Reinach

Seit 100 Jahren stürmen sie die Gipfel: SAC Homberg feiert Jubiläum

Die Jugendorganisation des SAC Homberg auf dem Gipfel: Auf dem Urner Gross Spannort in der Tourenwoche 2019.

Die Jugendorganisation des SAC Homberg auf dem Gipfel: Auf dem Urner Gross Spannort in der Tourenwoche 2019.

Die Wynentaler SAC-Sektion Homberg wird dieses Jahr 100 Jahre. Mittlerweile hat die Sektion, die in Reinach beheimatet ist, gut 300 Mitglieder.

Im Tourenbericht der Klettertour auf die Lobhörner steht fein säuberlich in Schreibmaschinenschrift: «Tour nur für geübte Kletterer zu empfehlen; vielleicht etwas langer Anmarsch für relativ kurze Kletterei; Kameradschaftsgeist sehr gut!» Von 1951 stammt dieser Bericht, dem das Banner des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) Sektion Homberg aufgedruckt ist. Neun Kletterfreunde hatten sich damals die Lobhörner vorgenommen, deren höchste Spitze auf 2566 Metern liegt.

31 Jahre zählte die SAC Sektion Homberg damals bereits, doch Grundlegendes hatte sich seit der Gründung 1920 noch nicht verändert: Zu Berg gingen nur Männer in ihren Knickerbocker-Hosen, denn gerne waren sie beim Ausführen ihres Hobbys unter sich. Frauen waren noch bis 1979 keine erlaubt in den SACs. Die Ausrüstung war noch sehr einfach, auch wenn die Lobhörner-Besteiger von 1951 immerhin eine «Sitzschlinge mit Karabiner» mitführten und nicht einfach ein Seil um den Bauch gebunden hatten wie die Gründergeneration.

Stumpenländer Kletterer mussten Rauchen aufgeben

100 Jahre feiert die Wynentaler SAC-Sektion dieses Jahr. Inzwischen nutzen Bergsteiger Apps zu ihren Landkarten, tragen eine Outdoorausrüstung statt Knickerbocker. Eine der einschneidendsten Änderungen der jüngeren Geschichte der «Stumpenländer» Bergsteiger: Rauchverbot in SAC-Hütten – ein Graus für diejenigen Wynentaler, die sich ihre Freizeit ohne Zigarre nicht vorstellen konnten. Zudem zahlte die Stumpenfabrik vielen von ihnen den Lohn. Eine Änderung, die nicht ohne Protest über die Bühne ging. Zu Beginn zumindest.

Was sich ebenfalls stark verändert habe, sei die Freizeit, wie SAC-Sektionspräsident Beat Huber (58) weiss. «Früher arbeitete man samstags oft und wollte jede Minute der knappen Freizeit fürs Bergsteigen nutzen.» Der frühere Bahnhofvorstand Walter Gloor etwa habe am Samstagnachmittag den Titlis-Aufstieg auf sich genommen, auf der Route übernachtet, am Sonntag den Gipfel erklommen und sei bis Sonntagabend wieder zu Hause gewesen.

Ein Stück Gletscher stürzte auf die Gruppe

Einen einzigen tödlichen Unfall hat der SAC Homberg in seiner Geschichte zu beklagen. Während einer Hochtour im Sustengebiet 1998 stürzte ein grosses Stück des Gletschers auf die Gruppe und forderte ein Todesopfer. «Das war ein schwerer Schlag für den Verein», sagt Kassier Urs Kyburz (49).

Danach sei einige Zeit vergangen, bis sich Mitglieder wieder auf anspruchsvolle Touren begeben hätten. «Niemand wollte etwas riskieren», so Kyburz. Obwohl der Unfall nicht wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen geschehen war, bekam die Unfallprävention danach im SAC Homberg einen noch höheren Stellenwert. Auf anspruchsvolle Touren kommt jeweils einer der beiden ausgebildeten Bergführer des Vereins mit. Über das Jahr werden verschiedene Kurse wie Lawinen-, Kletter- und Hochtourenkurse angeboten.

Das «Weidhüsli» ist nur für die Hombergler

Die Jubiläumstour wird sie auf einen Berggipfel oberhalb ihrer SAC-Hütte «Weidhüsli» führen, die über Hasliberg-Reuti im Berneroberland steht. Als «Bijou» bezeichnen sie Beat Huber und Urs Kyburz. Versteckt im Wald sei sie, aber trotzdem mit wunderbarer Aussicht. Die Hütte ist anderen Bergsteigern kaum bekannt, ausser den «Homberglern» übernachtet dort praktisch niemand. «Mit 20 Schlafplätzen ist sie zu klein, um sie als öffentliche SAC-Hütte inklusive Verpflegung zu betreiben», sagt Beat Huber. So kommen nur die Wynentaler und ihre Bergsteigerfreunde auf Einladung in den Genuss, im «Weidhüsli» abzusteigen. Beat Huber hat schon als Kind in der Hütte übernachtet. «Schon mein Vater war SAC-Mitglied und wir sind oft zu Berg gegangen. So bin ich reingewachsen», sagt er.

Während seine Kinder keine grosse Leidenschaft fürs Bergsteigen hegen, klettern jene von Urs Kyburz bereits beim SAC mit und sind auch auf Ski- und Hochtouren dabei. Auch seine Frau Doris Kyburz ist im Club und spornt als Schulsportlehrerin die Jugendlichen ihrer Kletterlektionen an, auf eine Schnuppertour mitzukommen. Manchmal würden auf einen Schub viele Junge dem Verein beitreten, dann könne wieder ein paar Jahre Ebbe herrschen, sagt Beat Huber. Das liege nicht unbedingt daran, dass Bergsteigen nicht im Trend liege, sondern, dass die SACs bei Jungen zu wenig bekannt seien und die Auswahl an Freizeitaktivitäten grösser sei.

Denn der Bergsport und die SACs sind mit der Zeit gegangen. Seit 1920 sind Disziplinen wie Skitourenrennen, Eis- oder Sportklettern hinzugekommen. Für Letzteres muss man nicht mal mehr in die Berge, sondern hangelt sich in der Turnhalle die Kletterwand hinauf. Seit neustem ist Sportklettern Olympische Disziplin. Nun muss sich nur noch das Corona-Virus aus Japan zurückziehen, damit im Sommer die ersten Kletterer Olympiamedaillen einheimsen.

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