Der Fall einer 30-jährigen Aargauer Oberstufenlehrerin, die im Skilager Sex mit ihrem 17-jährigen Schüler hat, wirft hohe Wellen. In Onlinekommentaren äussern viele Leser Verständnis oder sogar Bewunderung für den jugendlichen Liebhaber. 

Auch eine Strassenumfrage von Tele M1 zeigt: Die Empörung hält sich in Grenzen. «Ich finde mit 17 kann man solche Sachen selbst entscheiden», findet ein Passant. «Wenn wir ehrlich sind, haben wir doch alle mal davon geträumt», sagt ein anderer.

Für Sexualpädagogin Irene Huber sind diese Reaktionen nicht überraschend. Es gebe viele junge Männer und Frauen, die vom Sex mit einer Autoritätsperson oder einfach einer älteren Person träumen.

Keine Empörung über Sextäterinnen

Keine Empörung über Sextäterinnen

Doch bei umgekehrten Rollen – also wenn ein Lehrer Sex mit seiner Schülerin hat – hört das Verständnis auf: «Dann würde ich denken, er sei pädophil», heisst es bei den gleichen Befragten. Eine Passantin bringt es auf den Punkt: «Man hat dann das Gefühl, es handle sich vielleicht um Vergewaltigung. Wenn es aber ein Junge ist, geht man davon aus, dass er selbst entschieden habe.»

Die Gründe einer so unterschiedlichen Auffassung sieht die Sexualpädagogin im klassischen Rollenverständnis der Geschlechter. Auf der einen Seite gibt es die «junge Frau, die sich nicht wehren kann» und auf der anderen Seite den «jungen Mann, der sich ja wehren könnte und selbst schuld ist, dass er dem Reiz der Lehrerin verfallen ist.»

Die Justiz kennt diese Unterscheidung nicht. Gegen die Lehrerin wurde von unbekannter Seite eine Strafanzeige eingereicht. Nachdem die Affäre bekannt wurde, hat die Bezirksschule Unterkulm, wo die verheiratete Frau unterrichtete, der Lehrerin gekündigt. (cze)