Leimbach

Seltener Blick ins Strohdachhaus: «Früher wurde viel gestohlen»

Die Türen des Leimbacher Strohdachhauses aus dem Jahr 1783 werden nicht oft geöffnet – aber wenn, sind Spuren des einfachen Bauernlebens sichtbar. Am Sonntag hat ein Mann durch das Haus geführt, der in ihm aufgewachsen ist.

Hansruedi Merz kennt das Leimbacher Strohdachhaus wie kein anderer. Er ist im daneben liegenden Heimet aufgewachsen und ging Zeit seines Lebens in diesem Haus ein und aus.

Seine Grosstante war eine der letzten Bewohnerinnen und noch heute hält Hansruedi Merz, Jahrgang 1929, die alten Räume und die darin gesammelten Haushaltgegenstände und Geräte in Schuss.

Für alle, die den Anlass verpasst haben: In diesem Video führt Hansruedi Merz durch das Strohdachhaus.

Für alle, die den Anlass verpasst haben: In diesem Video führt Hansruedi Merz durch das Strohdachhaus.

 

Johannes und Rosette Leutwyler-Merz waren die letzten Bewohner des Strohdachhauses auf dem Seeberg oberhalb Leimbach. Johannes lebte von 1829 bis 1916, seine Frau, Jahrgang 1857, starb im Alter von nur 31 Jahren bei der Geburt ihres vierten Kindes.

Fotos der beiden hängen immer noch im Haus, sie zeigen einen kritisch blickenden, älteren Herrn und eine junge Frau mit mädchenhaften Zügen. Die Bilder sind nicht datiert und wurden wohl nicht zur gleichen Zeit aufgenommen.

Rosette Leutwyler-Merz war eine Schwester des Grossvaters von Hansruedi Merz. Eine starke Frau sei sie gewesen, erzählte Merz. Sie habe in Beinwil am See gearbeitet und sei jeden Tag, Sommer und Winter, zu Fuss dorthin gelangt, bei einem 10-Stunden-Arbeitstag wohlverstanden.

Haus gehört dem Heimatschutz

Hansruedi Merz erzählte am Samstag anlässlich einer öffentlichen Führung durch das Strohdachhaus von seiner Grosstante. Die Kulturkommission Leimbach hatte die Besichtigung organisiert, da viele Dorfbewohner das Haus zwar von aussen kennen, jedoch noch nie einen Schritt ins Innere setzen konnten. Das Gebäude gehört dem Aargauer Heimatschutz und ist nur mit Führung zugänglich.

«Früher stand es immer offen, aber es wurde viel gestohlen», erklärte Hansruedi Merz. Er führt aber nicht nur Interessierte durch das Gebäude, sondern hält es auch in Schuss. Eine grosse Herausforderung sei das Reinigen der bleigefassten Butzenscheiben. «Man darf nicht zu fest drücken.» Vor zwei Jahren wurde das Dach neu eingedeckt; nicht wie früher mit Roggenstroh, sondern mit Schilf. Die 30 bis 33 Zentimeter dicke Schicht soll gut 30 Jahre halten.

Nachdem 1916 der letzte Bewohner des Strohdachhauses verstorben war, übernahm die Familie von Hansruedi Merz das Gebäude, bis es 1954 an den Heimatschutz ging. Bewohnt wurde es zwar nicht mehr, trotzdem wusste Merz viel über das Leben in einfachen Verhältnissen zu berichten. Das Haus verfügt über keinen Kamin. Wurde in der Küche gefeuert, ging der Rauch zuerst hoch in die darüber liegende Rauchhütte und räucherte dort Schinken und Speck. Danach kam er wieder herunter und verliess die Küche durch Schlitze über der Haustüre.

In der Stube steht ein Kachelofen, im danebenliegenden Elternschlafzimmer hängen die erwähnten Fotos von Johannes und Rosette Leutwyler über dem Bett, das Kinderzimmer wurde auch Hinterstube genannt. «In einem Bett schliefen oft drei Kinder», erzählte Merz, der alle Räume mit alten Möbeln eingerichtet hat. Im oberen Stockwerk befindet sich neben der Rauchhütte ein weiterer Raum, in welchem Merz vor allem landwirtschaftliche Geräte wie Ochsenjoch, Holzgabeln oder eine einfache Werkbank aufbewahrt.

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