Gontenschwil
Seit 30 Jahren gibt sie der Galerie Schlössli ein Gesicht

Anna Verena Hoffmann hat 1985 ihre Galerie eröffnet. Mittlerweile hat sie 140-mal Werke von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt. Das Publikum reist aus der ganzen Schweiz an.

Peter Siegrist
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Galerie Schlössli
8 Bilder
Kurt Hediger zeigt 58 Ölbilder, die in den Jahren 1968 bis 2015 entstanden sind.

Galerie Schlössli

Peter Siegrist

Sie lebt in Zürich und betreibt in Gontenschwil eine Galerie. Das mag ungewöhnlich erscheinen. Doch Anna Verena Hoffmann hat ihre Wurzeln im Dorf hinter der Moräne. Sie ist hier aufgewachsen, in dem Haus mit dem auffälligen Erker samt Türmchen an der Dorfstrasse.

Ihre Eltern führten im Erdgeschoss einst einen Laden. In diesen Räumen hat sie vor dreissig Jahren ihre eigene Galerie eröffnet.

Eine enge Beziehung zur Kunst hatte Anna Verena Hoffmann seit je. «In unserer Familie haben alle gelegentlich gemalt», sagt sie, «Kunst interessierte immer.» So erstaunt es nicht, dass Hoffmann selber intensiv malte und auch mehrmals in Zürich in Galerien ausstellte.

Vor dreissig Jahren wuchs der Wunsch in ihr, selber eine Galerie zu führen. Die verwaisten Ladenlokalitäten im Elternhaus erschienen ihr geeignet, und so packte sie es an und baute die Räume in eine Galerie um.

Die erste Ausstellung gestaltete sie 1985 mit eigenen Bildern. Sie hat selber den Aufwand erfahren, der nötig ist, um eine Ausstellung so vorzubereiten, dass sie einer breiten Öffentlichkeit gezeigt werden kann. «Bin ich geeignet, als Galeristin zu arbeiten?», das habe sie sich zu Beginn schon gefragt. Aber dann suchte sie Künstler. «Mit einem Inserat», sagt sie lachend. «Und es hat geklappt.»

Kathrin Leder sei eine der ersten Malerinnen gewesen, die bei ihr ausstellten, und sie sei ihr treu geblieben. Für Anna Verena Hoffmann ist besonders wichtig, mit den Künstlerinnen und Künstlern in Kontakt zu bleiben und ihre Werke ein zweites, drittes Mal zu zeigen. Dies sei für beide, Galeristin und Künstler, interessant «denn es gibt der Galerie ein Gesicht».

Während Jahren hat Anna Verena Hoffmann gleichsam in drei Berufen gearbeitet. Im angestammten Bereich als Kauffrau, dann als Kunstschaffende und immer mehr als Galeristin. Verschiedene bekannte Aargauer Künstler haben mehrmals ihre Werke im Schlössli gezeigt.

«Auf Kurt Hediger, den Reinacher Kunstmaler, habe ich fünf Jahre gewartet», sagt Hoffmann. 1990 habe es dann geklappt. Hediger stellte ein erstes Mal in Gontenschwil aus, und in der Folge immer wieder.

Am nächsten Sonntag eröffnet die Galerie eine weitere Ausstellung mit Kurt Hediger. Nach den Zyklen «Stationen eines Malers» zeigt die Galerie jetzt Bilder nach Jahreszeiten gruppiert. Die erste Ausstellung ist dem Frühling gewidmet.

Frühlingslicht und Frühlingsfarben perfekt umgesetzt

Am nächsten Sonntag eröffnet die Galerie Schlössli in Gontenschwil einen neuen Ausstellungszyklus mit Bildern des Reinacher Kunstmalers Kurt Hediger. Die Ausstellungsreihe ist den Jahreszeiten gewidmet. Gestartet wird dem Frühling. Kurt Hediger zeigt 58 Ölbilder, die in den Jahren 1968 bis 2015 entstanden sind – Landschaften, blühende Bäume und Gärten. Die neusten Werke stammen vom letzten Monat und zeigen die feinen Farbabstufungen und die helle Leichtigkeit, die Hedigers Bildern so eigen sind. Kurt Hediger, 83, hat seit 1990 bereits 14 Mal bei Anna Verena Hoffmann ausgestellt. Seit 2010 gestaltet die Galeristin mit ihm Ausstellungszyklen zu seinem Gesamtwerk: Stationen eines Malers, Porträts, Bäche und Flüsse, Winterbilder. (psi)

Öffnungszeiten: Vom 26. April bis 20. Mai, jeweils sonntags, 14 bis 17 Uhr.

Anna Verena Hoffmann erklärt, es sei für sie jedes Mal wieder ein besonderes Gefühl, wenn eine Ausstellung bereit sei und kurz vor der Vernissage stehe. «Ich stelle mich dann jeweils auf die andere Strassenseite und blicke durch die Schaufenster in die Galerie.» Und dann freue sie sich auf die Eröffnung. Der Kontakt mit den Künstlern, Besuchern und Kunden sei jeweils das Besondere. Als Galeristin achte sie darauf, dass sie die Gespräche immer auf die Bilder oder Skulpturen lenken könne. «Deswegen sind die Leute ja schliesslich angereist.»

Für die Künstler sei es natürlich wichtig, dass sie auch Bilder verkaufen könnten, sie hofften auf Besucher, die bereits mit der Idee einträten, sich ein Bild zu kaufen. Oft sagen Künstler, die Galeristin nehme ihnen viel Arbeit ab, von der Präsentation der Bilder bis zur Werbung und Organisation der Vernissage. Das entlaste enorm. Dass dafür ein Teil des Erlöses in die Galerie fliesse, sei klar und richtig. «Geld verdienen mit einer Galerie war immer schwierig», sagt Hoffmann, denn man müsse stets darauf achten, dass man die Nebenkosten jederzeit im Griff habe.

Nur, wenn es ihr gelinge, eine gute Ausstellung zu machen, das Niveau hoch zu halten, dann erfülle sie das mit Befriedigung. Es sei eine stete Herausforderung, immer wieder etwas Neues zu machen, die Ausstellungstage mit passenden Events wie Lesungen oder Musikvorträgen anzureichern. «Gefällt es den Leuten, dann kommen sie wieder, wenn meine Galerie auch nicht mitten in einer Stadt liegt.»

Zwischen fünf und sechs Ausstellungen organisiert Hoffmann jedes Jahr in Gontenschwil. Mittlerweile sind es über hundertvierzig geworden. Am 20. Mai feiert sie anlässlich der Finissage der Ausstellung mit Kurt Hediger das 30-jährige Bestehen ihrer Galerie und gleichzeitig ihren 70. Geburtstag.

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