Bundesgericht

Selbstunfall mit 2 Promille: Staatsanwalt forderte mehr als zwei Jahre Gefängnis

Der Blaufahrer landete mit seinem Auto im Wald, machte sich erst aus dem Staub und kehrte wieder zurück. (Symbolbild)

Der Blaufahrer landete mit seinem Auto im Wald, machte sich erst aus dem Staub und kehrte wieder zurück. (Symbolbild)

Ein Blaufahrer verursachte vor zwei Jahren in Murgenthal einen Selbstunfall und wurde zu 2 Jahren Haft verurteilt. Der Staatsanwalt forderte vor Bundesgericht 3½ Jahre. Denn der 34-Jährige habe das Risiko eines tödlichen Unfalls in Kauf genommen.

Ein 34-jähriger Autofahrer verliert nachts um 3.30 Uhr die Kontrolle über sein Auto und landet in einem Strassengraben im Wald von Murgenthal. Doch statt sich bei der Polizei zu melden, macht er sich aus dem Staub. 

Das Pech des Blaufahrers: Ein Passant findet den herrenlosen VW Golf an der Bergstrasse wenig später und meldet dies. Als die Kantonspolizei an der Unfallstelle eingetroffen ist, taucht der Unfallfahrer plötzlich wieder auf. 

Er wirkt verwirrt, ist unverletzt und bestreitet, am Steuer gesessen zu sein. Er wisse auch nicht, wie es zum Unfall gekommen sei. Trotzdem nimmt ihn die Polizei vorläufig fest. Eine Blutprobe ergibt später, dass er bei jenem Selbstunfall Ende September 2013 mindestens 1,94 Promille im Blut hatte. 

Auto eingezogen

Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte den 34-Jährigen wegen Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand zu zwei Jahren Haft. Zudem widerrief es zwei Geldstrafen, die auf Bewährung ausgesprochen worden waren und liess das Unfallauto einziehen. 

Nun zog allerdings nicht der Blaufahrer, sondern die Oberstaatsanwaltschaft das Urteil vor das Bundesgericht. Es fordert ein härteres Urteil – und eine Freiheitsstrafe von 3½ Jahren. Begründung: Der Blaufahrer sei nicht mehr «Herr seiner Sinne» gewesen, habe das Fahrzeug nicht mehr beherrscht. Er habe vorsätzlich elementare Verkehrsregeln verletzt und einen Unfall mit Schwerverletzten oder Todesopfern in Kauf genommen. 

Die Richter in Lausanne haben die Beschwerde allerdings abgewiesen. Der Gesetzesparagraph für die härtere Bestrafung setzt ein hohes Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Toten voraus, nicht bloss eine generell-abstrakte Gefahr. Die Staatsanwaltschaft führe aber nicht aus, dass respektive inwiefern dieses hohe Risiko während der Autofahrt oder beim Unfall vorgelegen habe. Der hohe Alkoholgehalt im Blut allein reicht nicht. Zudem müsste erwiesen sein, dass der Unfallfahrer vorsätzlich hat.  

Urteil: 6B_926/2014

Meistgesehen

Artboard 1