste Tour im neuen Jahr übernehmen heute Samstag die Spieler vom Unihockeyclub Lok Reinach.

Der Entscheid, die Papiersammlung abzugeben, sei gefallen, nachdem 2014 die Thematik auf nationaler Ebene in Bezug auf Sicherheit und Verantwortung gross diskutiert wurde, sagt Christian Gantenbein, Leiter der Kreisschule Homberg.

Zu der Debatte geäussert hatte sich unter anderem der Geschäftsführer des St. Galler Unternehmen Fachstelle Schulrecht, Peter Hofmann. In einem Gastbeitrag im Magazin des Schweizerischen Lehrerverbands hielt der Jurist fest: «Kinder und Jugendliche sind den Gefahren des immer dichteren Strassenverkehrs unmittelbar ausgesetzt.» Bei einem Unfall, schrieb Hofmann weiter, könnte den Verantwortlichen Eventualvorsatz vorgeworfen werden, was straf- und zivilrechtlichen Folgen habe. «Das Risiko steht für alle Beteiligten in keinem vertretbaren Verhältnis zum Gewinn.»

Rechtlichen Fragen nachgegangen

Man sei der Problematik nachgegangen, sagt Kreisschulleiter Christian Gantenbein. Zuerst habe das Schulleitungsteam intern diskutiert, danach mit Primarschulleiterin Christina Schwob. «Wir wollten den Sicherheitsaspekt klären», so Gantenbein. Nebst dem Thema Sicherheit sei man auch den rechtlichen Fragen nachgegangen. Etwa, wie die verantwortlichen Lehrpersonen geschützt werden könnten.

Das Altpapier hätte man gerne weitergesammelt. «Aber nur unter gewissen Sicherheitsvorkehrungen», sagt der Kreisschulleiter. Beispielsweise hätten die Schulen Leiterwägeli oder Leuchtwesten kaufen müssen. Denn bislang, erklärt Christina Schwob, waren die Schüler mit eigenen Wägeli und Anhängern unterwegs. Diese aufzutreiben sei mit der Zeit schwierig geworden, immer weniger Familien würden solche besitzen. Zuletzt hätten die Schüler das Velo mitgebracht und das Papier darauf gestapelt, was nicht ganz ungefährlich gewesen sei.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, wären Investitionen von rund 12 000 Franken nötig gewesen, sagt Gantenbein. Die Ortsschulpflege befand aber, dass der Aufwand gemessen am Ertrag zu gross gewesen wäre. So habe man sich entschieden, die Sammlung abzugeben.

Damit stellen sich die Schulen auf den Standpunkt des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV) und der Fachstelle Kommunale Infrastruktur: In einem Merkblatt (13.9.07) raten sie den Gemeinden, «den Sammelmodus zu überprüfen und nach Möglichkeit Lösungen ohne Beteiligung von Schülerinnen und Schülern (...) zu finden.» Auslöser waren zwei schwere Unfälle, die sich in der Zentralschweiz im Sommer 2007 ereigneten.

Nach dem Rückzug der Schulen musste eine neue Lösung her. Die Gemeinde Reinach schrieb verschiedene Vereine an, zugesagt hat bislang der Unihockeyclub. «Wir waren daran interessiert, die Papiersammlung zu übernehmen», sagt Klubpräsident Riccardo Belluz. Als Verein sei man immer auf finanzielle Mittel angewiesen, ein «Batzen» sei willkommen. Die Zusage sei auch ein Dankeschön an die Gemeinde für die langjährige Unterstützung.

«Der Zustupf kommt den Junioren zugute», so der Klubpräsident. Rund 25 Spielerinen und Spieler, von den C-Junioren bis zur U21, sind heute im Einsatz. Betreut werden sie von der Breitensportgruppe. «Die Erwachsenen werden die Jugendlichen mit verschiedenen Autos begleiten», sagt Belluz. Eine Massnahme, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Nebst Altpapier will der Verein Erfahrungen sammeln. Denn noch wisse man nicht, ob 25 Jugendliche genügen oder zuwenig seien, oder, ob man einen oder einen halben Tag einplanen müsse. «Wir starten und schauen dann, wie es wird», sagt Belluz und fügt an: «Wir freuen uns.»